NEW YORK (Dow Jones)--Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Zu dem politischen Desaster im schuldenstrapazierten Griechenland gesellen sich am Donnerstag zunehmende Sorgen über den Zustand des europäischen Bankensektors und ein überraschend schlecht ausgefallener Philadelphia-Fed-Index. An den US-Aktienbörsen geht es dementsprechend abwärts, während die als sicherer Hafen geltenden Staatsanleihen der USA neue Hochs erklimmen. Der Euro zeigt sich sehr volatil und schwankt um die Marke von 1,27 US-Dollar. Der Dow-Jones-Index gibt um 0,3 Prozent auf 12.557 Punkte nach, für den S&P-500 geht es um 0,4 Prozent auf 1.319 Punkte abwärts.
Der als wichtiger Frühindikator für das Produzierende Gewerbe in den USA geltende Geschäftsklimaindex der Fed-Regional-Notenbank in Philadelphia ist im Mai auf -5,8 eingebrochen, während Volkswirte mit +9,3 gerechnet hatten. Das gibt den Ängsten über eine Abschwächung der US-Konjunkturerholung neue Nahrung, zumal Werte unter Null auf eine Kontraktion hindeuten.
Europäer holen ihr Geld von der Bank
In Europa sorgen sich nun offenbar auch normale Bürger um ihre Bankeinlagen. Während der Abzug von Geldern in Griechenland nach der Ankündigung von Neuwahlen noch nachvollziehbar war, sind die neusten Nachrichten aus Spanien Besorgnis erregender: Der Bankensturm auf die jüngst teilverstaatlichte Bankia löst im Handel Bedenken aus, ob der gesamte spanische Bankensektor in Gefahr ist.
Im Handel zeigt man sich auch besorgt wegen der jüngsten Entscheidung der EZB einigen griechischen Banken keinen Zugriff auf EZB-Gelder mehr zu gewähren. Dies trägt nicht zur Beruhigung der Anleger bei. Im Gegenteil, damit steigt die Sorge der Investoren, dass das Land schon bald nicht mehr Teil der Eurozone sein könnte. In Griechenland finden Mitte Juni Neuwahlen statt.
Dazu kommen Berichte über mögliche Herabstufungen im spanischen Bankensektor durch die Ratingagentur Moody's. Laut der spanischen Zeitung "Expansion" wird Moody's in den kommenden zwölf Stunden die Ratings für bis zu 21 Geldinstitute senken. Herunterstufungen kämen nicht unerwartet, treffen die Börsen allerdings zu einem schlechten Zeitpunkt. Moody's hatte zu Wochenbeginn bereits 26 italienische Banken heruntergestuft.
"Es bestehen weiter all diese Makrosorgen und die Leute fragen sich, ob sie auch auf die USA überschwappen werden", sagt Diane Jaffee von TCW Group. "Europa wird eine sehr lange Zeit brauchen, um seine Probleme zu lösen."
Fed hält quantitative Lockerungen weiter offen
Für leichte Entspannung sorgen dagegen die Aussagen der US-Notenbank aus dem am Vorabend veröffentlichten Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktauschusses. Dieser hält sich die Möglichkeit offen, der Wirtschaft mit zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen unter die Arme zu greifen, sollte dies nötig werden. Dies sorge am Markt für gewisse Erleichterung, heißt es von einem Teilnehmer.
Die Veröffentlichung der wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe blieb indes ohne Auswirkung. Hier wurde im Vergleich zur Vorwoche ein unveränderter Stand vermeldet, während Ökonomen mit einem Rückgang um 1.000 gerechnet hatten.
Die Renditen der US-Anleihen sind nach der Veröffentlichung des Philly-Fed-Index auf neue Jahrestiefs gefallen. Vor allem die langen Laufzeiten sind stark gesucht. Zehnjährige Papiere rentieren auf dem niedrigsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres bei 1,74 Prozent. Der Euro steht erneut unter Druck. Im Verlauf fiel er sogar unter das Niveau von 1,2675 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit September 2010. Nach den schlechten US-Daten erholte sich Gemeinschaftswährung wieder etwas und notiert bei 1,2714 Dollar.
Wal-Mart haussieren nach positiver Ergebnisüberraschung
Bei den Einzelwerten stehen unter anderem Wal-Mart im Fokus. Die Einzelhandelskette hat im ersten Quartal deutlich mehr verdient als im Vorjahr und die Markterwartungen übertroffen. Der weltgrößte Einzelhändler steigerte seinen Nettogewinn um 10 Prozent auf 3,74 Milliarden Dollar. Je Aktie verdiente der Konzern 1,09 Dollar, das sind 5 Cent mehr als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Den Gesamtumsatz steigerte Wal-Mart um 8,5 Prozent auf 113 Milliarden Dollar. Die Aktie legt um 5,3 Prozent zu.
Dagegen verlieren J.P.Morgan Chase 3,1 Prozent. Der Investmentskandal bei der US-Bank weitet sich anscheinend aus. Der von J.P. Morgan Chase ursprünglich auf gut 2 Milliarden Dollar bezifferte Verlust aus Handelswetten sei in den vergangenen Tagen noch einmal um die Hälfte gestiegen, berichtet die New York Times unter Berufung auf ungenannte Quellen. Die Verluste hätten sich innerhalb von vier Handelstagen massiv vergrößert, weil Hedgefonds und andere Investoren die Notlage der Bank ausnutzen würden. Dadurch würde sich die zugrundeliegende Kreditmarktposition von J.P. Morgan schneller verschlechtern, schrieb die New York Times auf ihrer Webseite. Eine Sprecherin der Bank lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Zeitung ab. CEO Jamie Dimon hatte zuvor eingeräumt, der Handelsverlust könne wegen der volatilen Märkte auch höher ausfallen.
Limited Brands leiden unter einem enttäuschenden Ausblick. Der Einzelhändler erwartet im zweiten Quartal ein Ergebnis zwischen 0,40 und 0,45 Dollar je Aktie, während Analysten mit 0,50 Dollar gerechnet hatten. Auch beim prognostizierten Jahresergebnis liegt das Unternehmen unter den Schätzungen der Experten. Die Aktie verliert 2 Prozent.
Unterdessen legen Boyd Gaming um 5,6 Prozent zu. Das Unternehmen teilte mit, Peninsula Gaming für 1,45 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Damit will der Hotel- und Casino-Betreiber in den Mittleren Westen und den Süden vorstoßen.
Auch das Börsendebüt von Facebook steht weiter im Fokus des Marktes. Am Vortag hatte das Unternehmen das Emissionsvolumen für den bevorstehenden Börsengang kräftig angehoben. Statt 337,4 Millionen wird das Soziale Netzwerk nun 421,2 Millionen Aktien ausgeben. Am Dienstag hatte Facebook bereits wegen der großen Nachfrage die Preisspanne auf 34 bis 38 US-Dollar je Aktie erhöht. Informierte Personen sehen den Unternehmenswert nun bei 93 bis 104 Milliarden Dollar. Am Donnerstagabend wird Facebook die finalen IPO-Dokumente an die US-Börsenaufsicht SEC übermitteln. Die Aktien sollen erstmals am Freitag an der Börse gehandelt werden.
INDEX zuletzt +/- % absolut DJIA 12.567,52 -0,25 -31,03 S&P-500 1.320,72 -0,31 -4,08 Nasdaq-Comp. 2.853,34 -0,72 -20,70 Nasdaq-100 2.545,04 -0,64 -16,52 DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.15 Uhr Mi, 17.57 Uhr EUR/USD 1,2712 -0,23% 1,2740 1,2730 EUR/JPY 101,2086 -1,08% 102,3098 102,2561 EUR/CHF 1,2011 -0,01% 1,2011 1,2009 USD/JPY 79,6200 -0,86% 80,3100 80,3350 GBP/USD 1,5806 -0,66% 1,5912 1,5934 DJG/DJN/kko
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May 17, 2012 11:20 ET (15:20 GMT)
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