FRANKFURT (Dow Jones)-Bundesbankpräsident Jens Weidmann glaubt, dass die Deutschen bereit sind, im Rahmen einer politischen Union Macht an die EU abzugeben. In einem Fernsehinterview äußerte sich das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) allerdings skeptisch, dass auch andere Länder wie Frankreich hierzu ohne weiteres bereit wären. Weidmann sprach sich zudem erneut gegen eine umstandslose Einführung gemeinsamer Eurozone-Staatsanleihen aus.
Grundsätzlich machte Weidmann klar, dass er eine politische Einigung Europas begrüßen würde. "Die Bundesbank hat bereits 1990 gesagt, dass die Europäischen Währungsunion mit einer politische Union ergänzt werden muss", sagte er in einem ARD-Interview. Weidmann warnte aber davor, die Schwierigkeiten dieses Vorhabens zu unterschätzen. Dieser Weg werde umfangreiche Vertragsänderungen mit sich bringen und die bräuchten die Unterstützung der Bevölkerung, auch in Ländern wie Frankreich. "Um Deutschland mache ich mir da weniger Sorgen", sagte der Bundesbankpräsident.
Gemeinsam begebenen Staatsanleihen erteilte das EZB-Ratsmitglied erneut eine Absage. Sie könnten nur das Ende dieses Prozesses darstellen, wenn sicher gestellt sei, dass die Regeln auch "gelebt werden". "Haftung und Kontrolle müssen in einer richtigen Balance stehen und in der richtigen Reihenfolge kommen, damit man nicht stolpert", sagte er.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com
DJG/hab
(Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)
(END) Dow Jones Newswires
June 10, 2012 12:59 ET (16:59 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.