--Währungsfonds erwartet Aufschwung in Deutschland
--IWF warnt vor Gefahren durch Zuspitzung der Eurokrise
--Deutschland soll aktivere Rolle für europäische Vision spielen
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Von Andreas Kißler DOW JONES NEWSWIRES
BERLIN (Dow Jones)--Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht günstige Aussichten für eine Wirtschaftserholung in Deutschland, die aber von externen Risiken beeinträchtigt werden könnte. Besonders könnten sich Zuspitzungen der Lage in einigen Euro-Ländern negativ auswirken, erklärte der IWF in der Abschlusserklärung seiner jüngsten Konsultationen mit Deutschland. Eine Mission des Währungsfonds hatte sich zuvor in Deutschland aufgehalten und dabei Bundesbank und Regierung besucht.
"In Deutschland sind die Bedingungen für eine von der Binnennachfrage geleitete Erholung nach dem Rückgang Ende 2011 intakt", erklärte der Währungsfonds und sagte voraus, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2012 sein Potenzial erreicht, gestützt durch Verbrauch und Investitionen. Die Belastung aus dem letztjährigen Rückgang der Binnennachfrage gehe zurück, und die Arbeitsmarktbedingungen hätten sich weiter verbessert.
In diesem Kontext hielt der Währungsfonds Kreisen des IWF zufolge seine Prognose für das Wachstum in Deutschland von 0,6 Prozent für dieses und 1,5 Prozent für das kommende Jahr aufrecht. "Im Moment sehen wir die Entwicklung sehr auf der Linie mit dem, was wir im April vorhergesagt haben", hieß es.
Jedoch warnte der Währungsfonds vor einer möglicherweise schlechteren Entwicklung. "Der kurzfristige Ausblick wird allerdings überschattet von einer Reihe von Abwärtsrisiken aus externen Quellen", erklärte der IWF in dem Bericht. Hauptrisiko sei eine Intensivierung der Eurokrise, die direkt auf Deutschland durch reale und finanzielle Kanäle und indirekt durch gedämpftes Unternehmer- und Verbrauchervertrauen überspringen könnte. "Allgemein niedrigere Wachstumsaussichten würden ebenfalls die Aussichten für die Aktivität überschatten," so der IWF.
Kurzfristige Priorität habe es, den Übergang zu einem auf Binnennachfrage basierten Wachstum fortschreiten zu lassen. Der fiskalische Ansatz mit einer moderaten Konsolidierung und einer vollen Tätigkeit der automatischen Stabilisatoren sei angemessen. Zunahmen bei Löhnen und einigen Vermögenswerten wären nach Einschätzung des IWF "Teil des natürlichen Prozesses einer Neubalancierung der Wachstumsquellen". Dies würde einer Verringerung von Ungleichgewichten im Euroraum helfen. Der IWF betonte, in Übereinstimmung mit dem Mandat der Europäischen Zentralbank könnte in diesem Kontext die Inflation in Deutschland etwas höher liegen als im Schnitt der Eurozone.
Ausdrücklich forderte der Fonds Deutschland dazu auf, "aktiv daran teilzunehmen, die gemeinsame Vision der Wirtschafts- und Währungsunion einer Nach-Krisen-Architektur zu artikulieren". Gesamteuropäische Maßnahmen könnten eine Nutzung von EU-Strukturfonds und eine Erhöhung der Ausleihekapazität der Europäischen Investitionsbank beinhalten. "Als größte Volkswirtschaft der Eurozone kann Deutschland eine entscheidende Rolle spielen, um die aus der Krise entstandenen Herausforderungen anzugehen", betonte der Fonds.
Jedoch wolle der IWF damit keiner Abkehr Deutschlands vom Konsolidierungskurs das Wort reden. "Die diesbezüglichen Pläne im Haushalt sind angemessen", hieß es. Allerdings werde auch kein ambitionierterer Kurs gefordert. Zudem ermunterte der Währungsfonds die Bundesregierung, Strukturreformen zur Erhöhung des Potenzialwachstums fortzusetzen. Auch forderte der IWF, die Gelegenheit für Finanzsektorreformen zu ergreifen. "Insbesondere glauben wir, dass größere Anstrengungen nötig sind, um die Landesbanken zu restrukturieren und ihre Geschätsmodelle zu reformieren."
-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires +49 (0)30 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com DJG/ank/apo
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May 08, 2012 13:50 ET (17:50 GMT)
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