BERLIN (Dow Jones)--Das Bundesfinanzministerium (BMF) stuft die Wirtschaftsbelebung im ersten Quartal als "unerwartet deutlich" ein und erwartet im zweiten Quartal eine technische Gegenreaktion beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Hinter der vom Statistischen Bundesamt (Destatis) gemeldeten Steigerung des BIP um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal stehe wohl, "dass der witterungsbedingte Einbruch in der Bauwirtschaft im Februar bereits im März wieder aufgeholt werden konnte", schreibt das Ministerium in seinem aktuellen Monatsbericht.
Dieser Kompensationseffekt sei in den Projektionen der meisten nationalen und internationalen Institutionen erst für das zweite Quartal erwartet worden. Darüber hinaus sei die Industrieproduktion durch einen statistischen Sondereffekt überzeichnet. "Diese Effekte bedeuten, dass im zweiten Quartal mit einer technischen Gegenreaktion zu rechnen ist", erklärte das BMF. Insgesamt dürfte damit die konjunkturelle Grunddynamik in der ersten Jahreshälfte dem Konjunkturbild entsprechen, das der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung zugrundegelegt worden sei. In Anbetracht der günstigen Ausgangslage im ersten Vierteljahr sei die Wachstumsprognose der Bundesregierung für den Jahresdurchschnitt 2012 mit real 0,7 Prozent "gut nach unten abgesichert".
Die Konsumausgaben der privaten Haushalte könnten nach Einschätzung des BMF im ersten Quartal zum BIP-Anstieg beigetragen haben. Hierauf deute die gute Verbraucherstimmung in den ersten drei Monaten dieses Jahres hin. Dabei dürften die Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Lohnsteigerungen maßgeblich zum Anstieg des privaten Konsums beigetragen haben. Das Ministerium ging zudem von einem fortgesetzten Anstieg der Industrieproduktion in den nächsten Monaten aus und sah aus jüngsten Lohnabschlüssen keine Inflationsgefahr. "Die jetzt mehr am trendmäßigen Produktivitätsfortschritt orientierten Lohnsteigerungen stellen derzeit kein Inflationsrisiko dar."
Finanzstaatssekretär Thomas Steffen bekräftigte in dem Bericht, dass die Regierung keinen Spielraum für zusätzliche Ausgaben sieht. Die Ergebnisse der Steuerschätzung belegten zwar, dass die wachstumsorientierte Konsolidierungspolitik der Bundesregierung weiter Früchte trage. "Im Rahmen einer stabilitätsfördernden und nachhaltigen Finanzpolitik gibt es trotz dieser Mehreinnahmen keinen Raum für zusätzliche strukturelle Mehrausgaben", betonte aber Steffen.
Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind laut dem BMF-Bericht im April 2012 im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent gestiegen. Hierzu haben die gemeinschaftlichen Steuern mit 3,1 Prozent Zuwachs, die Bundessteuern mit plus 9,1 Prozent und die Ländersteuern mit plus 13,3 Steuern beigetragen. Im Zeitraum Januar bis April 2012 erhöhte sich das Aufkommen der Steuereinnahmen im Vorjahresvergleich insgesamt um 5,7 Prozent.
Aufgrund deutlich höherer EU-Abführungen war der Zuwachs im Aufkommen des Bundes im April mit 1,1 Prozent geringer als bei den Ländern, bei denen es 2,8 Prozent waren. Im kumulierten Zeitraum Januar bis April kam der Bund auf ein Plus von 3,1 Prozent, während die Länder einen Zuwachs von 6,1 Prozent verbuchten.
-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires +49 (0)30 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com DJG/ank/apo
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May 23, 2012 18:00 ET (22:00 GMT)
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