FRANKFURT (Dow Jones)--Neue Sorgen um Griechenland haben den Europas Aktien kräftig in den roten Bereich gedrückt. Die Aussicht auf ein Linksbündnis in Griechenland sorgte für deutliche Abgaben bei den Finanzwerten. Zweifel an der Eurozone und Konjunkturängste drückten den Euro zeitweise unter 1,30 Dollar. Öl, Gold, Kupfer und die US-Aktienmärkte gingen gemeinsam auf Talfahrt.
Nur deutsche Staatsanleihen waren wieder als Hort der Sicherheit gesucht und stiegen auf Allzeithoch. Der Euro-Stoxx-50 fiel um 2,1 Prozent auf 2.236 Punkte, der DAX um 1,9 Prozent auf 6.445 Punkte. Selbst gute Unternehmensdaten gingen in diesem Umfeld unter. Die EU plant nun einen Sondergipfel am 23. Mai, um über künftige "Wachstumstrategien" zu beraten.
Griechische Links-Partei will sich nicht an Verträge halten
Für Entsetzen am Markt sorgten Aussagen der linksradikalen Partei Syriza in Griechenland. Sie werde keine Sparanstrengungen unterstützen und die bisherigen Sparpläne für null und nichtig erklären, hieß es von dort. "Besonders diese Forderung nach einem Schuldenmemorandum macht dem Markt Angst", sagte ein Händler: "Damit wären sämtliche Anstrengungen der EU zur Eindämmung der Schuldenkrise dahin". Ein Austritt der Griechen aus der Eurozone rücke damit wieder auf die Agenda.
Syriza ist aktuell mit der Regierungsbildung beauftragt. Der Parteiführer der Nea Dimokratia, die stärkste Partei bei den Wahlen wurde, hatte am Montag diesen Versuch erfolglos aufgegeben.
Euro fällt - Athen bricht auf 20-Jahrestief
Der Euro verlor über einen halben Cent zum Dollar, zum britischen Pfund fiel er auf ein Dreijahrestief. In Griechenland brachen die Bankentitel im Schnitt um 9,6 Prozent ein - Alpha Bank an der Spitze um 14 Prozent. Der Athener Leitindex ASE fiel um 3,6 Prozent und schloss auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.
Flucht in deutsche Renten
Renten waren umgekehrt als vermeintlich sicherer Hafen gesucht. Der deutsche Bund-Futures sprang auf ein neues Allzeit-Hoch bei 142,64 Prozent. Umgekehrt fiel die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen auf 1,54 Prozent und damit ein Rekordtief zurück. Bei den Anleihen Spaniens und Italiens zogen die Renditen an.
Finanztitel kräftig im Minus
Natürliche Verlierer der Angst um die Eurozone waren die Bankenwerte: Vor allem die Anteilsscheine französische Institute standen unter Druck. Societe Generale fielen um 4,8 Prozent, BNP Paribas um 3,8 Prozent. Der Sektor gab um 1,9 Prozent nach, der der Versicherer sogar um 2,2 Prozent. Deutsche Bankenwerte kamen etwas glimpflicher davon; hier fielen Deutsche Bank um 2,5 Prozent und Commerzbank um 3,4 Prozent.
Von guten Geschäftszahlen profitierte nur die Aktie der britischen Großbank HSBC. Der Kurs gab nur um 1,1 Prozent auf 549 Pence nach. Nicht ganz so überzeugend fielen die Geschäftszahlen von Munich Re aus. Die Aktie fiel um 3,7 Prozent auf 103,85 Euro. Hier hatten die ausgezeichneten Zahlen von Swiss Re für höhere Erwartungen gesorgt. Swiss Re gaben nur 1,5 Prozent nach.
Konjunktursorgen drücken Automobil- und Minenpapiere
Die Konjunktursorgen drückten vor allem zyklische Aktien wie die der Automobilhersteller. Auch die Roh- und Grundstoffwerte gaben deutlich nach. Vor allem der Fall im Kupferpreis um bis zu 3 Prozent belastete. Automobilwerte wurden durch die Bank abverkauft, der Sektor fiel um 3,1 Prozent. Renault, Fiat und Peugeot-Citroen gaben über 4 Prozent nach. MAN und BMW fielen je 3,9 Prozent.
Die Minenwerte gaben im Schnitt um 3,3 Prozent nach. Hauptverlierer war der Rohstoffhändler Glencore mit 4,5 Prozent Minus. Bei den Chemiewerten verloren BASF 2,6 Prozent, im Stahlbereich ThyssenKrupp 2,7 Prozent.
Telekomwerte dank KPN im Plus
Telekomtitel stellten europaweit die einzige Gewinnerbranche, nachdem America Movil (AM) seinen Anteil an der niederländische KPN aufstocken will. Der Sektor stieg um 0,9 Prozent. AM bietet 8 Euro je Aktie und damit eine Prämie von 23,5 Prozent auf den Vortagesschluss. Das Unternehmen des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim will den Anteil auf 28 Prozent nach zuvor 4,8 Prozent aufstocken. "Das zeigt, wie attraktiv niedrig die Bewertung der europäischen Telekommunikationsdienstleister mittlerweile ist", sagte ein Händler. KPN haussierten um über 17 Prozent. Auch Deutsche Telekom legten 0,6 Prozent zu, Telecom Italia um 1,1 Prozent und Telefonica um 0,3 Prozent.
In London profitierten Thomas Cook von der Verlängerung der Kreditlinien. Die Aktien kletterten um 2,4 Prozent auf 21,50 Pfund. TUI Travel nutzten positive Geschäftszahlen dagegen nichts, die Aktien fielen um 3,2 Prozent.
Europäische Schlussstände von Dienstag, den 8. Mai 2012:
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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2236,11 -46,98 -2,1% -3,5
Stoxx-50 2350,90 -35,37 -1,5% -0,8
Stoxx-600 250,58 -4,25 -1,7% 2,5
Frankfurt XETRA-DAX 6444,74 -124,74 -1,9% 9,3
London FTSE-100 5554,55 -100,51 -1,8% -0,2
Paris CAC-40 3124,80 -89,42 -2,8% -1,1
Amsterdam AEX 300,59 -4,15 -1,4% -3,8
Athen ATHEX-20 231,83 -10,77 -4,4% -12,5
Brüssel BEL-20 2170,61 -9,81 -0,5% 4,2
Budapest BUX 17523,19 -246,53 -1,4% 3,2
Helsinki OMXH-25 2010,37 -23,83 -1,2% 3,5
Istanbul NAT30 70169,90 -95,21 -0,1% 13,7
Kopenhagen OMXC-20 457,38 -2,16 -0,5% 17,3
Lissabon PSI 20 5215,15 45,92 +0,9% -4,2
Madrid IBEX-35 7063,20 -56,30 -0,8% -18,2
Mailand FTSE-MIB 13936,70 -338,65 -2,4% -7,6
Moskau RTS 1481,06 -7,58 -0,5% 7,2
Oslo OBX 370,71 -11,02 -2,9% 3,7
Prag PX 0,00 0,00 0% -100,0
Stockholm OMXS-30 1018,54 -12,17 -1,2% 3,1
Warschau WIG-20 2168,35 -49,05 -2,2% 1,1
Wien ATX 2083,74 -27,42 -1,3% 10,2
Zürich SMI 5977,80 -62,38 -1,0% 0,7
DEVISEN zuletzt '+/- % Di, 8.25 Uhr Mo, 17.45 Uhr
EUR/USD 1,3006 -0,12% 1,3022 1,3053
EUR/JPY 103,7756 -0,34% 104,1308 104,2759
EUR/CHF 1,2011 -0,01% 1,2012 1,2013
USD/JPY 79,7980 -0,23% 79,9800 79,8785
GBP/USD 1,6152 -0,14% 1,6175 1,6193
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DJG/mod/flf
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May 08, 2012 12:52 ET (16:52 GMT)
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