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UPDATE: Krankheit zwingt Infineon-CEO zum Rücktritt

--Bauer geht schweren Herzens wegen Osteoporose-Leidens

--Vorstandsmitglied Reinhard Ploss tritt zum 1. Oktober Nachfolge an

--Aufsichtsratsmitglied Cramer spricht von "sicher optimaler Lösung"

--Bauer: "Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer"

--Erste Marktreaktion abwartend

(Neu: weitere Details, Reaktionen)

Von Ursula Quass und Vera Sprothen 
DOW JONES NEWSWIRES 

MÜNCHEN (Dow Jones)--Aus gesundheitlichen Gründen wird Peter Bauer sein Amt als Vorstandschef von Infineon Technologies AG aufgeben. Seine Nachfolge wird mit Reinhard Ploss intern geregelt, der die Aufgaben am 1. Oktober übernimmt, teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. Ploss, derzeit im Vorstand für Produktion, Entwicklung und Technik sowie Personal verantwortlich, ist seit mehr als 25 Jahren für den Chiphersteller tätig.

Bauer leidet. Der 51-Jährige habe sich in den vergangenen Jahren bereits mehrere Brüche der Rückenwirbel zugezogen. Jüngst habe sich sein Krankheitsbild "deutlich verschlechtert". Deshalb habe er sich "nach reiflicher Überlegung" zu diesem Schritt entschlossen und den Aufsichtsrat informiert, schreibt der DAX-Konzern.

Bauer hatte im August 2010 den Vorstandsvorsitz beim Chiphersteller übernommen, schon 2008 war er zum Vorstandssprecher berufen worden. Damals steckte der Konzern massiv in der Klemme, vor allem die Produktion von Halbleitern für die Handy-Industrie war tief in die roten Zahlen gerutscht.

Bauer gelang es, das Ruder herumzureißen. Nach dem Aus der verlustreichen Speicherchip-Tochter Qimonda ging es mit Infineon 2009 wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr konnte Bauer zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte eine Dividende zahlen. Zuletzt hatten das Unternehmen mit Sitz in Neubiberg bei München mit dem Erstquartalsergebnis die Erwartungen der Analysten übertroffen und die Prognose für das Gesamtjahr angehoben.

"Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer", schrieb Bauer. Infineon mit seinen Mitarbeitern sei ihm in den "vielen, so ereignisreichen Jahren sehr ans Herz gewachsen. ... Wegen des ungewissen Verlaufes meiner Krankheit habe ich mich jedoch aus Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, meiner Familie und gegenüber dem Unternehmen zu diesem Schritt durchgerungen."

Der Aufsichtsrat bedauerte Bauers Entscheidung, zeige aber "volles Verständnis sowie hohen Respekt für die sehr persönlichen Motive seiner Entscheidung". Bauer habe sich für das Unternehmen "außerordentlich verdient" gemacht. Mit seiner Führungsmannschaft habe er "zukunftsweisende Weichenstellungen eingeleitet". Infineon sei heute "stabil und profitabel aufgestellt", verfüge über "attraktive Produkte, eine moderne, globale Fertigung und über kompetentes Personal mit einem starken Führungsteam", würdigte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber die Verdienste Bauers.

Über seine Nachfolge zeigte sich Bauer erfreut. Ploss, ein langjähriger Weggefährte, sei ein "sehr erfahrener, exzellenter Kenner unserer Branche und genießt hohe Akzeptanz im Unternehmen und bei unseren internationalen Geschäftspartnern".

Wigand Cramer, der als Vertreter der Arbeitnehmer im Infineon-Aufsichtrat sitzt, sagte auf Dow-Jones-Anfrage, die Entscheidung für Ploss sei "sicher die optimale Lösung". Dass Bauer sein Amt niederlegen werde, sei "sicher ein großer Verlust, aber die Gesundheit geht vor". Der Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft IG Metall in Berlin ergänzte, Ploss sei "seit Jahren ein führender Kopf" im Bereich Technologie und Leistungshalbleitern und damit ein "ausgewiesener Experte" bei den Themen, mit denen Infineon Umsatz mache.

Am Markt wurde die Meldung über den Führungswechsel zunächst abwartend bewertet. Ploss sei "kein Schlechter", sagte ein Analyst der Nachrichtenagentur Dow Jones. Er habe bislang aber nicht im Rampenlicht gestanden. Mit "Charisma-Typen" wie dem früheren Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher, der beim Börsengang von Infineon im Jahr 2000 im Motorsport-Overall aufgetreten war und sich später mit dem Konzern vor Gericht bekriegt hatte, sei der Konzern nie gut gefahren. "Also schau'n mer mal, wie man in Bayern sagt". Bauers Abgang sei "auf jeden Fall ein Know-how-Verlust".

Im ersten Quartal 2012 hatte der Konzern abermals die Erwartungen von Analysten übertroffen. Der Gewinn legte um 16 Prozent auf 111 Millionen Euro zu. Seine Prognose für das Geschäftsjahr hob der Konzern gestützt von den guten Zahlen an: Das DAX-Unternehmen rechnet für 2011/12 nur noch mit einem Erlösrückgang um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz. Bisher lag die Prognose bei einem Rückgang um einen mittleren einstelligen Prozentsatz.

Auch bei der Marge ist der Ausblick besser als bisher: Die Segmentergebnis-Marge soll einen mittleren Zehnerprozentsatz betragen - zuletzt hatte Infineon die Marge bei einem niedrigen bis mittleren Zehnerprozentsatzes vom Umsatz gesehen.

- Von Ursula Quass und Vera Sprothen, Dow Jones Newswires; 
Philipp Grontzki hat zu diesem Artikel beigetragen 
+49 (0)69 29725 100, ursula.quass@dowjones.com 
DJG/uqu/smh 

(END) Dow Jones Newswires

May 13, 2012 14:55 ET (18:55 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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