Die weiter schwelende Schuldenkrise hat
dem deutschen Aktienmarkt am Freitag den Wind aus den Segeln
genommen. Nach Händlerangaben sind die Sorgen um die Eurozone nach
einem lange Zeit freundlichen Handelsverlauf bis zuletzt wieder in
den Vordergrund gerückt. Entsprechend war der Dax am
Nachmittag mit 0,41 Prozent und 6.290,05 Punkten ins Minus
abgetaucht, nachdem er im Laufe des Morgens noch mit klaren Gewinnen
von erfreulichen Wirtschaftsdaten aus der Eurozone profitiert hatte.
Auf Wochensicht deutet sich damit mittlerweile ein kleiner Verlust
für den Dax an. Der MDax sank am Freitag um 0,81 Prozent
auf 10.148,98 Punkte, und der TecDax verlor 0,35 Prozent
auf 749,20 Punkte.
Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital verwies am Mittag auf
einen belastenden Kommentar von Bundesbank-Chef Jens Weidmann,
wonach gemeinsame Anleihen der Euroländer keine Lösung für die Krise
seien. Zudem deuteten jüngste Umfragen in Griechenland weiter auf
einen Vorsprung für die Gegner des von der EU geforderten
Sanierungsplans hin, fügte er hinzu. Noch weiter rutschte der Markt
am Nachmittag ab, als von Berichten die Rede war, dass Katalonien
Staatshilfe benötige und die Schulden nicht mehr refinanzieren
könne. Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse
hatte im Zuge der frühen Gewinne schon auf die weiterhin politisch
geprägte Entwicklung an den Börsen hingewiesen. "Das dürfte bis zur
Griechenland-Wahl im Juni auch so bleiben", so der Experte.
VERSORGER WEITERHIN FREUNDLICH
Unter den Einzelwerten gehörten die jüngst zu einer Erholung
ansetzenden Aktien von Energiekonzernen bis zuletzt zu den
stabilsten Werten. Eon-Anteile wurden zunächst mit einem
Aufschlag von bis zu zwei Prozent von einem weiteren positiven
Analystenkommentar gestützt. Letztendlich büßten sie einen Großteil
ihrer frühen Gewinne aber mit dem Markt ein. Am Nachmittag
verteidigten sie noch ein knappes Plus von 0,26 Prozent, mit dem sie
zu den wenigen verbliebenen Gewinnern im Dax gehörten. Papiere des
Konkurrenten RWE legten bis zuletzt 0,32 Prozent zu.
Spitzenreiter im Dax waren nach einer Analystenstudie die Aktien
von Siemens . Eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank
verhalf den Papieren des Elektrokonzerns um etwas mehr als 1 Prozent
auf 67,78 Euro nach oben. Zugleich hob Analyst Peter Reilly das
Kursziel von 80,00 auf 85,00 Euro an. Er rechnet damit, dass sich
der Fokus nach einer Phase negativer Nachrichten nun wieder auf die
Profitabilität richten wird. Im MDax sorgte ein Analystenkommentar
bei Leoni für ein Kursplus von fast drei Prozent. HSBC
hatte die Titel des Autozulieferers von "Neutral" auf "Overweight"
hochgestuft.
SPEKULATION ÜBER VW-PLÄNE BEI SGL
Die Aktien der SGL Group reihten sich im MDax mit
einem Plus von etwas mehr als einem Prozent in die Gruppe der
Gewinner ein. Nach einer Stimmrechtsmitteilung vom Vortag äußerte
der Börsenbrief "Platow Brief" die Vermutung, dass der
Volkswagen-Konzern hinter den von der französischen
Großbank Societe Generale erworbenen Anteilen stecken könnte und der
Anteil des Wolfsburger Autobauers damit auf mehr als 13 Prozent
steigen würde. "Das heizt die Spekulation wieder an, dass VW seinen
Anteil an SGL weiter steigern will", so der Händler.
Darüber hinaus standen die für ihre hohe Dividendenrendite
berühmten Aktien der Deutschen Telekom nur optisch am
Dax-Ende. Der Telekom-Konzern schüttet 0,70 Euro je Aktie an seine
Anteilseigner aus. Aus der zweiten Reihe gab es zudem Auszahlungen
von Solarworld und Salzgitter ./tih/la
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---
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