LONDON (Dow Jones)--Der Internationale Währungsfonds hat mit Diskussionen über einen Notfallplan für Spanien begonnen. Der IWF bereite sich auf den Ernstfall vor, wenn es Spanien nicht aus eigener Kraft gelingen sollte, die taumelnde Großbank Bankia zu retten, sagten mehrere informierte Personen übereinstimmend zu Dow Jones Newswires.
EU und IWF wollen unbedingt vermeiden, dass auch Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Erste Überlegungen für dieses Krisenszenario habe die Europaabteilung des IWF aber dennoch angestellt, sagte einer der Insider. "Ein genaueres Bild ergibt sich erst nach dem Stresstest zur spanischen Wirtschaft, mit dem der IWF am 4. Juni beginnt." "Einige sagen, dass so eine Rettungsaktion gedanklich nicht fassbar ist, aber es ist genauso wenig vorstellbar, dass Planungen deshalb unterbleiben", ergänzte die damit vertraute Person.
Offiziell dementierte der Fonds seine Überlegungen für eine Pleite des Euro-Schwergewichts. Der IWF entwerfe keine Pläne für eine Rettung Spaniens und sei von dem Land auch nicht darum ersucht worden, sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Auch der spanische Finanzminister versuchte, die Gerüchte zu zerstreuen. Die angeblichen IWF-Planungen seien Spekulationen ohne jede Grundlage, sagte Luis de Guindos. Er kündigte an, dass die Ergebnisse des Stresstests am 11. Juni vorliegen sollen.
Laut einem der IWF-Informanten sei es nichts Ungewöhnliches, dass regionale Abteilungen Überlegungen anstellten, die dann dem Direktorium präsentiert werden, wenn sie gebraucht würden.
Neuralgischer Punkt jeder möglichen Rettung Spaniens wäre die Lastenverteilung zwischen EU und dem IWF. Sie könnte teurer werden und mehr Geld verschlingen, als die Kredite für Griechenland, Irland und Portugal zusammen. "Werder der IWF noch die Eurozone könnten diese Rechnung zahlen, wenn gleichzeitig drei andere Rettungsaktionen laufen", sagte ein weiterer Kenner der Materie. Das genaue Volumen, wieviel Geld das Land tatsächlich brauchen würde, könne erst nach dem Stresstest beziffert werden. Einer der Insider geht von 300 Milliarden Euro aus, die es kosten würde, dass Land drei Jahre am Leben zu halten.
Spanien muss der Großsparkasse Bankia mit 19 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Der eigene, nationale Rettungsfonds verfügt aber nur noch über 9 Milliarden Euro. In der Bilanz des strauchelnden Instituts schlummern große Berge toxischer Immobiliendarlehen, die wegen sinkender Hauspreise und der Rekordarbeitslosigkeit nicht mehr bedient werden. Die Regierung hat angedeutet, Bankia mit eigenen Schuldscheinen oder Schuldscheinen des nationalen Bankenrettungsfonds auszustatten, damit die Bank gegen diese Pfänder Liquidität bei der Europäischen Zentralbank erhalten kann.
Wenn die Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy weitere Milliarden in die marode Bank stecken muss, drohen ihre Sparanstrengungen ins Leere zu laufen. Das wiederum würde den Druck an den Finanzmärkten erhöhen. Schon jetzt haben zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von deutlich über 6 Prozent erreicht, am Mittwoch waren die Zinsen sogar auf 6,66 Prozent geklettert. Das ist für die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nicht lange durchzuhalten. Der Druck auf Deutschland steigt, seinen Widerstand gegen die direkte Rettung von Banken durch den Rettungsfonds ESM fallen zu lassen.
-Von Costas Paris, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com (Ian Talley, Matina Stevis und Neelabh Chaturvedi haben zu diesem Artikel beigetragen.) DJG/DJN/chg/flf
(END) Dow Jones Newswires
May 31, 2012 15:21 ET (19:21 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.