--Neuer Berliner Großflughafen verzögert sich
--Probleme bei der Brandschutztechnik sind der Grund
--FDP-Fraktionschef Brüderle spricht von "peinlicher Blamage"
--Airlines müssen umplanen - Air Berlin erwartet erhebliche Mehrkosten
(NEU: Reaktion Air Berlin, Wowereit, Platzeck, Brüderle, weitere Details, Hintergrund)
Von Franziska Scheven DOW JONES NEWSWIRES
BERLIN (Dow Jones)--Kurz vor Start mussten die Betreiber des neuen Berliner Großflughafens Willy Brandt erneut die Notbremse ziehen. Eigentlich sollten die Flugzeuge schon 2007 startklar sein. Nun wurde der geplante Eröffnungstermin vom 3. Juni wieder aufgehoben. Ein konkretes Datum, wann der Betrieb an dem neuen Airport endlich losgehen soll, nannte die Betreibergesellschaft nicht. Es hieß lediglich "nach den Sommerferien". Die Fluggesellschaften müssen nun gewaltig umplanen.
Für Deutschland und die Bundeshauptstadt sei das eine "peinliche Blamage und spricht nicht für unsere Standorte", sagte FDP-Faktionschef Rainer Brüderle. "Offenbar sind da nicht die fähigsten Kräfte am Werk." Den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit forderte Brüderle auf, sich intensiv um seine Aufsichtspflicht zu kümmern. "Das ist auch ein Imageschaden für Deutschland, was hier stattfindet", kritisierte der FDP-Fraktionsvorsitzende.
"Das ist kein guter Tag für den Flughafen und die Bürgerinnen und Bürger unserer Länder", reagierte Wowereit zurückhaltend auf die Hiobsbotschaft. Sicherheit gehe für die Flugpassagiere vor, erklärte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Er forderte die Betreibergesellschaft Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH auf, umgehend Konsequenzen zu ziehen.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zeigte auch Verständnis: "Es ist wichtig, wenn er eröffnet wird, dass es ein sicherer Flughafen ist", betonte er. Grund für die Verzögerung sind Probleme bei der Brandschutztechnik
Airlines müssen umplanen
Deutschlands größte Airline, die Deutsche Lufthansa, macht die kurzfristige Ankündigung einen Strich durch ihre Expansionspläne. Die Lufthansa will den neuen Hauptstadtflughafen nutzen, um ein komplett neues Streckennetz aufzubauen. Ab Drehkreuz Berlin sollen künftig 39 Ziele statt acht angeflogen werden. Die Zahl der Flüge pro Woche soll von 650 auf über 1.000 steigen, wie ein Konzernsprecher sagte.
An der Ausweitung und dem neuen Flugplan will Lufthansa festhalten, schließlich seien mehrere tausend Tickets für die Flüge schon verkauft. "Wir wollen das Programm wie geplant durchfliegen", sagte der Sprecher.
Auch auf Hauptversammlung des DAX-Konzerns hieß es am Dienstag, die geplanten zusätzlichen Flüge sollten in jedem Fall starten. Die Fluggesellschaft führe bereits Gespräche, um die dafür notwendigen Slots am Flughafen Tegel zu sichern. Der sollte eigentlich mit der Inbetriebnahme des neuen geschlossen werden. Zu den Mehrkosten konnte die Frankfurter Fluggesellschaft derzeit noch nichts sagen.
Um zusätzliche Slots in Tegel konkurriert die Airline allerdings mit anderen Fluggesellschaften, die sich nun vor die gleichen Probleme gestellt sehen. Ob die noch übrigen Kapazitäten für alle reichen, dürfte fraglich sein.
Bei Air Berlin zeigt man sich enttäuscht über die erneute Verschiebung. Die nun notwendig gewordene Umplanung stelle "alle Beteiligten vor gewaltige logistische Probleme, die außerdem erhebliche noch nicht kalkulierbare Mehrkosten verursachen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende, Hartmut Mehdorn.
Eine Baugeschichte mit Hindernissen
Seit Baubeginn für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg im September 2006 haben die Verantwortlichen mit einigen Hürden zu kämpfen. Bürgerdemonstrationen und Baupannen sorgten regelmäßig für Verzögerungen. Auch private Investoren sind abgesprungen und überließen das 1,7 Milliarden Euro Projekt der Staatskasse. Den letzten Ausfall gab es im vergangenen Herbst, als es wegen der extremen Kälte zum Baustopp kam. Zusätzlich ist auch noch eine der Planungsfirmen Pleite gegangen.
Der neue Airport, der sich 20 Kilometer südwestlich vom Berliner Zentrum befindet, soll den gesamten Flugverkehr in der Region konzentrieren. Der Flughafen Tempelhof hat bereits 2008 seine Pforten geschlossen, auch in Tegel soll demnächst der letzte Flieger abheben.
-Von Franziska Scheven, Dow Jones Newswires; +49 (0)30 2888 4126, franziska.scheven@dowjones.com (Harriet Torry, Stefanie Haxel und Beate Preuschoff haben zu diesem Bericht beigetragen.) DJG/fsc/kla
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May 08, 2012 13:31 ET (17:31 GMT)
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