JP-Morgan-Chef Jamie Dimon musste vor dem US-Senat den Milliardenverlust erklären und hatte leichtes Spiel. Die Fragen waren zahm, die verfeindeten Abgeordneten neutralisierten sich. Nur einer traute sich etwas.
Es ist ungefähr eine Stunde vergangen, als plötzlich so etwas wie ein Rededuell entbrennt. Ob die neuen Finanzmarktgesetze die Banken sicherer gemacht haben, will der Senator oben auf dem Podium wissen. Jamie Dimon, der alleine am Zeugentisch sitzt, versucht die Frage zu umgehen. "Also es ist gut, dass die Banken mehr Kapital...", setzt er an, aber er kommt nicht weit. "Ich habe Sie gefragt, ob die Branche sicherer geworden ist!", schallt es zurück. Ein paar Mal geht das dann noch hin- und her, schließlich sagt Dimon leise: "Ich weiß es nicht".
Selbst für einen der mächtigsten Banker der Welt ist das hier heute kein einfacher Termin. Jamie Dimon, Chef der nach Vermögenswerten größten US-Bank JP Morgan, ist nach Washington gereist, um vor dem Bankenausschuss des US-Senats die jüngsten Milliardenverluste zu erklären. Grillen würden die Abgeordneten den Banker, hatten deren Mitarbeiter zuvor gestreut. Allein: Allzu heiß sollte es für Dimon im Laufe der zweistündigen Vernehmung nicht werden.Am Anfang wirkt er noch angespannt, als er den mit Holz und Marmor verzierten Tagungssaal durch den Seiteneingang betritt. Und noch bevor der Vorsitzende Tim Johnson die Sitzung eröffnet, wird auch klar, warum.
"Dieser Mann gehört ins Gefängnis!", brüllt plötzlich ein Demonstrant, der sich in den Saal geschmuggelt hatte. Dimon lässt es über sich ergehen, Sicherheitsleute eilen herbei, aber sie lassen den aufgebrachten Mann in Ruhe. Nur Minuten nach dem Zwischenfall gibt es abermals kurz Tumult, als fünf weitere Demonstranten von ihren Sitzen aufspringen und skandieren: "Stoppt Zwangsversteigerung jetzt!" und kritisieren damit den Umgang der US-Banken mit überschuldeten Hausbesitzern.
Der Rest sollte dann mehr oder weniger ein Spaziergang werden für den redegewandten und gut vorbereiteten Spitzenbanker. ...
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