--Ausfuhren steigen im März unerwartet
--Nettoexporte dürften Wachstum im ersten Quartal gestützt haben
--Auch Außenhandel deutet auf Wirtschaftswachstum im ersten Quartal
(NEU: Hintergrund, Reaktionen von Bankvolkswirten)
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Zeichen für die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2012 stehen gut. Nach einem unerwartet deutlichen Anstieg der Produktion im März nährt nun ein kräftiger und unerwarteter Anstieg der Ausfuhren die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft zwischen Januar und März vielleicht noch ein wenig stärker als die bisher weithin erwarteten 0,2 Prozent gewachsen ist. Worauf es nun ankommt, ist der private Konsum, das traditionelle Sorgenkind der Volkswirtschaft.
Aber zunächst zu den Exporten, der traditionellen deutschen Paradedisziplin: Trotz sinkender Nachfrage aus den Partnerländern stiegen die Ausfuhren im März auf 98,9 Milliarden Euro. Das war der höchste jemals gemeldete Monatswert und 0,7 Prozent mehr als im März 2011. Die Einfuhren legten auf Jahressicht 2,6 Prozent zu und verzeichneten mit 81,5 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert. Die bisherigen Höchstwerte waren jeweils im März 2011 ausgewiesen worden. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Ausfuhren gegenüber Februar um 0,9 Prozent und die Einfuhren um 1,2 Prozent zu. Beobachter hatten überwiegend mit einem Rückgang der Exporte im Monatsvergleich gerechnet. Saisonbereinigt lag der Außenhandelsbilanzüberschuss im März bei 13,7 Milliarden Euro. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Überschuss von 14,3 Milliarden Euro erwartet.
Nach Berechnung von UniCredit-Volkswirt Alexander Koch haben die deutschen Ausfuhren im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal preisbereinigt um 1,6 Prozent zugenommen, während die Importe um nur 0,1 Prozent zulegten. "Folglich dürften die Nettoexporte Anfang dieses Jahres einen spürbaren positiven Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt geleistet haben", sagte er. Koch sieht nun sogar ein gewisses Risiko, dass seine Wachstumsprognose von 0,2 Prozent überboten werden könnte, wenn das Statistische Bundesamt am 15. Mai BIP-Daten für das erste Quartal veröffentlicht.
Zwei weniger positive Anmerkungen zum Wirtschaftswachstum hat Koch aber auch: Erstens ist aus seiner Sicht noch unklar, wie sehr der private Konsum die Wirtschaft gebremst hat und zweitens zeigen auch die Außenhandelsdaten, wie schlecht derzeit die Lage in den anderen Ländern der Eurozone ist. Deutschlands exportorientierte Wirtschaft wird in nächster Zeit noch stärker als sonst von Ausfuhren in Schwellenländer abhängig sein.
Commerzbank-Volkswirtin Ulrike Rondorf schlägt einen eher vorsichtigen Ton an. Sie geht davon aus, dass der Exportanstieg im März zum Teil auf Probleme bei der Saisonbereinigung zurückgeht und erwartet dass, wie im Vorjahr, im April ein Exportrückgang folgen wird. "Zudem zeigt die bisher ausgebliebene Trendwende bei den Auftragseingängen in der Industrie, dass vorerst nicht mit einem kräftigen Wachstum zu rechnen ist. Dies ist vor allem auf die magere Nachfrage aus dem Euroraum zurückzuführen", sagte sie. Allerdings wiederholte sie die noch am Vortag bekräftigte Prognose nicht mehr, dass das BIP im ersten Quartal um nur 0,1 Prozent steigen dürfte. Vom Außenhandel erwartet sie einen Wachstumsbeitrag von 0,5 Prozentpunkten.
Unklar ist die Entwicklung anderer wichtiger BIP-Komponenten. UniCredit-Volkswirt Koch bewertet den kräftigen Anstieg des Inlandsumsatzes mit Investitionsgütern als gutes Vorzeichen für die Investitionen im ersten Quartal. Am größten ist das Rätselraten wie immer in Bezug auf den privaten Konsum. Das liegt einerseits daran, dass er in letzter Zeit gemessen an den günstigen Rahmenbedingungen vergleichsweise schwach gewesen ist. Zum anderen liegen derzeit nur wenige und außerdem eher unzuverlässige Daten zum Konsum vor. Die Einzelhandelsumsätze sanken im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1 Prozent. Allerdings werden diese Daten regelmäßig deutlich revidiert, außerdem steht der Einzelhandel für weniger als 40 Prozent des gesamten Konsums.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,
Hans.Bentzien@dowjones.com
(Gisela Simon hat zu dem Bericht beigetragen)
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May 09, 2012 04:57 ET (08:57 GMT)
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