BERLIN (Dow Jones)--Deutsche Fluggesellschaften und Flughäfen fühlen sich von der Politik vernachlässigt und fordern bessere Rahmenbedingungen. "Viele deutsche Luftverkehrsunternehmen stehen inzwischen mit dem Rücken zur Wand", beschrieb Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, die finanzielle Misere der Unternehmen. Sie hätten im Vergleich zu ihren internationalen Konkurrenten durch staatliche Vorgaben höhere Belastungen zu schultern.
Auch Lufthansa leidet nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz unten neuen und überwiegend staatliche Wettbewerbern aus Asien und Nahost, die von den jeweiligen Heimatländern gefördert werden. "Im Gegensatz dazu wird in Deutschland die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrtunternehmen mit immer neuen Belastungen und Einschränkungen gebremst", klagte der Chef von Deutschlands größter Airline.
Als Beispiele nannte er die Luftverkehrssteuer, den Alleingang der EU im Emissionshandel für den Luftverkehr und stärkere Einschränkungen bei Nachtflügen. "Alleine über die Luftverkehrssteuer wurden Lufthansa im letzten Jahr 361 Millionen Euro entzogen. Dieses Geld fehlt uns", rechnete er vor.
Flughafenbetreiber Fraport stimmte ins Klagelied ein und monierte, dass sich diese Wettbewerbsverzerrungen auch bei den Airports massiv niedergeschlagen hätten. "Im Vergleich zu anderen europäischen Flughäfen und erst recht im Vergleich zum Wirtschaftswachstum allgemein werden die deutschen Flughäfen abgehängt", sagte er. Nur 6 von 22 internationalen Flughäfen in Deutschland hätten 2011 einen Gewinn erzielt. Größere Flughäfen würden sich zunehmend verschulden. Kleinere und mittlere Airports könnten inzwischen nicht mehr aus eigener Kraft in ihre Infrastruktur investieren.
Um dem Dilemma Herr zu werden, fordern die Unternehmen vor allem die Rücknahme der Luftverkehrssteuer und verbesserte Betriebszeiten an den Flughäfen. Außerdem soll die EU ihre Emissionshandelspläne mit den internationalen Luftverkehrsorganisationen abstimmen und so für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen.
- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/jhe
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May 23, 2012 10:00 ET (14:00 GMT)
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