--BMW bekräftigt Prognose für 2012
--Verkäufe, Umsatz und Gewinn sollen steigen
--Reithofer sieht keine Alternative zum Euro und fordert Wachstumsimpulse
(NEU: Details und Hintergrund) Von Christoph Rauwald und Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES
MÜNCHEN (Dow Jones)--Der weltgrößte Premiumautobauer BMW sieht sich in diesem Jahr weiter auf Rekordkurs, warnt jedoch vor anhaltenden Risiken durch die Staatsschuldenkrise in Europa. Auf der Hauptversammlung in München warb Vorstandschef Norbert Reithofer für eine ausgewogene Politik, die nicht nur Sparmaßnahmen, sondern auch Wachstumsimpulse beinhaltet.
"Wir fordern eine weitsichtige Politik, die eine vernünftige Balance zwischen Sparen und Wachstum findet", sagte Reithofer auf dem jährlichen Aktionärstreffen. "Zu einem gemeinsamen Europa mit einem einheitlichen Währungsraum gibt es aus unserer Sicht keine Alternative."
Seit sich abgezeichnet hatte, dass in Frankreich der Sozialist Francois Hollande neuer Präsident werden könnte, rücken Forderungen nach einer stärker wachstumsorientierten Politik in Europa in den Vordergrund. Mit Reithofer äußerte sich nun auch einer der wichtigsten deutschen Konzernlenker in diese Richtung.
Einer der wenigen Kritikpunkte der Aktionäre bei einer ansonsten ruhigen Hauptversammlung war die Dividende: Die vorgeschlagene Ausschüttung erscheine zu niedrig, sagte stellvertretend Ingo Speich von Union Investment mit Blick auf das satte Liquiditätspolster der Bayern. "Wir plädieren ganz klar für die Ausschüttung von Sonderdividenden und eine deutliche Anhebung der Ausschüttungsquote", forderte der Portfoliomanager der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Konkret schlug er einen Sonderbonus von 3 Euro je Aktie vor.
Nach neuen Bestmarken bei Absatz, Umsatz und Gewinn will BMW für 2011 eine Rekorddividende von 2,30 Euro je Stammaktie und 2,32 Euro je Vorzugsaktie zahlen - jeweils 1 Euro mehr als im Vorjahr. Die gesamte Ausschüttung entspricht damit 30,7 Prozent des Nettogewinns und liegt am unteren Ende des Zielkorridors von 30 bis 40 Prozent. BMW-Chef Reithofer sagte, das Unternehmen werde an der anvisierten Bandbreite festhalten. Man müsse außerdem ein gewisses Finanzpolster zurückhalten, um auf einen möglichen Marktabschwung vorbereitet zu sein.
Abstimmungen auf dem Aktionärstreffen wie die Absegnung der Dividende sind in der Regel reine Formsache, da die Quandt-Familie insgesamt rund 47 Prozent der Stimmrechte hält.
Ansonsten kam das Management um Vorstandschef Reithofer auf der Hauptversammlung gut weg: BMW gehöre zwar zu den kleineren Automobilherstellern, fahre jedoch seit dem Amtsantritt Reithofers im Jahr 2006 auf der Überholspur, sagte Speich von Union Investment. Das habe das Unternehmen nicht nur der konsequenten Ausrichtung auf Wachstumsregionen wie beispielsweise China zu verdanken, sondern auch der gelungenen Modellpolitik.
"Das ist Spitze und lässt BMWs Mitbewerber weit im Rückspiegel entschwinden. BMW fährt allen anderen davon", erklärte der Portfoliomanager. BMW wachse stärker, generiere mehr Cash und habe eine stabilere Ergebnisentwicklung als Mercedes-Benz. Auch die Marktkapitalisierug sei deutlich höher als die von Daimler, lobte Speich. Und das, obwohl zu dem Rivalen aus Stuttgart neben der Pkw-Sparte noch der weltgrößte Lkw-Hersteller gehört.
Die BMW-Aktie gehörte in den vergangenen beiden Jahren zu den erfolgreichsten im Automobilbereich. Investoren gefällt der klare Fokus des Unternehmens auf das Premiumsegment und das starke Engagement in wachstumsstarken Schwellenländern. Die im DAX notierte Vorzugsaktie gewann seit Jahresbeginn gut ein Viertel an Wert und schnitt damit besser ab als der europäische Sektorindex, der lediglich um 14 Prozent zulegte.
Die gewohnt konservativen Jahresziele bekräftigte BMW-Chef Reithofer auf der Hauptversammlung: "2012 streben wir neue Bestwerte an bei Absatz (...) und beim Konzernergebnis vor Steuern". Im vergangenen Jahr hatten die Bayern rund 1,67 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft - ein Rekord. Angetrieben wurde die Nachfrage vor allem durch den Luxusauto-Boom in China und die deutliche Erholung des US-Marktes.
BMWs Profitabilität wird in diesem Jahr wegen massiver Investitionen in die Modellpalette und das Produktionsnetz allerdings wohl nicht mit den Verkäufen Schritt halten können. Laut bisherigen Angaben soll die Rendite im Automobilgeschäft am oberen Ende des langfristigen Zielkorridors von 8 bis 10 Prozent liegen. 2011 waren es 11,8 Prozent gewesen.
Im ersten Quartal hatte BMW kaum etwas von den weltweiten konjunkturellen Verwerfungen gespürt und Absatz, Einnahmen und Gewinn auf neue Bestmarken gehievt. Die Einführungskosten für den neuen 3er und 1er sowie Investitionen in alternative Antriebe belasteten die Marge im Automobilbereich, die leicht auf 11,6 Prozent schrumpfte. Trotzdem schnitt BMW besser ab als erwartet und stach die Wettbewerber aus: Audi schaffte zwischen Januar und März eine Rendite von 11,4 Prozent, bei der Daimler-Tochter Mercedes-Benz waren es nur 8,4 Prozent.
Um die Nummer Eins im Premiumsegment zu bleiben, investiert BMW massiv in Kapazitäten und Modellpalette. So wird momentan unter anderem ein zweites Werk in China hochgezogen und der Standort in den USA ausgebaut. In Brasilien wird außerdem eine eigene Montage erwogen. Reithofer bekräftigte, dass diese Pläne aufgrund veränderter Rahmenbedingungen aktuell noch einmal überprüft würden. Die Gespräche mit den lokalen Behörden verliefen aber konstruktiv.
Im Jahr 2016 wollen die Münchener dank des Nachfragebooms in Schwellenländern die magische Marke von 2 Millionen Verkäufen knacken. Das Rennen um die Krone in der automobilen Oberklasse ist in vollem Gange: Mit erstmals mehr als 1,3 Millionen Verkäufen nahm Audi im vergangenen Jahr Mercedes-Benz den zweiten Platz hinter BMW ab. Den Branchenprimus will Audi bis 2015 vom Luxusthron gestoßen haben. Mercedes-Benz wiederum will bis 2020 den Platz an der Sonne zurückerobern.
-Von Christoph Rauwald und Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 69 29 725 114; automotive.de@dowjones.com DJG/DJN/ncs/mgo
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May 16, 2012 08:31 ET (12:31 GMT)
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