--2012 ein Übergangsjahr
--Pinger sieht langfristig gute Wachstumsperspektiven
--Aktionäre kritisieren Kursentwicklung
(NEU: Aussagen von Aktionären)
Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
STUTTGART (Dow Jones)--Der Celesio-Chef Markus Pinger hat auf seiner ersten Hauptversammlung des Pharmagroßhändlers für seinen Kurs geworben. "Wir wollen die negative Ergebnisentwicklung schnell stoppen und wieder in eine positive Entwicklung drehen", sagte der Vorstandsvorsitzende vor Aktionären in Stuttgart. Das laufende Jahr 2012 bezeichnete er als "Übergangsjahr". An erster Stelle steht dabei die Stabilisierung der Ergebnisse.
Anders als im vergangenen Jahr war die diesjährige Hauptversammlung von Sachlichkeit geprägt. Auch fanden deutlich weniger Anleger den Weg in die dafür etwas überdimensioniert wirkende Porsche-Arena. Nicht einmal 500 Aktionäre wurden gezählt, vergangenes Jahr waren es noch deutlich über 800. Damals hatte noch der offen ausgetragene Streit zwischen Mehrheitsaktionär Haniel und dem damaligen Management um den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Fritz Oesterle über die strategische Ausrichtung die Gemüter erhitzt.
Haniel-Chef Jürgen Kluge hatte nach einer zunehmenden Verschlechterung der Ergebnisse die Konzentration auf das Kerngeschäft gefordert, Oesterle wollte im Gegenteil weiter expandieren und den Konzern stärker diversifizieren. Spekulationen über einen Verkauf der Celesio-Beteiligung durch Haniel machten in wiederkehrenden Abständen die Runde, was die Unruhe nur förderte. An der Börse sank der Wert des Unternehmens unter den Buchwert. Der Aktienkurs, der in guten Zeiten einmal rund 50 Euro erreicht hatte, sank zwischenzeitlich unter zehn Euro.
Aktionäre waren vor allem Kluge scharf angegangen und hatten für Oesterle eine Lanze gebrochen. Aber schon damals war der Abschied Oesterles bereits klar gewesen, Haniel hatte seine Linie durchgesetzt. Von dem früheren Management ist mittlerweile nur noch Wolfgang Mähr übrig.
Auf der heutigen Aktionärsversammlung war die Stimmung dagegen ruhig. Nur ein Aktionär wünschte sich das alte Management zurück und vertrat die Meinung, die Neuausrichtung hätte auch unter Oesterle stattfinden können. Allen gemeinsam war den Aktionären die Kritik am Aktienkurs. "Im Mittelmaß versunken", "schwer erträglich", "früher galt Celesio als Vorzeigeunternehmen" - es wurde deutlich, dass Pinger und sein Team in Sachen Vertrauensarbeit noch viel zu tun haben.
Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) attestierten dem Unternehmen, in der Vergangenheit "massiv Fehler" gemacht zu haben. Das alte Management habe sich bei seinem Expansionskurs "überschätzt und vergaloppiert", sagte Andreas Schmidt von der SdK. Die Versäumnisse gelte es aufzuarbeiten.
An das neue Management habe er "hohe Erwartungen". Er räumte aber ein, dass für die Neuausrichtung Zeit benötigt werde. Er wünsche sich, dass das Management seine Ziele deutlicher darlege und offen kommuniziere und dies so gestalte, dass "Celesio nicht nur für einen Verkauf aufgehübscht wird, sondern auch eine langfristige Perspektive hat".
Gründe für die Turbulenzen in der Vergangenheit und die damit einhergehenden Gewinnerosion gab es mehrere. Da sind die äußeren Faktoren: Die Finanz- und Schuldenkrise sorgten für erhebliche Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen und damit für schlechte Geschäfte des Unternehmens. Dazu belastete der scharfe Wettbewerb in Frankreich und Deutschland die Ergebnisse. Abschreibungen auf Firmenwerte sorgten 2011 für drei Gewinnwarnungen. Celesio musste einen herben Gewinneinbruch hinnehmen.
Die Probleme hatten sich bereits seit einigen Jahren abgezeichnet. Nach einer langjährigen Wachstumsphase mit zahlreichen Übernahmen habe sich die bis 2007 positive Entwicklung Celesios ins Gegenteil verkehrt, sagte Pinger den Aktionären. In den vergangenen vier Jahren habe sich das Ergebnis vor Steuern mehr als halbiert, zugleich mussten auf Firmenwerte mehr als 700 Millionen Euro abgeschrieben werden. Der Versuch, jenseits des Kerngeschäfts neue Gewinnquellen zu erschließen, sei erfolglos geblieben, kritisierte er.
Der ehemaliger Beiersdorf-Manager hatte Celesio im vergangenen Sommer übernommen und ihm eine strategische Neuausrichtung verordnet. Mit einem Mix aus Spar- und Strukturmaßnahmen will Pinger den Konzern wieder auf Kurs bringen: Dazu gehören die Konzentration auf die Kerngeschäfte Pharmagroßhandel und Apotheken und der Verkauf des Dienstleistungsbereichs Manufacturer Solutions. Auch die Versandapotheke DocMorris steht zum Verkauf, nachdem die Übernahme für Streit mit der Stammkundschaft - den Apothekern - geführt hatte.
Zur Neuausrichtung gehört auch der Aufbau eines Apothekennetzwerkes, die Pilotphase ist für 2013 geplant. Damit will Celesio auf die zunehmende Konkurrenz durch Drogerien und Supermarktketten antworten und die Schlagkraft seiner Apotheker stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Expansion in Schwellenländer, etwa Brasilien, wo sich Celesio bereits mit den Unternehmen Panpharma und Oncoprod ein Standbein geschaffen hat. Aber auch Sparmaßnahmen stehen auf dem Programm, der Konzern soll schneller, schlanker und effizienter werden, unter anderem durch die Bündelung der Einkaufsaktivitäten.
Die geplanten Verkäufe verteidigte Pinger: Die übernommenen Unternehmen Movianto oder Pharmexx hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Der Geschäftsbereich Manufacturer Solutions habe sich zu keinem tragfähigen Standbein für Celesio entwickelt. 2011 lag der Ergebnisbeitrag aus diesem Bereich bei weniger als einem Prozent.
"Die langfristigen Perspektiven von Celesio sind gut und werden mit der Umsetzung unserer Strategie noch besser", warb Pinger um Vertrauen. Es werde jedoch kein leichter Weg, warnte er. Weitere Herausforderungen warteten. "Um diese zu bewältigen, braucht dieses Unternehmen Ruhe und auch die notwendige Zeit", spielte Pinger auf die Querelen im vergangenen Jahr an. Er zeigte sich dabei überzeugt, dass "die Wende zum Positiven gelingt".
Erste Erfolge des neuen Kurses zeichneten sich bereits im ersten Quartal ab. Operativ kehrte das Unternehmen wieder zu einem Wachstum zurück - wenn allerdings auch nur auf bereinigter Basis. Erneute Abschreibungen auf Pharmexx verhinderten ein besseres Abschneiden.
-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com DJG/nas/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 16, 2012 07:23 ET (11:23 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
