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WSJ: Konkurrenz profitiert von J.P. Morgans Milliardendebakel

Von Gregory Zuckerman und Liz Rappaport 
   THE WALL STREET JOURNAL 
 

NEW YORK (Dow Jones)--Die Londoner Handelsverluste von J.P. Morgan Chase & Co dürften zu einem bedeutenden Teil die Gestalt eines Nullsummenspiels annehmen: Einige der größten Rivalen der New Yorker Bank können sich über hohe Kapitalzuflüsse freuen. Von den mindestens 2 Milliarden US-Dollar an Handelsverlusten dürfte eine Gruppe von etwa einem Dutzend Banken, darunter die Goldman Sachs Group Inc und Bank of America Corp, bis zu 1 Milliarde Dollar einstreichen, sagten Händler und mit der Angelegenheit vertraute Personen. Gelegentlich stünden die Positionen des J.P. Morgan Chief Investment Office direkt diametral denen der Konkurrenz gegenüber.

Die erfolgreiche Konkurrenz erhandelte sich das Geld auf verschiedenen Wegen. Einige handelten direkt mit der J.P. Morgan-Sparte und Bruno Iksil, dem wegen seiner hohen Wetten als "Londoner Wal" bezeichneten Händler. Diese Banken bauten für sich selbst oder ihre Kunden Positionen in Kreditausfallversicherungen auf. J.P. Morgan verkaufte diese Finanzprodukte in diesem Jahr in großem Umfang.

Andere verdienten als Intermediäre fast schon unfreiwillig Geld mit der J.P. Morgan-Sparte. Diese Banken wollten die Positionen eigentlich an ihre Kunden weitergeben. Das Geschäft schlug fehl. Die Kunden lehnten ab. Jetzt stehen diese Banken mit ihren Positionen als glückliche Sieger da, die Überraschungsgewinne einfahren. Womit J.P. Morgan nicht gerechnet hatte, trat ein: Die Kreditausfallversicherungen gewannen an Wert und bescherten den Arbeitgebern des "Londoner Wals" herbe Verluste.

Einige Banken sitzen jetzt auf hohen Gewinnen, die bisher noch nicht realisiert wurden. Deswegen ist noch nicht klar, wie hoch die Gewinne im Endeffekt ausfallen werden. Sprecher von J.P. Morgan, Goldman Sachs und Bank of America wollten keine Stellungnahmen abgeben. Andere Banken gingen leer aus: Die Citigroup Inc ging auch Kontrakte mit dem "Londoner Wal" ein und profitiert trotzdem nicht von den großen Verlusten des Konkurrenten.

Dagegen kommen laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen einige Hedge-Fonds groß ins Geschäft. Diese können mit Gewinnen von jeweils 50 Millionen Dollar und mehr rechnen.

An den meisten Handelstagen war J.P. Morgan der größte Verkäufer von Kreditausfallversicherungen, bezogen auf den Index CDX.IG.NA.9, der den Wert von Unternehmenskrediten abbildet. Einige Hedge-Fonds und andere Anleger gingen Wetten gegen Iksils Positionen ein. Manche Banken trommelten geradezu für Gegenpositionen zu Iksils Wetten, sagten Personen, die Einblick in die Kommunikation der Banken hatten.

Der gewaltige Verkauf von Kreditausfallversicherungen auf den CDX.IG.NA.9 machte es teurer, sich gegen den Ausfall der einzelnen Unternehmen selbst zu schützen. Viele Banken und Hedge-Fonds rechneten damit, dass sich die Preise zwischen dem Index und den einzelnen Versicherungen gegen den Ausfall von Unternehmenskrediten wieder annähern würden. Im Endeffekt behielten sie Recht.

Während der vergangenen zwei Wochen spürten Händler die Quellen von J.P. Morgans immensen Handelsverlusten auf. Im Vordergrund stand die Frage, wie sie sich auf mehr als 2 Milliarden Dollar aufsummieren konnten. Jetzt wollen sie auch herausfinden, wie sich J.P. Morgan aktuell positioniert.

Einige Händler meinen, die Großbank habe ihre Positionen im April bereinigt, bevor sie diesen Monat mit den Verlusten an die Öffentlichkeit ging. Diese Schachzüge sollten vor großen Ausschlägen bei den Marktpreisen schützen, sobald andere Banken von J.P. Morgans Verlustposition Wind bekamen.

Unterdessen hat J.P. Morgan das Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt, das erst vor 2 Monaten angekündigt wurde. Bankchef James Dimon will erst einmal auf Nummer sicher gehen. Der Schritt beruhe nicht auf Vorgaben der Aufsichtsbehörden. Dimon will die Quartalsdividende allerdings nicht kürzen und die Entscheidung zum ausgesetzten Aktienrückkauf nicht als Zeichen gewertet wissen, dass sich die Handelsverluste noch ausweiteten.

-Von Gregory Zuckerman und Liz Rappaport, The Wall Street Journal; 
+49 (0)69  29725 130, unternehmen.de@dowjones.com 
Serena Ng hat zu diesem Artikel beigetragen. 
DJG/DJN/axw/mgo 

(END) Dow Jones Newswires

May 22, 2012 07:04 ET (11:04 GMT)

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© 2012 Dow Jones News
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