Die Wall Street hat zwischenzeitliche
Aufschläge am Freitag nehezu komplett wieder abgegeben. Nachdem ein
überraschend positives US-Konsumklima den wichtigsten US-Indizes ins
Plus verholfen hatte, sorgten Nachrichten aus Athen bis gut zwei
Stunden vor Handelsende für Gewinnmitnahmen. Der Dow Jones
Industrial büßte zuletzt 0,01 Prozent auf 12.853,75 Punkte
ein. Dem breiter gefassten S&P-500-Index blieb ein Zuwachs
von 0,08 Prozent auf 1.359,11 Punkte. An der Nasdaq ging es für den
Composite-Index noch um 0,53 Prozent auf 2.949,05 Punkte
nach oben und der Auswahlindex Nasdaq 100 lag mit 0,59
Prozent im Plus auf 2.631,72 Punkte.
In den USA hatte sich das von der Universität Michigan
ermittelte Konsumklima im Mai überraschend von 76,4 Punkten im
Vormonat auf 77,8 Zähler aufgehellt. Volkswirte hatten zuvor mit
einem leichten Rückgang auf 76,0 Punkten gerechnet. Der Index der
Universität Michigan gilt als Barometer für das Kaufverhalten der
US-Verbraucher. Derweil kam aus Athen die Meldung, dass der Versuch
zur Bildung einer breiten Koalitionsregierung in Griechenland wohl
vorerst gescheitert ist. Die Linksradikalen sind nicht bereit, in
eine Koalition mit den Konservativen, den Sozialisten und der
kleinen Partei der Demokratischen Linken einzutreten.
Mit Abstand schwächster Wert im Leitindex waren die Papiere von
JPMorgan mit minus 8,66 Prozent. Die größte
US-Bank hat seit Anfang April rund 2 Milliarden US-Dollar oder
umgerechnet 1,5 Milliarden Euro bei riskanten Spekulationsgeschäften
verloren. Bankchef Jamie Dimon räumte ein, dass sich noch weitere
Verluste anhäufen könnten, da die Finanzwetten weiterhin liefen. An
der Wall Street wurden Erinnerungen an die Finanzkrise 2008 geweckt,
die von ähnlich riskanten Geschäften mit synthetischen
Finanzprodukten ausgelöst wurde.
JP Morgan ist das bestverdienende Kreditinstitut der Vereinigten
Staaten und war einigermaßen ohne Blessuren durch die Finanzkrise
gekommen. Experten bezweifeln inzwischen, dass es sich um einen
Einzelfall handelt. "JPMorgan hat unter den Banken einen hohen
Standard aufrecht erhalten. Wenn selbst die das machen, dann fragt
man sich, wer noch?", sagte ein Investmentstratege. Die Aktien der
US-Investmentbank Goldman Sachs tendierten
entsprechend ebenfalls sehr schwach.
An die Spitze des Dow setzten sich dagegen Intel-Papiere
mit einem Aufschlag von 2,24 Prozent.
Konzernchef Paul Otellini bestätigte, dass die Nachfrage der
Geschäftskunden im Rahmen der Erwartungen liege - auch aus Europa.
Er bestätigte damit entsprechende Probleme, die am Vortag bei Cisco
Systems zu Tage getreten waren, nicht.
Microsoft-Papiere zogen ebenfalls an. Der
Softwarekonzern hat angekündigt, dass er seine Suchmaschine Bing
künftig enger mit Facebook verzahnen will. Unterdessen wurde
bekannt, dass der geplante Börsengang von Facebook bei
institutionellen Investoren auf weniger Interesse stößt als erhofft.
Das Online-Netzwerk peilt bei dem IPO Einnahmen bis zu 11,8
Milliarden Dollar an.
Abseits der großen Indizes gaben die in New York gelisteten
Hinterlegungsscheine (ADR) von America Movil etwas nach.
Der größte Mobilfunkanbieter Lateinamerikas übernimmt zu einem
ungenannten Preis Simple Mobile, einen Wiederverkäufer von
Kapazitäten der Telekomtochter T-Mobile USA. America Movi
will den Kauf von Simple Mobile im zweiten Quartal abschließen. Das
Unternehmen verkauft SIM-Karten, ohne Handys mitzuliefern./ag/he
ISIN XC0009694206 XC0009694271 US6311011026 US78378X1072
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