Von Benjamin Krieger
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Nicht Fisch, nicht Fleisch war der Wochenauftakt an Europas Börsen. Einen Einbruch wie am Freitag konnten die Aktienmärkte zwar verhindern. Zu einer kräftigen Erholung auf breiter Front reichte es aber auch nicht. Zu bitter schmeckt nach wie vor der Nachrichten-Cocktail aus Konjunkturschwäche und Schuldenkrise, als dass Investoren auf dem niedrigeren Kursniveau schon wieder Appetit auf Aktien haben.
Der Euro-Stoxx-50 legte zwar um 0,5 Prozent auf 2.079 Punkte leicht zu. Der Blue-Chip-Index hat jedoch allein in den vergangenen drei Sitzungen mehr als 4 Prozent verloren. Der Stoxx-50 gab um 0,4 Prozent auf 2.214 Zähler nach. Auffällig war ein Süd-Nord-Gefälle an Europas Märkten. Die zuletzt stark unter Druck geratenen Börsen der hoch verschuldeten Südländer der Eurozone stabilisierten sich.
Die Kursgewinne reichten von 0,4 Prozent in Lissabon über 1,2 Prozent in Mailand bis zu 2,9 Prozent in Madrid. Dagegen ging es an den mittel- und nordeuropäischen Handelsplätzen erneut abwärts. "Da stecken erste Anleger mal den Fuß ins Wasser und sammeln ein paar Stücke aus den ausgebombten Indizes ein", begründete ein Händler die Kursgewinne der Börsen in der Peripherie der Eurozone.
An den Börsen mit einer noch immer positiven Performance seit Jahresbeginn hätten Anleger dagegen erneut Gewinne mitgenommen. So gab beispielsweise der DAX um 1,2 Prozent auf 5.978 Zähler nach und schloss erstmals seit dem 2. Januar unter 6.000 Punkten. In den vergangenen zwei Monaten hat der DAX, der mit einer hohen Gewichtung von Exportwerten mehr als andere europäischen Börsenbarometer an der weltweiten Konjunktur hängt, somit rund 1.000 Zähler verloren.
Konjunktur fällt den Börsen erneut in den Rücken
Schon vor Börsenbeginn gab es Gegenwind für die Aktienmärkte: In China fiel der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen im Mai von 56,1 Punkten auf 55,2 im April und damit auf den niedrigsten Stand seit März 2011. Das Dienstleistungsgewerbe trägt mittlerweile 43 Prozent zur chinesischen Wirtschaftsleistung bei. Das bedeutete Kursverluste, von denen sich die Börsen anschließend nicht mehr erholten. Zumal am Nachmittag schwache Auftragseingänge in den USA Öl ins Konjunkturfeuer schütteten.
Es passte ins Bild, dass die überdurchschnittlich von der weltweiten Konjunktur abhängigen Sektoren Federn lassen mussten. Der Automobilsektor verlor 2,2 Prozent, der Chemiesektor 1,5 Prozent und der Technologiesektor 1,3 Prozent. Banken waren dagegen ausnahmsweise einmal ein Kauf, sie verteuerten sich im Schnitt um 0,9 Prozent. Papiere großer spanischer, italienischer und französischer Geldhäuser verteuerten sich zwischen 3 und 6 Prozent.
"Da spielen einige Marktteilnehmer, dass Politik und EZB wieder einmal zur Rettung von Euro und Banken antreten werden", sagte ein Händler. Diese Spekulationen seien jedoch gewagt angesichts der großen Risiken, mit denen die Bilanzen der Banken behaftet seien. Zudem war mit der Londoner Börse der größte europäische Aktienmarkt wegen eines Feiertags geschlossen. Auch am Dienstag wird dort nicht gehandelt.
Schwer angezählter Euro macht etwas Boden gut
Während die Baisse der Aktienmärkte sich ausweitet, setzte der Euro zum Dollar die Erholung vom Freitag fort. Handelte die Gemeinschaftswährung in Asien noch unter 1,24 Dollar, so stieg sie anschließend kontinuierlich und schaffte vorübergehend den Sprung über 1,25 Dollar. Auch zum Yen und zum Pfund Sterling stabilisierte sich der Euro etwas.
Mitul Kotecha vom Crédit Agricole verwies zur Begründung dafür auf die immer höheren Wetten, die an den Finanzmärkten gegen den Euro laufen. US-Anleger setzten mittlerweile netto mit fast 32 Milliarden Dollar auf einen weiter fallenden Euro. Diese extrem schlechte Stimmung mache starke Erholungen der Gemeinschaftswährung wahrscheinlich. "Dafür bedarf es aber einiger wirklich positiver Nachrichten, die es bislang noch nicht gibt", sagte Kotecha.
Bundesanleihen als sicherer Hafen für Anleger schalteten nach einer dreitägigen Rally mit immer neuen Allzeithochs einen Gang zurück. Händler sprachen von einer Überhitzung und von Gewinnmitnahmen. Zudem rückt nun die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Mittwoch immer mehr in den Fokus. Zuletzt haben schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung etwas erhöht. Allerdings rechnet das Gros der Volkswirte und Finanzanalysten nach wie vor nicht mit einer Zinssenkung bereits im Juni.
=== Europäische Schlussbörsen vom Montag, 4. Juni . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2078,96 10,30 +0,5% -10,3 . Stoxx-50 2213,47 -8,11 -0,4% -6,6 . Stoxx-600 233,87 -1,22 -0,5% -4,4 Frankfurt XETRA-DAX 5978,23 -72,06 -1,2% 1,4 Paris CAC-40 2954,49 4,02 +0,1% -6,5 Amsterdam AEX 283,07 -0,70 -0,3% -9,4 Brüssel BEL-20 2049,25 -4,77 -0,2% -1,6 Budapest BUX 16494,83 110,90 +0,7% -2,8 Helsinki OMXH-25 1762,35 -23,62 -1,3% -9,3 Istanbul NAT30 66973,72 121,56 +0,2% 8,6 Kopenhagen OMXC-20 415,45 -4,21 -1,0% 6,5 Lissabon PSI 20 4453,01 18,97 +0,4% -18,6 Madrid IBEX-35 6065,00 174,50 +2,9% -27,2 Mailand FTSE-MIB 12891,96 151,98 +1,2% -14,6 Moskau RTS 1232,85 18,50 +1,5% -10,8 Oslo OBX 342,22 -4,77 -1,4% -4,3 Prag PX 863,90 4,70 +0,5% -5,2 Stockholm OMXS-30 946,12 -10,58 -1,1% -4,2 Warschau WIG-20 2077,76 6,22 +0,3% -3,1 Wien ATX 1857,23 -4,99 -0,3% -1,8 Zürich SMI 5713,34 -64,13 -1,1% -3,8 DEVISEN zuletzt '+/- % Mo, 8.40 Uhr Fr, 17.50 Uhr EUR/USD 1,2488 0,65% 1,2407 1,2398 EUR/JPY 97,7536 0,76% 97,0159 96,9246 EUR/CHF 1,2005 -0,05% 1,2012 1,2010 USD/JPY 78,2785 0,10% 78,2000 78,1785 GBP/USD 1,5376 0,06% 1,5367 1,5375 === DJG/bek/raz
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June 04, 2012 12:48 ET (16:48 GMT)
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