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Warum Gold gefallen ist und der DAX steigt

von Jochen Steffens

Der DAX konnte heute um 1,79 % zulegen. Der DAX-Future ist aus dem gestern vorgestellten Abwärtstrendkanal nach oben ausgebrochen und das mit einem Retest der oberen Trendlinie - sprich regelkonform. Allerdings ist fraglich, inwieweit diese Entwicklung immer noch mit den politischen Börsen zusammenhängt. Der am Mittwoch stattfindende EU-Sondergipfel zur Euro-Schuldenkrise lässt Anleger auf Lösungsansätze hoffen. Offenbleibt, ob diese nicht doch wieder enttäuscht werden.

Aber eigentlich würde sogar eine Enttäuschung mit daraufhin wieder fallenden Kursen zum Chartbild passen:

Der DAX-Future (dies ist übrigens ein 5 Min. Chart, also eine sehr kurzfristige Analyse!) ist an einem wichtigen Widerstand bei 6.445 Punkten angelangt. Da Charts einen gewissen Hang zur Symmetrie haben, könnte es nun sein, dass noch einmal die blaue Trendlinie getestet wird, bevor die Aufwärtsbewegung fortgesetzt wird (siehe rot gestrichelte Prognoselinie). Das ist natürlich nur eine von vielen Varianten und zwar eine "idealtypische".

Wir können es aber kurz machen: Wenn der DAX-Future nun auch noch diese 6.445er Marke knackt, wird noch bullisher. Auf der anderen Seite sollte nun die 6.300er Marke nicht mehr nachhaltig unterschritten werden, das wäre eher bearish zu werten.

Warum ist Gold trotz erneuter Ausweitung der Krise überhaupt gefallen?

Ich erhielt eine Mail mit der Frage, warum denn der Goldpreis seit Mitte letzten Jahres trotz der durch die Euro-Krise steigenden Risiken für das Weltwirtschaftswachstum nicht weiter gestiegen ist.

Dafür werden direkt mehrere Gründe genannt. Unter anderem besteht ein Zusammenhang zwischen Gold, Öl und dem Dollar:

Wir erkennen in diesem Chart, dass sowohl der Ölpreis als auch der Goldpreis in schöner Harmonie bis Mitte 2011 angestiegen sind. Als ein Hauptgrund für diese Harmonie des Kursanstiegs ist natürlich unter anderem der Verfall des Dollars zu nennen. Durch das Ankurbeln der Gelddruckmaschine seitens der Fed verlor der Dollar an Wert. Dieser Wertverfall zeigte sich im Anstieg vieler Rohstoffpreise. Und genauso hängt das Ende des Aufwärtstrends unter anderem damit zusammen, dass durch die Krise in der EU der Dollar gestärkt wurde. Anleger flüchteten in den Dollar, da dieser immer noch als Krisenwährung gesehen wird, wenn auch nicht mehr in dem Maße, wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

Gold und Öl, ein weiterer Zusammenhang

Doch es gibt noch einen weiteren Zusammenhang: Auffällig ist, dass zunächst der Ölpreis ein Top ausgebildet hat und dann zeitversetzt der Goldpreis folgte. Gold gilt besonders in den USA als Inflationsschutz. Steigt der Ölpreis zieht die Inflationsrate an, allerdings zeitversetzt. Wenn die Inflationsrate ansteigt, reagieren besonders US-Anleger und kaufen Gold. Und das erklärt die zeitversetzte Reaktion des Goldes auf den Ölpreis.

Sobald dieser Anstieg des Ölpreises allerdings stoppt, beruhigt sich auch die Inflationsrate wieder, ebenfalls zeitverzögert. Dazu muss der Ölpreis nicht einmal sinken, er muss lediglich nicht weiter steigen.

Wenn jedoch die Inflationsgefahren sinken, wird Gold als Inflationsschutz uninteressant. In Folge dünnen die Käufer aus, die Gold als Inflationsschutz im Depot beimischen, andere werden sogar ihre Goldbestände verringern - das belastet die Goldpreisentwicklung insgesamt.

Mainstreambewusstsein

Seit August vergangenen Jahres ist eine deutlichere, direkte und eben nicht mehr zeitversetzte Synchronität der beiden Kursverläufe zu erkennen:

Das wird zum Einen sicherlich direkt mit der Reaktion des Dollars auf die Euro-Krise zu tun haben. Aber es ist noch ein anderer Zusammenhang herzuleiten: Aufgrund des vorangegangen starken Anstiegs des Ölpreises wurde das Thema Öl und Inflation entsprechend in den US-Medien ausführlich diskutiert, so dass die Masse der Anleger für diesen Zusammenhang sensibilisiert wurden. Diese Sensibilisierung führte dazu, dass die zeitversetzte Reaktion des Goldpreises auf die Entwicklung des Ölpreises zusammenschrumpfte. Die beiden Kursverläufen gingen in eine synchrone Entwicklung über.

Doch immer wenn das geschieht, also immer dann, wenn die Masse einen solchen Zusammenhang entdeckt, ist die Gefahr groß, dass sich dieser schnell wieder auflöst. Bisher hält er sich allerdings noch ganz gut, auch wenn Gold im letzten Anstieg etwas träger reagierte als der Ölpreis. Das könnte jedoch schon der erste Hinweis darauf sein, dass sich diese direkte Abhängigkeit bereits wieder auflöst.

Ist der Euro schuld?

Als ein weiterer Grund, der angeblich für den Einbruch im Gold mitverantwortlich sein soll, wird der schwache Euro genannt. Ein fallender Euro führt dazu, dass Gold für Euro-Anleger immer teurer wird, so dass diese nicht mehr einsteigen - so die Argumentation.

Das hört sich insoweit sehr plausibel an. Andererseits wäre Gold natürlich gerade in so einer Situation ein geeignetes Investment, um sich vor einem weiteren Euro-Verfall zu schützen. Meines Erachtens kompensiert dieser Einfluss den höheren Goldpreis, so dass ich diesem Argument nicht so viel abgewinnen kann (wobei es natürlich immer eine Vielzahl von Einflüssen ist, die zu einer Kursbewegungen führen).

Die wichtigen Zyklen

Wesentlich interessanter ist ein weiterer Grund, der nur selten von den Mainstreammedien aufgegriffen wird: Der Goldzyklus:

Quelle: www.wellenreiter-invest.de

Gold neigt generell in der ersten Hälfte des Jahres, vor allem ab März, zur Schwäche. Diese Schwäche ist gerade in US-Präsidentschaftswahljahren besonders deutlich. Und wenn Sie die Entwicklung des saisonalen Verlaufs in Wahljahren (schwarze Linie) und die in diesem Jahr (rote Linie) vergleichen, ist eine eindeutige Parallelität zu erkennen.

Hierfür könnte man nun weitere Gründe anbringen. Sicherlich auch die Tatsache, dass Vorwahljahre und Wahljahre als gute Börsenjahre gelten und es hier zu Umschichtungen von Rohstoffen in Aktien kommt.

Fazit:

Es gibt also eine Vielzahl von Gründen für die Schwäche des Goldpreises seit Mitte vergangenen Jahres. Der für uns interessanteste ist, dass sich Gold in diesem Jahr sehr genau an den saisonalen Verlauf in Wahljahren hält. Das spricht dafür, dass Gold tatsächlich sein Tief für die kommenden Monate erreicht hat und wie gestern prognostiziert nun wieder zur oberen Begrenzung der aktuellen Seitwärtsbewegung läuft (siehe auch die weitere Entwicklung in Wahljahren) - das sollte, traut man der Saisonalität, bis Mitte Juli geschehen sein.

Viele Grüße

Jochen Steffens

© 2012 Börse-Intern
Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Während Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte von einem Hoch zum nächsten jagen, wurden viele Software-Aktien in den vergangenen Monaten regelrecht aus den Depots gedrängt. Die Angst vor Disruption hat Investoren zu einem radikalen Strategiewechsel veranlasst – mit der Folge, dass zahlreiche Qualitätsunternehmen heute auf Mehrjahrestiefs notieren.

Doch genau hier entsteht eine seltene Chance. Denn während die Bewertungen im Halbleitersektor inzwischen auf ambitionierten Niveaus liegen, ist der Bewertungsabschlag bei Software-Titeln so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig liefern viele Unternehmen weiterhin starke Wachstumszahlen und integrieren KI erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle. Die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und operativer Stärke könnte sich schon bald auflösen.

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