FRANKFURT (Dow Jones)--Es ist die erste Hauptversammlung der Deutschen Börse nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Börse NYSE Euronext. Und so stellen die Aktionäre viele Fragen zu dem Zusammenschluss, der von der EU-Kommission im Februar untersagt worden war.
Unter anderem interessieren sich die Anleger für die Kosten, die bei der Klage gegen die EU anfallen. Die Deutsche Börse strengt derzeit einen Prozess gegen die Kommission an. Zwar lasse sich mit der Klage nicht der Zusammenschluss nachträglich realisieren, räumte Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni auf der Hauptversammlung ein. "Aber sie kann künftige, mögliche Nachteile für die Deutsche Börse verhindern", sagte der Schweizer.
Der Börsenbetreiber bemängelt, dass umfangreiche, vor der Fusion durchgeführte Marktanalysen nicht entsprechend bewertet worden seien. Stattdessen beruhe die Entscheidung der EU-Kommission auf einer "fehlerhaft verengten Marktdefinition", erläuterte Francioni. Die angewandte Definition werde der globalen Natur des Wettbewerbs im Derivatemarkt nicht gerecht.
Die Kosten für die erste Instanz der Klage beziffert Francioni auf 1,5 bis 2 Millionen Euro. Dieser Wert sei bereits in den Gesamtkosten für die geplatzte Börsenfusion von 98 Millionen Euro enthalten. Sollte die Klage Erfolg haben, könnten diese Kosten als Schadenersatz gegenüber der EU geltend gemacht werden.
Aber Francioni will die verpasste Chance hinter sich lassen. "Dieser Plan ist für uns inzwischen Vergangenheit", sagte der Vorstandsvorsitzende. Stattdessen wächst die Deutsche Börse aus eigener Kraft, indem vorhandenes Geschäft ausgebaut wird. So ist man mit der NYSE Euronext inzwischen wieder ganz normal im Wettbewerb. Der amerikanische Konkurrent versucht, sich im Bereich Clearing in Europa zu etablieren. Dort ist die Deutsche Börse mit ihrer Tochter Clearstream bereits aktiv und bietet, nach Angaben von Francioni, mehr Services als die NYSE Euronext an.
Bei der Tochter Clearstream soll auch das Asiengeschäft vorangetrieben werden. Der Anteil des Umsatzes, der in Asien erzielt wird, soll von heute 20 auf 30 Prozent bis 2016 gesteigert werden.
Ein neuer Wachstumsmarkt, beispielhaft für kommende Partnerschaften, sei die Kooperation der Tochtergesellschaft Eurex mit der Börse Korea. Die beiden Unternehmen haben mittels eines Derivats den Handel auf den koreanischen Leitindex KOSPI erschlossen. "Die Derivate auf diesen Index zählen zu den meistgehandelten der Welt", sagte Francioni.
Das könnte der Deutsche-Börse-Tochter Eurex, die seit dem ersten Quartal 2012 zu 100 Prozent zum Konzern gehört, gute Ergebnisse bescheren. Schon im ersten Quartal hatte Eurex den Konzern vor einem Umsatzrückgang bewahrt.
Die Deutsche Börse ist einer der größten Börsenbetreiber weltweit. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet sie mit dem Aktien- und Derivatehandel. Zudem werden unter anderem elektronische Handelssysteme vertrieben und Marktinformationen zur Verfügung gestellt. Aufgeteilt ist das Unternehmen in vier Geschäftseinheiten: Xetra, Eurex, Clearstream und Market Data & Analytics.
-Von Alexandra Edinger, Dow Jones Newswires, +49 69 29 725 112, alexandra.edinger@dowjones.com DJG/aed/mgo
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May 16, 2012 07:43 ET (11:43 GMT)
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