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Neuer Opel Astra wird nicht in Deutschland gebaut

FRANKFURT (Dow Jones)--Es hatte sich bereits angedeutet, nun steht die Entscheidung fest: Die nächste Generation des für Opel wichtigen Kompaktwagens Astra wird im britischen Ellesmere Port und in Gliwice in Polen vom Band laufen. Das könnte vor allem für den Standort Bochum zum Problem werden.

Dass der Astra auch nach 2015 weiter in dem Werk in der Nähe von Liverpool gebaut wird, erkauften sich die britischen Arbeitnehmervertretern mit Konzessionen - wie einer höheren Flexibilität und einer Senkung der Strukturkosten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. So wird dort und auch in Polen im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet.

"Ich freue mich, dass wir mit unseren Sozialpartnern verantwortungsbewusste Tarifvereinbarungen erzielen konnten, die die Zukunft dieser beiden Werke sichern", sagte Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke. Die Werke in Ellesmere Port und Gliwice seien Eckpfeiler der Produktion in Europa. Aber auch ein wettbewerbsfähiges Werk Rüsselsheim spiele "eine wichtige Rolle in unserer Wachstumsstrategie."

Der Astra ist das Brot-und-Butter-Modell von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall. 2011 machte der Kompaktwagen fast ein Drittel der gesamten Verkäufe der General-Motors-Tochter aus. Die aktuelle Version rollt in Gliwice in Polen, in Rüsselsheim und eben in Ellesmere Port vom Band. Das Vorgängermodell wird zudem noch in Bochum gefertigt und in Osteuropa verkauft.

Anfang der Woche hatte Stracke angekündigt, die neue Generation des Astra nur noch an zwei statt an drei Standorten bauen zu wollen. Diese Entscheidung ist Teil der grundsätzlichen Strategie, künftig alle Werke 24 Stunden in drei Schichten am Laufen halten zu wollen.

Über höhere Volumina in den einzelnen Werken will das defizitäre Unternehmen dann profitabler werden und die Investitionen für den neuen Astra von 300 Millionen Euro schneller einspielen. Alleine in Ellesmere Port sollen für die Astra-Produktion und 700 neue Stellen geschaffen werden.

Gewerkschafter hatten befürchtet, dass der Kompaktwagen Astra komplett aus Rüsselsheim abgezogen und nur noch im Ausland gefertigt wird. Das wiederum könnte zumindest mittelbar den Standort in Bochum mit seinen rund 3.000 Mitarbeitern gefährden. Denn dort läuft dann nur noch der Zafira vom Band - und in Rüsselsheim gibt es wegen des Astra-Abzugs freie Kapazitäten, die für den Van genutzt werden könnten. Zumindest Rüsselsheim erwähnt Opel in seiner Pressemitteilung. Der Auobauer verspricht, das Werk künftig voll auszulasten. Bochum wird in der Mitteilung an keiner Stelle erwähnt.

Die Entscheidung pro Ellesmere Port wird in deutschen Gewerkschaftskreisen kritisiert. Das Werk sei alleine aufgrund seines höheren Alters weniger effizient, hieß es. Pro verkauftem Wagen verdiene man dort gut 200 Euro weniger als beispielsweise in Rüselsheim.

Seit der europäische Automobilmarkt wegen der Schuldenkrise seine seit Jahren anhaltende Talfahrt beschleunigt hat, geht bei den Opelanern wieder die Angst vor Stellenstreichungen und Werksschließungen um. Erst nach dem geplatzten Verkauf im Jahr 2009 hatten die Hessen rund 8.000 Jobs abgebaut und das Werk in Antwerpen geschlossen.

Doch das reicht nicht aus, denn Opel kommt einfach nicht aus der Verlustzone. Auch im ersten Quartal schrieb die Opel-Mutter General Motors in Europa - und zwar nur dort - rote Zahlen. Operativ lag das Minus bei gut 250 Millionen US-Dollar. Seit der Jahrtausendwende liefen zweistellige Milliardenverluste auf. Opel-Chef Stracke will Im Juni einen umfassenden Unternehmensplan vorlegen, der das Unternehmen wieder in die Gewinnzone führen soll.

-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 69 29 725 114; 
nico.schmidt@dowjones.com 
DJG/ncs/sha/jhe 
 

(END) Dow Jones Newswires

May 17, 2012 05:22 ET (09:22 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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