(Neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, mehr Details, neuer Kurs)
DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck
Die Kennzahlen zeigten, dass Merck auf dem richtigen Weg sei, sagte Finanzchef Matthias Zachert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um fast 14 Prozent auf 746,6 Millionen Euro. Organisch überraschten die Hessen vor allem im Pharmageschäft mit hohen Wachstumsraten. Im Pharmageschäft, das den Löwenanteil zum Gesamtumsatz beiträgt, hatte die Eigentümerfamilie hinter Merck KGaA mit dem neuen Chef Stefan Oschmann 2011 einen Neuanfang durchgesetzt.
Die Zahlen stießen auf ein positives Echo. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank nannte die Bilanz "exzellent". Besonders positiv sei, dass in das Quartal fast der gesamte Betrag an außerordentlichen Belastungen für 2012 eingeflossen sei.
KRÄFTIGES UMSATZPLUS
Mit Rückenwind durch den starken US-Dollar und dem prozentual zweistelligen Plus in der größten Sparte Merck Serono kletterte der Umsatz um 11,6 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. In der Pharmasparte Merck Serono profitierte Merck von der Nachfrage aus den USA und den Schwellenländern. Trotz Konkurrenz konnten die Darmstädter den Preis für ihr umsatzstärkstes Medikament Rebif zur Behandlung von Multipler Sklerose in den USA anheben.
Auch die hohe Nachfrage nach den lukrativen Flüssigkristallen stützte. Merck ist bei den Kristallen, die unter anderem in Laptops und Handys eingesetzt werden, Weltmarktführer. Im laufenden Quartal soll der Absatz mit den Kristallen weiter hoch sein. Im vierten Quartal werde er sich aber abschwächen, sagte Zachert.
SONDERBELASTUNGEN
Im zweiten Quartal verbuchte Merck 376 Millionen Euro Sonderbelastungen aus dem im Frühjahr angekündigten Sparprogramm. "Damit sind die größten Belastungen für 2012 getätigt", sagte Zachert. Von April bis Juni stand daher unter dem Strich ein Verlust von 60,5 Millionen Euro nach einem Minus von 87 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Durch die Restrukturierung bei Merck Serono fallen 2012 bis 2014 einmalige Kosten von 600 Millionen Euro an. In der Sparte ist das Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten wie Rebif und Erbitux zur Behandlung von Krebs gebündelt. Ab 2014 wollen die Hessen mit dem Sparprogramm jährlich 300 Millionen Euro gutmachen. Auch für die kleinere Pharmasparte mit rezeptfreien Medikamenten (Consumer Health Care) nannte Merck Einsparziele. Diese sollen rund 5 Millionen im laufenden und 15 Millionen in 2013 und von 2014 an dann 25 Millionen Euro jährlich betragen. 2012 und 2013 werden rund 40 Millionen Euro Restrukturierungskosten erwartet. Der Vorstand will Merck nach den Rückschlägen in der Pharmasparte und dem zunehmenden Wettbewerb im Geschäft mit Flüssigkristallen auf mehr Effizienz trimmen.
AUSBLICK ERHÖHT
2012 stellt Merck einen Gesamtumsatz von rund 10,7 Milliarden Euro (zuvor: rund 10,5) in Aussicht. Beim bereinigten EBITDA wird mit 2,85 bis 2,95 Milliarden Euro gerechnet - nach 2,8 bis 2,9 Milliarden Euro zuvor (VJ: 2,7). Weltweit beschäftigte Merck Ende Juni 40.085 Mitarbeiter davon fast 11.000 in Deutschland. Auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland wollen die Hessen bisher verzichten. "Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern werden im dritten Quartal wieder intensiviert", sagte Zachert./ep/jha/fbr
ISIN DE0006599905
AXC0225 2012-08-14/14:38
