--Opel will Unternehmensplan im Juni im Aufsichtsrat diskutieren
--Astra soll künftig nur noch in zwei Werken produziert werden
(Durchgehend neu)
Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES
RÜSSELSHEIM/FRANKFURT (Dow Jones)--Opel will bald den umfassenden Unternehmensplan präsentieren, der den defizitären Autobauer in die Gewinnzone zurückführen soll. Auf einer Betriebsversammlung am Stammsitz in Rüsselsheim skizzierte Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke die 10 Eckpunkte der Sanierung. Das ausführliche Maßnahmenpaket soll im Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden.
Nach und nach werden die ersten Details der Opel-Planungen bekannt: So soll die neue Generation des wichtigen Kompaktwagens Astra ab 2015 nur noch an zwei statt an drei Standorten gebaut werden. "Angesichts der erwarteten Nachfrage sind wirtschaftlich nur zwei Astra-Werke sinnvoll", sagte Stracke. "Wenn wir diese zwei Werke im Drei-Schicht-Betrieb laufen lassen, werden die Produktionskosten für die nächste Astra-Generation deutlich unter den heutigen liegen".
Aktuell rollt das Brot-und-Butter-Modell der Hessen in Ellesmere Port (Großbritannien), Gliwice (Polen) und Rüsselsheim vom Band - in den drei Werken werden allerdings nur zwei Schichten gefahren. Der Astra ist Opels Verkaufsschlager und stand 2011 für fast ein Drittel des Gesamtabsatzes.
Die nun endgültig bekannt gewordene Astra-Entscheidung basiert auf der grundsätzlichen Strategie von Opel, künftig alle Werke 24 Stunden am Laufen halten zu wollen. Über höhere Volumina an den einzelnen Standorten will das Unternehmen dann profitabler werden. Diese Maßgabe hatte Karl-Friedrich Stracke am Wochenende bereits in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland öffentlich gemacht.
Gewerkschafter fürchten, dass die beiden Standorte außerhalb Deutschlands aus Kostengründen den Zuschlag für die neue Astra-Generation bekommen werden. Das wiederum würde möglicherweise zumindest mittelbar den Standort in Bochum mit seinen rund 3.000 Mitarbeitern gefährden. Dort liefe dann nur noch der Van Zafira vom Band - und in Rüsselsheim gäbe es wegen des Astra-Abzugs freie Kapazitäten, die für die Familienkutsche genutzt werden könnten.
Opel bekräftigte auf der Betriebsversammlung trotz aller Probleme einmal mehr, sich an die bis Ende 2014 gültigen Verträge zur Standortsicherung halten zu wollen.
Auch das Werk in Ellesmere Port wurde immer wieder als möglicher Schließungskandidat gehandelt. Die Karten für die Briten scheinen aber nicht schlecht zu stehen. Im Interview sagte Stracke nämlich, Opel wolle dort produzieren, wo man auch verkaufe. Und Großbritannien ist direkt hinter Deutschland der wichtigste Markt für Opel und die Schwestermarke Vauxhall. In keinem Land liegt der Marktanteil höher als im Königreich.
Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug erklärte im Anschluss an die Versammlung der Arbeitnehmer, er sehe trotz des geplanten Drei-Schicht-Betriebs in allen Opel-Werken Alternativen zu Werksschließungen. Durch die Produktion von Chevrolets in Deutschland und mehr Exporte auf außereuropäische Märkte könnten die Kapazitäten besser ausgelastet werden, sagte er.
"Wir sind in Gesprächen mit unseren Kollegen in Detroit und Schanghai, um zu klären, ob wir Chevrolet-Fahrzeuge in Europa bauen können, um auch dadurch die Kapazitätsauslastung zu verbessern", erwiderte Stracke mit Blick auf die wiederkehrende Forderung der Arbeitnehmer. Genau wie Opel gehört auch Chevrolet zum amerikanischen Autobauer General Motors. Höhere Exporte alleine seien kein Königsweg aus der Krise, bekräftigte Stracke: "Wir müssen unsere Hausaufgaben in Europa machen."
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sagte, unter den nach Unternehmensangaben rund 7.000 Opelaner auf der Betriebsversammlung am Stammsitz sei die Verunsicherung spürbar gewesen. Was das Unternehmen und die Mitarbeiter nun bräuchten, sei eine konstruktive, gemeinsame und rasche Lösung, appellierte er an die Protagonisten. Laut Betriebsratschef Schäfer-Klug war die Stimmung angespannt. Die Versammlung sei unterbrochen worden und werde fortgesetzt, wenn es weitere Antworten gebe.
Stracke machte den Beschäftigten klar, dass es nicht darum gehe, Opel kaputtzusparen: "Der Unternehmensplan ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes. Wir werden damit bis 2016 unsere Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern."
Bereits im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland hatte der Unternehmenslenker am Wochenende trotz aller Schwierigkeiten optimistisch nach vorne geblickt: "Wir haben nie ein stärkeres Produktportfolio gehabt". Bis 2014 will Opel 11 Milliarden Euro in neue Produkte, Motoren und alternative Antriebe investieren. "Wenn wir nun unsere Probleme intern lösen, haben wir sehr gute Chancen, auch in diesem harten Wettbewerb erfolgreich zu sein".
Seit der europäische Automobilmarkt wegen der Schuldenkrise seine seit Jahren anhaltende Talfahrt beschleunigt hat, geht bei den Opelanern wieder die Angst vor Stellenstreichungen und Werksschließungen um. Erst nach dem geplatzten Verkauf im Jahr 2009 hatten die Hessen rund 8.000 Jobs abgebaut und das Werk in Antwerpen geschlossen. Doch das reicht nicht aus, denn Opel kommt einfach nicht aus der Verlustzone. Auch im ersten Quartal schrieb die Opel-Mutter General Motors in Europa - und zwar nur dort - rote Zahlen. Operativ lag das Minus bei gut 250 Millionen US-Dollar. Seit der Jahrtausendwende liefen zweistellige Milliardenverluste auf.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 -(0)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/jhe
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May 14, 2012 06:49 ET (10:49 GMT)
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