Von Ursula Quass und Alex Delmar-Morgan DOW JONES NEWSWIRES
DOHA (Dow Jones)--Katar setzt seine Einkaufstour bei führenden europäischen Unternehmen fort. Jüngste Trophäe im Einkaufskorb der Araber ist der Münchener Technologiekonzern Siemens, bei dem der Golfstaat Anfang Mai die meldepflichtige 3-Prozent-Marke überschritt. Mit dem Paket, das an der Börse derzeit einen Wert von rund 1,85 Milliarden Euro besitzt, gewinnt der Wüstenstaat zwar keinen maßgeblichen Einfluss bei Siemens, sichert sich aber seine strategischen Interessen an einem Unternehmen ab, das mit dem Wüstenstaat zahlreiche Energie- und Infrastrukturprojekte abgeschlossen hat.
Laut einer Pflichtmitteilung besitzt Katar seit Montag vergangener Woche 3,04 Prozent an dem DAX-Konzern. Zuvor hatten die Araber bereits 2,5 Prozent und weitere Optionen besessen, wie ein Siemens-Sprecher sagte. "Wir nehmen das zur Kenntnis", fügte er hinzu. Ob Katar weitere Anteile erwerben wolle, sei nicht bekannt. "Aber wir freuen uns natürlich, wenn Investoren am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens teilhaben wollen."
Das Interesse Katars an Siemens kommt dabei nicht von ungefähr. Eine mit der Sache vertraute Person sagte Dow Jones, Katar habe schon lange versucht, ein großes Stück an Siemens zu erwerben. Der DAX-Konzern hat in den vergangenen Jahren millionenschwere Verträge mit den Katarern für Energie- und Infrastrukturprojekte abgeschlossen. Der nun aufgestockte Anteil sei daher mehr als strategische Beteiligung zu sehen, sagte die Quelle. "Die enge Beziehung zwischen Katar und Siemens ist kein Geheimnis."
Dennoch glauben Analysten nicht daran, dass die Araber demnächst im großem Stil bei dem Technologiekonzern einsteigen werden. Oliver Drebing von Alsterresearch rechnet nicht damit, dass Katar seinen Anteil an Siemens groß ausbauen wird. Vielmehr gehe es dem Golfstaat in erster Linie um eine Diversifikation seines Vermögens. Dass Katar in Siemens investiere, sei für Siemens ein Vertrauensbeweis, "aber kein großes Ereignis".
Dennoch sei Siemens mehr als nur ein reines Finanzinvestment, sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. "Ein Investment in Siemens passt. Das Unternehmen hat eine ganz gute Marktrepräsentanz dort." Das Interesse sei dabei durchaus beiderseits: Die Beteiligung der Katarer könne für Siemens bei Geschäften in der Region "leicht positiv sein".
Der Anteilserwerb an Siemens ist Teil einer Strategie Katars. Mithilfe seines Staatsfonds, der ein Gesamtvermögen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar kontrolliert, hatte der Golfstaat in den vergangenen Monaten seine Investitionen in erstrangige europäische Großunternehmen vorangetrieben. Seinen enormen Reichtum, den das Land vor allem den reichen Gasvorkommen verdankt, nutzte das Land in den vergangenen Jahren, um eine ganze Reihe von Minderheitenanteilen an Firmen wie Total, Shell oder eben Siemens zu erwerben.
Der Staatsfonds der Katarer war dabei so aktiv wie kaum ein anderer Akteur und nutzte die Finanzkrise geschickt, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. So hält der Staatsfonds auch Anteile an Credit Suisse und Barclays. Zu den prestigeträchtigen Trophäen zählt auch das Luxus-Kaufhaus Harrods in London.
Katar hat neben europäischen auch bei deutschen Firmen zugeschlagen. Ende 2010 hatten die Araber 9,1 Prozent am Baukonzern Hochtief erworben. Ein Jahr zuvor hatten sie für 10 Milliarden Dollar 17 Prozent der Stimmrechtsanteile von Volkswagen und 10 Prozent der Stimmrechtsanteile an Porsche erworben.
-Von Ursula Quass und Alex Delmar-Morgan, Dow Jones Newswires; +49(0)69 29725 100; ursula.quass@dowjones.com, alex.delmar-morgan@dowjones.com DJG/DJN/uqu/kgb/sha
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May 16, 2012 08:31 ET (12:31 GMT)
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