Der heutige Rückgang im DAX und damit auch im DAX-Future ist bis jetzt genauso abgelaufen, wie gestern prognostiziert:

Der Kursverlauf hat sich genau an die rot gestrichelte Prognoselinie gehalten und stoppte, wie erwartet, zunächst an der Abwärtstrendlinie bei 6.300 Punkten. Nun kommt es darauf an, wie die Entwicklung weiter geht: Kommt es hier zu einem erneuten Anlauf an die 6.445er Marke und wird diese schlussendlich überwunden, haben wir es mit einem nachhaltigen Boden zu tun, der dann sicherlich auch in den Tagescharts zu erkennen sein wird. Für diesen Fall müssen wir mit einer erneuten Aufwärtsbewegung rechnen, und das auf Sicht von ca. fünf bis sechs Wochen.
Wird die 6.300er Marke jedoch nachhaltig nach unten gebrochen und fallen die Kurse damit wieder in den alten Abwärtstrend zurück, muss der Bodenversuch als gescheitert angesehen werden.
Politik an den Entscheidungshebeln der Börse
Und diese Entscheidung wird natürlich auch von den Entwicklungen auf dem EU-Gipfels beeinflusst. Heute sorgte zudem Nachrichten aus Griechenland für Unruhe, nach denen Lucas Papademos, der ehemalige Ministerpräsident des Landes, zugab, dass über ein Austritt aus der EU nachgedacht werde. Da die Folgen eines Austritts Griechenlands nicht wirklich absehbar sind, führte das zu einer erneuten Erhöhung der Unsicherheit unter den Anlegern. Und wie bereits oft beschrieben: Unsicherheit ist nicht gut für die Börsen.
Bund-Future steigt immer weiter und weiter
Wie sehr die Unsicherheit zunimmt, kann man daran erkennen, dass der Bund-Future immer weiter und weiter anzieht. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihe liegen aktuell bei nur noch 1,43 Prozent. Den gigantischen Aufwärtstrend des Bund-Futures und damit den Abwärtstrend der Renditen erkennen Sie sehr schön im langfristigen Bund-Future-Chart:

Seit der Finanzkrise 2008/9 kam es zu einer massiven Beschleunigung der Aufwärtstrenddynamik. Mittlerweile haben wir ein zuvor unvorstellbares Niveau erreicht. Und niemand kann sagen, wie verrückt dieser Trend noch wird. Denn ohne Frage liegt die Rendite unter der Inflation. Hier sind also Anleger bereit, reale Kaufkraftverluste hinzunehmen, nur in der Hoffnung auf scheinbare Sicherheit.
Das ist insofern bemerkenswert, da nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) 227 Unternehmen des regulierten Marktes an der Deutschen Börse insgesamt 34,05 Mrd. Euro an Dividenden auszahlen - knapp 5 % mehr als noch im Vorjahr. Allein die Unternehmen im DAX schütten danach insgesamt 27,82 Mrd. Euro aus. Das sind 4,2 % bezogen auf die aktuelle Marktkapitalisierung der DAX-30-Werte!
Direkter Vergleich
Vergleicht man das mit den negativen Renditen der vermeintlich sicheren Anleihen, wird klar, warum der Aktienmarkt im Vergleich massiv unterbewertet ist. Wir haben es mal wieder mit einer Blase zu tun: Schauen Sie sich dazu nur den Bund-Future an.
Eine Blase zeigt "unvernünftiges" Handeln der Teilnehmer an. Gäbe es die politischen Unsicherheiten nicht, die sicherlich auch noch einmal die Börsen nachhaltig belasten können, müsste der Tenor aus diesem Vergleich für ein normales Depot lauten (wenn man andere Anlagen außen vorlässt):
0 Prozent Rentenpapiere
100 Prozent Aktien
Aber so kann ich die Reaktion der Anleger sogar verstehen. Andererseits wäre ohne diese Gefahren dieses Ungleichgewicht auch gar nicht erst so groß geworden. Aber wir sehen hier eindeutig wieder einmal wie "irrational" die Ungleichgewichte an den Börsen werden können. Und doch, und das ist für Sie als Anleger wichtig: Fallen die Gründe, die dieses extreme Missverhältnis bewirken weg, wird es sich natürlich auflösen - mit hoher Wahrscheinlichkeit auf beiden Seiten. Das bedeutet: Stark steigende Aktienmärkte und ebenfalls wieder steigende Renditen (sprich ein sinkender Bund-Future). Nur wann das der Fall sein wird…
Die alles entscheidende Frage ist demnach: "Sag mir quando, sag mir wann, sag mir quando, quando, quando… "
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
