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Air Berlin sieht Existenz durch Luftverkehrssteuer bedroht

Von Kirsten Bienk 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

BERLIN (Dow Jones)--Die Luftverkehrssteuer drückt nicht nur die Gewinne aller deutschen Airlines, sie gefährdet sogar die Existenz der hoch verschuldeten Air Berlin. Hält die finanzielle Misere an, denkt Deutschlands zweitgrößte Airline an einen harten Schnitt: "Vielleicht verkaufen wir die Geschäfte mal ganz", sagte Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn.

Die Einführung der deutschen Luftverkehrsabgabe sei schon Grund für den Verkauf eines 30prozentigen Aktienpaketes an Etihad Airways gewesen, erklärte er. Das Berliner Unternehmen habe die Zusatzkosten nicht mehr alleine stemmen können.

Air Berlin hatte Ende 2011 fast ein Drittel des Unternehmens an Etihad verkauft. Zuvor war es dem Unternehmen nach Jahren schnellen Wachstums nicht aus eigener Kraft gelungen, Gewinne zu erwirtschaften. Hohe Kerosinkosten, die nachlassende Nachfrage nach Reisen nach Nordafrika und zu geringe Streckenpreise machten ausreichende Einnahmen unmöglich.

Der Verkauf der Anteile an Etihad rettete das Unternehmen. Ein Kredit der Großaktionärin soll nun die weitere Durststrecke überbrücken.

Air Berlin ächzt wie andere deutsche Airlines auch immer stärker unter der Luftverkehrsteuer. Hinzu kommen Kosten für den Emissionshandel und hohe Treibstoffpreise. Wegen des harten Wettbewerbs können die Gesellschaften diese Ausgaben nicht durch höhere Ticketpreise ausgleichen.

Auch die Deutsche Lufthansa sieht dunkle Wolken am Horizont. Bleiben die hohen Belastungen bestehen, rechnet Passagevorstand Carsten Spohr mit einem geringeren Wachstum als bisher. "Wir werden schrumpfen", prognostizierte er. Denn dann fehle Geld für Investitionen in treibstoffsparende Flugzeuge und die Entwicklung neuer Strecken. Im laufenden Jahren schlagen Luftverkehrsteuer, Emissionshandelskosten, das Nachtflugverbot in Frankfurt und das Fehlen eines einheitlichen europäischen Luftraums mit 700 Millionen Euro ins Kontor.

Abgesehen von diesen hohen Zusatzkosten spürt Deutschlands größte Fluggesellschaft immer stärker die Konkurrenz aus dem Mittleren Osten. So musste die Kranichlinie erst kürzlich drei interkontinentale Strecken einstellen, weil Wettbewerber aus der Golfregion durch bessere Rahmenbedingungen günstigere Preise verlangen können. Weitere Verbindungen sind bereits gefährdet.

Streckeneinstellungen wirken sich aber nicht nur negativ auf die Airline aus, sondern auch auf deutsche Flughäfen, denen Maschinen und Passagiere fehlen werden. Somit werde die gesamte deutsche Luftfahrtindustrie geschwächt, sagte der Vorstand.

Die Lösung des Problems liegt für ihn auf der Hand. Die Luftverkehrsteuer gehöre abgeschafft und das EU-Emissionshandelssystem müsse weltweit eingeführt werden. "Insellösungen führen uns nicht zum Ziel", prognostizierte Spohr. Auch müsste Europas größtes Klimaschutzprojekt, ein einheitlicher europäischer Luftraum, endlich umgesetzt werden. "Darauf warten wir seit vielen Jahren", sagte Spohr.

Bundesverkehrsminster Peter Ramsauer hat der deutschen Luftverkehrsindustrie eine genaue Prüfung der Luftverkehrsteuer zugesagt und Veränderungen an dieser Abgabe nicht ausgeschlossen.

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires; 
+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com 
DJG/kib/kla 
 

(END) Dow Jones Newswires

May 24, 2012 02:42 ET (06:42 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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