Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident
Stefan Mappus (CDU) hat im Streit um den EnBW
Gleiss Lutz habe, "obwohl zahlreiche Gelegenheiten bestanden hätten, keinem Mitglied der Landesregierung gegenüber einen Risikohinweis mündlich abgegeben". Der damals federführende Anwalt von Gleiss Lutz, Martin Schockenhoff, habe Mappus Anfang Dezember sogar selbst getroffen und nichts von einem Risiko erwähnt. Auch gebe es keine schriftliche Warnung. Dies sei ein klarer Pflichtverstoß der Kanzlei. "Damit steht fest, dass Herrn Mappus der mögliche Verstoß gegen die Verfassung nicht anzulasten ist", erklärten seine Anwälte Stephan Holthoff-Pförtner und Christoph Kleiner. Der Staatsgerichtshof hatte den Weg über das Notbewilligungsrecht des Finanzministers im Nachhinein als verfassungswidrig erklärt.
Schockenhoff hatte bei seinem Auftritt vor dem Ausschuss vor gut einem Monat Mappus in entscheidenden Punkten zum Ablauf des Geschäfts widersprochen. Er hatte erklärt, die Juristen hätten vor einer Ausschaltung des Parlaments gewarnt. Mappus habe dann trotzdem die grundsätzliche Entscheidung getroffen, diesen Weg zu beschreiten. "Er war bereit, diesen Weg zu gehen, auch wenn verfassungsrechtliche Risiken verbleiben", hatte Schockenhoff gesagt.
Mappus' Anwälte bezweifeln, dass der Anwalt - wie von ihm im
Ausschuss behauptet - Staatsminister Helmut Rau (CDU) und den
Investmentbanker Dirk Notheis mündlich gewarnt hat. Rau habe
bestritten, dass es einen Risikohinweis gegeben habe. Und: "Herr Dr.
Notheis kann sich weder an den Risikohinweis noch an das Telefonat
erinnern." Hinzu komme, dass Notheis als Chef von Morgan Stanley
Schockenhoff hatte erklärt, Notheis habe ihm am 30. November 2010 mitgeteilt, dass Mappus den Landtag bei dem Deal ausschalten wolle, "wenn er das nur irgendwie begründen könne". Mappus wolle dieses Risiko eher in Kauf nehmen, als die Gefahr, "dass EDF an einen anderen verkauft". Notheis habe erklärt, es drohe ein Verkauf an einen ausländischen Investor - "insbesondere an einen russischen". Erst danach habe Gleiss Lutz den Weg über das Notbewilligungsrecht erneut geprüft und abgesegnet, sagte der Jurist.
Das Land hatte unter Mappus für 4,7 Milliarden Euro etwa 45 Prozent an dem Karlsruher Energiekonzern gekauft. Der Ausschuss will aufklären, wieso der damalige Regierungschef das Geschäft mit großer Eile und am Landtag vorbei durchzog./hot/DP/zb
ISIN DE0005220008 FR0010242511 US6174464486
AXC0270 2012-05-23/17:50
