Von Jon Ostrower THE WALL STREET JOURNAL
LONDON (Dow Jones)--Die EADS-Tochter Airbus befürchtet einen Preiskrieg mit dem Erzrivalen Boeing bei den neuen, spritsparenden Versionen der Standardrumpfflugzeuge. Der europäische Flugzeugbauer wirft dem Konkurrenten vor, Boeing zettele einen Preiskrieg an, um sich bei diesen Modellen wieder einen Marktanteil von 50 Prozent zu erkämpfen. Airbus und Boeing verfolgen mit ihren jeweiligen Modellen A320neo und 737 Max hochfliegende Pläne. Beide Modelle sollen in großem Stil ältere Flugzeuge in den Flotten der Airlines ersetzen.
Boeing drückt dabei aufs Tempo: Spätestens innerhalb der laufenden Jahres will der US-Konzern zu Airbus aufgeschlossen haben. Vom Konkurrenten Airbus ernten er dafür herbe Kritik. "Darauf läuft es wieder hinaus. Der Start eines neuen Preiskriegs, um sich 50 Prozent des Marktes zu sichern", sagte Airbus-Vorstand John Leahy. Der US-Konkurrent müsse einsehen, dass das Marktgleichgewicht bei Standardrumpfflugzeugen 60 zu 40 zugunsten von Airbus betrage. Das Verhältnis sei bei den Großraumflugzeugen spiegelbildlich und werde zumindest solange dort verharren, bis der Riesenflieger A350 von Airbus die Montagehallen verlasse.
Der Markt für Standardrumpfflugzeuge sei wettbewerbsintensiver geworden, erklärten Boeing-Vertreter bei einem Investorentag. Gleichzeitig räumt Jim Albaugh, Chef von Boeing Commercial Airplanes, ein: "Es gibt da draußen einiges an räuberischer Preissetzung." Dabei erwähnte er aber nicht ausdrücklich die europäische Konkurrenz. Boeing wollte die Anschuldigungen von Airbus nicht kommentieren.
Das US-Unternehmen steht vor einem Aufholrennen gegen Airbus. Derzeit hinken die US-Amerikaner der europäischen Konkurrenz bei Aufträgen für die neuen Jets mit den spritsparenden Triebwerken hinterher. Boeing kommt auf mehr als 1.000 Aufträge und Absichtserklärungen, die bisher in 415 festen Bestellungen resultierten. Airbus dagegen hat schon mehr als 1.300 feste Orders für den A320 an Land geholt.
Albaugh unterstrich, bis Ende 2012 oder Mitte 2013 wolle Boeing mit dem 737 Max zu den A320-Verkäufen aufgeschlossen haben. Boeing überlasse Airbus nicht das Feld auf einem Markt, wo die Europäer auf einen unangemessen hohen Anteil kämen.
Der US-Flugzeugkonzern kam mit Plänen für den 737 Max einige Monate nach Airbus mit seinem neuen Standardrumpfflugzeug heraus. Dabei verzichteten die US-Amerikaner auf ein völlig neues Flugzeugmodell und wollen den ersten 737 Max jetzt im Jahr 2017 an Kunden ausliefern.
Neben dem Marktanteil sind auch die Veränderungen ungleich verteilt, die Airbus und Boeing jeweils an ihren Standardrumpfflugzeugen vornehmen müssen. Airbus braucht für seinen A320neo relativ wenige Überarbeitungen, während Boeing nach einem Bericht des Marktforschungsunternehmens Bernstein kostspieligere Modifikationen vornehmen muss. Boeing bestreitet die Aussagen von Bernstein.
Boeing hat im vergangenen Jahr einiges an Boden gegenüber Airbus verloren. Einst loyale Kunden wie die Fluglinien AMR Corp und die norwegische Air Shuttle ASA haben neben Deals mit Boeing auch Verträge mit Airbus abgeschlossen. Albaugh greift den Fehdehandschuh auf: "Es ist nicht an uns vorbeigegangen, dass wir auch in Airbus' Sandkasten spielen müssen." Boeing müsse verhindern, dass Airbus einen marktbeherrschenden Anteil erstreite. Käme Airbus auf 60 Prozent Marktanteil bei Standardrumpfflugzeugen, so fiele den Europäern hier weitgehende Preissetzungsmacht in die Hände, warnt Albaugh.
In diesem Jahr will Boeing gegen Airbus groß auftrumpfen. Bereits heute haben beide Unternehmen mit ihren neuen Standardrumpfflugzeugen große Auftragsvolumina eingefahren und kämpfen um neue Bestellungen. Boeing sieht sich auf der Überholspur. "Sie können einige wirklich beträchtliche Aufträge am Ende des Jahres erwarten", sagte Albaugh. United-Continental Holdings, Konzernmutter von United Airlines, dürfte nach einem Bericht des Wall Street Journal von vergangenem Monat noch in diesem Jahr eine große Order für den 737 Max platzieren. Auch das Leasingunternehmen Air Lease Corp erwägt einen Kauf, hat aber bereits Absichtserklärungen für den A320 neo abgegeben.
Der 737 Max soll gegenüber den herkömmlichen 737-Modellen bis zu 13 Prozent an Kerosin einsparen. Unter anderem soll ein neues Triebwerk eingesetzt werden. Airbus plant bei seinem A320neo weniger Veränderungen, visiert aber eine Spriteinsparung von 15 Prozent im Vergleich zu den älteren Modellen an.
-Von Jon Ostrower, The Wall Street Journal; +49 (0)69 29725 130, unternehmen.de@dowjones.com Dan Michaels hat zu diesem Artikel beigetragen. DJG/DJN/axw/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 16, 2012 04:00 ET (08:00 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.


