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MÄRKTE EUROPA/Börsen nach Griechenland-Wahl nicht in Jubelstimmung

Die Kursrally an den europäischen Aktienmärkten nach der Griechenland-Wahl fällt moderat aus. Wenn auch knapp, haben sich die Hellenen bei der Wahl am Sonntag für das Spardiktat aus Brüssel entschieden. Eine Hürde wurde damit genommen. Nun muss sich Wahlsieger Nea Dimokratia mit der sozialistischen PASOK zusammenfinden und eine Regierungsmehrheit zu bilden. Die Börsen jubeln, aber nicht überschwenglich. Denn die Probleme sind nicht gelöst. Der Euro-Stoxx-50 gewinnt 0,8 Prozent auf 2.197 Punkte, für den DAX geht es um 0,8 Prozent auf 6.282 Punkte nach oben. In Athen fällt das Plus mit 8,4 Prozent dagegen deutlicher aus. Dagegen haben die Indizes in Madrid und Mailand bereits wieder ins Minus gedreht.

In Athen starten nun die Koalitionsgespräche. Ein Mitte-Rechts-Bündnis aus Nea Dimokratia und PASOK würde auf Grund des 50-Sitze-Bonus für den Wahlgewinner eine knappe Mehrheit im griechischen Parlament erreichen. Beide Parteien hatten den Deal aus Hilfspaket von EU, EZB und IWF mit drastischen Sparmaßnahmen ausgehandelt und wollen auch künftig eine Politik der Konsolidierung der maroden Staatsfinanzen betreiben - wenn auch unter gelockerten Konditionen. "Damit ist das Risiko eines Austritts des Landes aus dem Euroraum mit all seinen unabsehbaren Folgen zunächst einmal vom Tisch", sagt ein Händler.

Allerdings zeichnet sich bereits jetzt eine eher zähe Regierungsbildung ab. So will PASOK-Chef Evangelos Venizelos eine Regierung der nationalen Einheit und die Demokratische Linke und das Linksbündnis SYRIZA mit ins Boot holen. "Es wird viel Zeit ins Land gehen, bis sich eine neue Regierung in Athen zusammenfindet", erwartet Mitul Kotecha, Marktstratege bei der Credit Agricole. Die Finanzprobleme Griechenlands werden nicht auf eine wundersame Weise verschwinden und dürften bereits nach einer kurzen Atempause wieder belasten, erwartet er.

"Wir gehen unverändert von unserem Basis-Szenario aus", so Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank. Europa schaffe es in den kommenden vier bis sechs Wochen, die aktuell hoch schlagenden Wogen zu glätten. Unterstützung könnte dabei die Europäische Zentralbank liefern, wenn sie auf ihrer Sitzung Anfang Juli die Leitzinsen um 25 Basispunkte senkt. Aber auch alle Entscheidungen zu einer Banken-Union oder einer sich verbessernden Kreditaufnahme der Euro-Peripherie würden zur Beruhigung der Krise in Euroland beitragen.

Die Anleihemärkte senden kein Entspannungssignal. Die Renditen spanischer und italienischer zehnjähriger Staatsanleihen legen nach einer kurzen Erholung wieder zu, die Rendite der Iberer steigt sogar über die Marke von 7 Prozent. Die Rendite liegt damit etwa auf dem Niveau, auf dem Griechenland, Irland und Portugal Unterstützung anforderten.

Die Commerzbank ist von der Reaktion am Devisenmarkt enttäuscht. Für sie sind die Probleme der Hellenen nicht gelöst und mit der Situation bei den spanischen Banken wie auch der Haushaltslage in Rom unverändert bestünden. Der Euro gibt von seinem Tageshoch bereits ab und notiert knapp unter 1,27 zum Dollar.

Mit den Nachrichten aus Athen ist die Parlamentswahl in Frankreich ein wenig in den Hintergrund getreten. Der neue französische Präsident François Hollande kann mit der Rückendeckung des Parlaments rechnen. Seine sozialistische Partei erreichte die absolute Mehrheit der Sitze. Hollande will das souveräne Stimmenübergewicht dazu nutzen, die Wirtschaft des Landes wiederzubeleben und bei der Lösung der Eurokrise mitzuhelfen.

Die Gewinner an der Börse kommen aus den zyklischen Sektoren der Automobilhersteller und Bauwerte. Dabei hoffen die Investoren, dass Wachstumsprogramme rund um den Globus aufgelegt werden, um der Konjunktur den notwendigen Schub zu liefern. Im Einklang mit dem Bankensektor gewinnt die Aktie der Credit Suisse 1 Prozent. Nachdem die Schweizer Notenbank in der Vorwoche die Diskussion um die Kapitalausstattung angestossen hatte, konterte nun der Vorstandsvorsitzende. Die Forderungen der Schweizer Nationalbank seien ungerechtfertigt, sagte CEO Brady Dougan der "Sonntagszeitung". "Credit Suisse ist eine der sichersten Banken der Welt", so Dougan.

Im MDAX haussiert die Aktie von Rheinmetall um 6,2 Prozent auf 36,59 Euro. Saudi-Arabien will nach Informationen von "Bild am Sonntag" wesentlich mehr Leopard-Kampfpanzer kaufen als bisher bekannt. Das Land habe Interesse am Kauf von 600 bis 800 Leopard-Panzern. Damit winke deutschen Firmen einer der größten Rüstungsaufträge der Geschichte.

DEVISEN   zuletzt  +/- %  0.00 Uhr  Fr, 18.00 Uhr 
EUR/USD    1,2656  -0,6%    1,2737         1,2634 
EUR/JPY  100,2698  -0,3%  100,5710        99,3755 
EUR/CHF    1,2010  -0,0%    1,2011         1,2012 
USD/JPY   79,2400  +0,4%   78,9500        78,6600 
GBP/USD    1,5662  -0,5%    1,5738         1,5657 
 

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com

DJG/thl/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

June 18, 2012 04:23 ET (08:23 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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Während Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte von einem Hoch zum nächsten jagen, wurden viele Software-Aktien in den vergangenen Monaten regelrecht aus den Depots gedrängt. Die Angst vor Disruption hat Investoren zu einem radikalen Strategiewechsel veranlasst – mit der Folge, dass zahlreiche Qualitätsunternehmen heute auf Mehrjahrestiefs notieren.

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