FRANKFURT (Dow Jones)--Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister stimmt seine Aktionäre auf höhere Rohstoffkosten ein. "Zu den Herausforderungen des laufenden Jahres gehört unter anderem, dass die Werkzeugmaschinenhersteller den global wachsenden Wettbewerb um Rohstoffe deutlich zu spüren bekommen und daher ihre Herstellkosten insgesamt noch besser im Auge behalten müssen", sagte Vorstandschef Rüdiger Kapitza laut Redetext auf der Hauptversammlung des MDAX-Unternehmens in Bielefeld.
Insgesamt bleibt Kapitza aber weiter optimistisch. "Wir gehen gestärkt in das Jahr 2012 und sehen derzeit keine drastischen Anzeichen für einen Konjunktureinbruch in unserer Branche." Die Finanz- und Schuldenkrise dämpfe allerdings die Investitionsbereitschaft in Europa. Hingegen sei die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen in den so genannten BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, ungebrochen. "Falls die US-Wirtschaft im laufenden Geschäftsjahr zu einem klaren Wachstumspfad zurückfindet, besteht die Chance, dass die Stagnation in Europa ausgeglichen werden kann."
Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Gildemeister im Segment Industrielle Dienstleistungen "weitere Zuwächse". Die weiterhin gute Entwicklung in den asiatischen Märkten sowie in Osteuropa und Amerika "könnte eine mögliche Abschwächung des südeuropäischen Geschäftes kompensieren", sagte Kapitza. "Auch den Absatz von Mori-Seiki-Maschinen in Europa und Deutschland planen wir deutlich zu steigern." Gildemeister kooperiert seit Längerem mit dem japanischen Partner.
Die bei Vorlage der Erstquartalszahlen am 8. Mai bestätigte Jahresprognose bekräftigte Kapitza erneut. Ziel bleibt, bis Ende 2012 erstmals einen Auftragseingang von mehr als 2 Milliarden Euro zu erreichen. Der Umsatz soll auf über 1,9 Milliarden Euro steigen. Auf der Kostenseite rechnet Gildemeister allerdings mit Steigerungen der Einkaufs- und Personalkosten. Das Ergebnis vor Steuern soll am Ende dennoch mehr als 100 Millionen Euro betragen, der Gewinn mehr als 65 Millionen Euro. Das Versprechen, für das Geschäftsjahr 2012 eine höhere Dividende je Aktie als im Vorjahr zu zahlen, präzisierte Kapitza nicht.
Noch in diesem Jahr solle der Bau eines hochmodernen Montagewerks im russischen Uljanowsk beginnen, kündigte Kapitza an. Ein rund 200.000 Quadratmeter großes Grundstück habe Gildemeister bereits erworben. Künftig sollen dort Fräs- und Drehmaschinen für den russischen Markt produziert werden.
Gildemeister hofft damit, an alte Erfolge anknüpfen zu können. Vor den 1980er-Jahren habe das Unternehmen in Russland mehr als ein Drittel seines Umsatzes erzielt, sagte Kapitza. Das Geschäft war allerdings mit dem Ende der Sowjetunion zusammengebrochen. Nun will Gildemeister seinen Russland-Umsatz "in relativ kurzer Zeit deutlich erhöhen". Die Voraussetzungen dafür sind nach Einschätzung des Werkzeugmaschinenherstellers gut: Das Werk in Uljanowsk liege in unmittelbarer Nähe zu führenden russischen Automotive- und Luftfahrtkonzernen, die sich in dem Industriegebiet an der Wolga angesiedelt hätten. Auch große Zulieferer und Logistikunternehmen seien dort vor Ort.
Auch 2013 will Gildemeister weiter wachsen. Zwar seien die Rahmenbedingungen aus heutiger Sicht noch schwer abzusehen, sagte der Vorstandschef. Allerdings werde ein weiteres Wachstum des weltweiten Werkzeugmaschinenverbrauchs prognostiziert. "Auch wir planen, für das Geschäftsjahr 2013 eine Steigerung zu erreichen."
-Von Ursula Quass, Dow Jones Newswires +49 (0)69 29725 110, ursula.quass@dowjones.com DJG/uqu/jhe
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May 18, 2012 06:01 ET (10:01 GMT)
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