Von Frances Robinson
STRASSBURG--Der einflussreiche Wirtschafts- und Finanzausschuss des EU-Parlaments hat den Einzug des Luxemburgers Yves Mersch in das Direktorium der Europäische Zentralbank abgelehnt. Die Abgeordneten störten sich nicht an der Qualifikation des Bewerbers, sondern daran, dass er keine Frau ist. Die Vorsitzende des Ausschusses, Sharon Bowles, bekräftigte ihre Kritik am Männer-Frauen-Verhältnis in der EZB: "Wir haben Einwände dagegen, dass die mächtigste Organisation der EU in den nächsten sechs Jahren nur von Männern geleitet wird." Der Ausschuss kann die Ernennung Merschs aber nicht blockieren, denn sein Votum hat nur empfehlenden Charakter.
Als nächstes muss das gesamte Parlament über die Nominierung des bisherigen Luxemburger Zentralbankchefs entscheiden. Am Dienstag wird EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy den Abgeordneten wohl einen Kompromiss vorschlagen. Demnach wird er um die Zustimmung der 754 Abgeordneten für den Kandidaten bitten und gleichzeitig in Aussicht stellen, dass die EZB künftig mehr Frauen für Führungspositionen berücksichtigen muss.
Wenn Van Rompuy eine "Erklärung mit der notwendigen Qualität abgibt, könnten wir am Donnerstag für ihre Ernennung stimmen", wandte sich der Abgeordnete Jean-Paul Gauzes am Montagabend an Mersch. Der hatte gesagt, dass die Geschlechterfrage eine demografische sei, weil vor 30 oder 40 Jahren nur sehr wenige Frauen Wirtschaftswissenschaften studiert hätten. "Unglücklicherweise kann das noch ein bisschen dauern. Man kann nicht alles auf einmal haben", erklärte der Vertraute von Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Mit der Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell war bisher lediglich eine Frau Mitglied des EZB-Dirketoriums.
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October 23, 2012 01:22 ET (05:22 GMT)
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