Gepäck weg, der Mietwagen ist kaputt und beim Bergsteigen den Fuß gebrochen? Zig Policen sichern genau solche Fälle ab. Welche Versicherungen nötig und welche bloß Geldmacherei sind.
Pro Jahr fahren und fliegen rund 44 Millionen Deutsche ins Ausland. Jetzt läuft der Countdown, die Sommerreisezeit hat begonnen. Wer seine Ferien im Reisebüro bucht, bekommt auch gleich das ganze Paket an Versicherungen angeboten. Von Reiserücktritt- bis Auslandskrankenschutzpolice. Da Schätzungen zufolge ein Drittel der Urlauber in den Ferien medizinische Hilfe brauchen - wegen Magenverstimmungen bis hin zum schlimmen Unfall - sind entsprechende Versicherungen nicht nur etwas für Abenteurer. Auch die Verbraucherzentralen raten dringend zu speziellen Urlaubsabsicherungen. "Denn ohne die richtige Zusatzpolice müssen Urlauber im schlimmsten Fall einen Schaden aus eigener Tasche bezahlen", heißt es seitens der Verbraucherschützer. Und das kann richtig teuer werden.
Reisetrücktritts- und Reiseabbruchversicherung
Das Verbrauchermagazin Finanztest rät vor allem bei Reisen mit Kindern zu einer Rücktrittsversicherung. Werden die Kinder überraschend krank, müssen Eltern sonst schnell bis zu 80 Prozent des Reisepreises als Stornokosten bezahlen. War nicht die Ferienwohnung am Gardasee, sondern das fünf Sterne Luxushotel in der Karibik gebucht, ist das besonders ärgerlich. Auch Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagt: "Die Reiserücktrittsversicherung ist eine der sinnvollen Absicherungen - was man ja nicht von allen sagen kann." Sie rät besonders bei sehr kostspieligen Reisen zu dieser Absicherung.
Auch wenn der Urlaub sehr lange im Voraus geplant werde, sei eine solche Versicherung sinnvoll. Ende 2011 hat Finanztest 90 Tarife für Rücktrittsversicherungen geprüft. Zwar ist keiner der Anbieter komplett durchgefallen, Zurich und Generali haben jedoch nur die Note ausreichend bekommen und halten damit die rote Laterne. Testsieger in den Kategorien Absicherung für Alleinreisende und Familien waren die Hanse Merkur sowie die Würzburger. Bei beiden Versicherern waren auch Umbuchungen mit abgedeckt. Damit nicht nur der Rücktritt vom gebuchten Urlaub, sondern auch der vorzeitige Abbruch abgesichert sind, rät das Verbrauchermagazin Finanztest zu einem Vollschutztarif, der sowohl eine Reisetrücktritts- als auch eine Reiseabbruchversicherung beinhaltet.
Mehrkosten durch Erdbeben & Co.
Reisende, die im Frühjahr 2010 im Ausland unterwegs waren, haben am eigenen Leib erfahren müssen, wie viel Probleme es macht, wenn der Urlaub wegen höherer Gewalt nicht pünktlich beendet werden kann. Wegen des isländischen Vulkans Eyjafjalla lag der internationale Flugverkehr lahm, Tausende kamen nicht nach Hause. In einem solchen Fall stellt sich die Frage, wer dem Hotelier die Kosten für Übernachtung und Verpflegung zahlt. Beispielsweise der ADAC zahlt zwar das Hotelzimmer, Essen und Getränke sind allerdings Verhandlungssache. Die Würzburger Versicherung springt für Mehrkosten bis 3000 Euro ein, alles andere zahlt der Urlauber selbst.
Die Reiseabbruchversicherung der Europäischen Reiseversicherung (ERV), sowie die Vollschutztarife von Cosmos und Hanse Merkur decken dagegen sämtliche Kosten ab, die durch eine verspätete Rückreise wegen Naturkatastrophen entstehen.
Günstige Familientarife
Außerdem raten die Experten von Finanztest zu Familientarifen. "Drei oder mehr Personen kommen mit einem Familientarif günstiger weg, als wenn jede Person einen Einzelvertrag abschließt", heißt es. Bei einigen Versicherern gelten auch Ehepaare als Familie, bei vielen greifen die Tarife erst, wenn Kinder im Spiel sind. Beim Testsieger Hanse Merkur beispielsweise gilt die Familienprämie laut Informationsblatt "nicht für zwei Erwachsene ohne Kinder". Das bestätigt auch Wagner von der Verbraucherzentrale. "Es kommt immer ganz auf den Versicherer an", sagt sie.
Besonders lohnenswert sei ein Jahresvertrag. Bis zu sechs Wochen im Jahr sind damit alle Familienmitglieder abgesichert - auch, wenn sie alleine unterwegs sind. Die sechs Wochen können auch auf mehrere Reisen verteilt werden. Das gilt allerdings auch für Einzeltarife. Wer länger als sechs Wochen am Stück verreist, dem ist mit den üblichen Reiserücktrittsversicherungen aber nicht geholfen. "Bei langen Reisen muss man sich auf jeden Fall bei der Versicherung erkundigen, welche Absicherungen es gibt", sagt Wagner. Des Weiteren ist es ratsam, seine Rücktrittsversicherung darauf abzuklopfen, ob es auch die Gebühren zurück gibt, wenn Angehörigen in Deutschland etwas zustößt. Bei den Versicherern, die Finanztest mit sehr gut und gut bewertet hat, sind solche Fälle abgesichert. Bei vielen anderen Assekuranzen sind Unglücksfälle in der Heimat kein Grund, eine Urlaubsreise vorzeitig ...
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