Am Wochenende wählt die Linke eine neue Führung. Im Interview vor dem Parteitag erklärt der Politikwissenschaftler Tim Spier, warum die Partei derzeit so erfolglos ist und verrät, wer sie aus der Krise führen könnte.
Handelsblatt Online: Herr Spier, wer trägt Schuld am desaströsen Bild der Linken? Sind es die beiden Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst?Tim Spier: Ich bin mir nicht sicher, ob es an den Vorsitzenden lag. Die beiden waren kein besonders gutes Duo, aber das Problem der Linken ist eher strukturell. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie sich die SPD positioniert. Während der Hauptzeit der Agenda 2010, als es um Hartz IV ging, wurde fast täglich das Programm diskutiert. Die Partei leidet derzeit in erster Linie daran, dass sie medial keine Aufmerksamkeit bekommt und es nicht schafft, sich zu präsentieren. Das hätte kein Parteivorsitzender ändern können – außer vielleicht Oskar Lafontaine.
Ausgerechnet der hat sich jetzt aber aus dem Machtkampf verabschiedet. Wie sehr wird er der Linken fehlen?Oskar Lafontaine steht für den Erfolg bei Wahlen: Er spricht besonders große Gruppen in der Bevölkerung an, ist charismatisch, bekannt und greift immer auch SPD-Wähler ab. Für die letzte Bundestagswahl gibt es eine Studie, bei der die Bedeutung des Kandidaten für die Wahlentscheidung ausgewertet wurde. Normalerweise spielt der Kandidatenfaktor vor allem bei den großen Parteien eine übergeordnete Rolle. Es zeigte sich aber, dass bei keiner anderen Partei die Kandidatenfrage so wichtig für die Wahlentscheidung war wie bei der Linken.
Beim Parteitag am Wochenende sollen neue Vorsitzende gewählt werden. Wäre Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht eine geeignete Kandidatin?Frau Wagenknecht ...
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