Minden (ots) - Im Bundestag endete gestern eine jahrelange, typisch deutsche Diskussion mit einer typisch deutschen Lösung. Noch grundsätzlicher als hierzulande konnte man das Thema Organspende wohl nicht diskutieren, eine noch weniger bürokratische Regelung am Ende wohl kaum finden. Immerhin gibt es eine Reform des bisher geltenden Transplantationsrechts, ob sie aber tatsächlich zur dringend nötigen Förderung der Spendebereitschaft führt, bleibt abzuwarten. Denn schon bisher wusste, wer es wissen wollte, wie wichtig das Einverständnis ist, konnte sich jeder Überzeugte relativ problemlos einen Organspenderausweis beschaffen. An Aufklärung und Information hat es wahrlich nicht gemangelt. Dass die nun erfolgende flächendeckende und sich regelmäßig wiederholende Ansprache durch die Krankenkassen größere Resonanz auslöst, ist deshalb vorerst nicht mehr als eine fromme Hoffnung. Wie sonst wäre zu erklären, dass jede entsprechende Umfrage zuverlässig Bereitschaftsquoten von 70 Prozent und mehr ermittelt, nicht einmal 25 Prozent der Deutschen dies aber tatsächlich konkret in einem entsprechenden Dokument festgehalten haben. Es bleibt unbefriedigend, dass sich die Politik nicht zu einer grundsätzlichen Umkehr des Entscheidungsprozesses wie in Österreich durchringen konnte. Dort wird bei Erwachsenen grundsätzlich von einer Spendenbereitschaft ausgegangen, der im Fall mangelnden Einverständnisses explizit widersprochen werden muss. Die auch gestern wieder so hoch beschworene Entscheidungsfreiheit des Bürgers - der jederzeit plötzlich selbst auf eine Organspende angewiesen sein könnte - bliebe gewahrt. Doch dies ließ sich in Deutschland nicht durchsetzen - weshalb auch weiterhin Tag für Tag Menschen aus Mangel an Organen sterben werden müssen.
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