Die kleinen Risse in den Tragflächen der Airbus-Großraumflugzeuge A380 sollen die Deutsche Lufthansa finanziell nicht belasten. Fallen bei der Reparatur oder beim Austausch der Flügel zusätzliche Kosten an, will Europas größte Airline diese dem Hersteller in Rechnung stellen.
Gegenwärtig gibt es nach Angaben eines Airline-Sprechers aber noch keine Entscheidung, wie und wann die Tragflächen repariert werden. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder erfolgt die Beseitigung der Schäden während routinemäßiger Überprüfungen oder die Maschinen kommen extra dafür in die Wartungshallen. Können diese Flieger dann nicht wie geplant eingesetzt werden, entstehen den Airlines möglicherweise hohe Verluste.
Da Lufthansa über die Reparatur noch nicht entschieden hat, macht sie derzeit keine Angaben über mögliche Zusatzkosten. "Es besteht kein Zeitdruck", sagte Sprecher Thomas Jachnow. Europas größte Airline betreibt gegenwärtig neun A380. Bereits am Freitag übernimmt sie die zehnte Maschine. Insgesamt hat Lufthansa 15 Großraumflieger geordert. Die nächsten Übergaben erfolgen 2014.
Von diesem Zeitpunkt an will Airbus nur noch Maschinen mit neuen und verbesserten Tragflächen ausliefern. Der Flugzeughersteller hat die Ursache für die Haarrisse gefunden und eine Lösung entwickelt. Sie besteht aus einer Kombination von verändertem Material und einer anderen Fertigung. Diese Lösung muss aber erst von der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA freigegeben werden. Airbus geht davon aus, dass die neuen Flügel Ende 2012 produziert und an die neuen Maschinen angebaut werden können.
Unterdessen bietet der Flugzeughersteller Zwischenlösungen an und repariert bereits im Einsatz befindliche Maschinen. Die Kosten dafür übernimmt das Unternehmen.
Ob Airbus Fluggesellschaften darüberhinaus Einbußen erstattet, die durch zusätzliche Bodenzeiten entstehen, sagte der Hersteller nicht. "Wir sind mit allen Kunden im Gespräch", hieß es nur aus Toulouse. Die Inhalte dieser Verhandlungen bezeichnete Sprecher Stefan Schaffrath als vertraulich. Mittlerweile setzen acht Airlines 77 A380 ein. Airbus will alle Maschinen zurück in die Werkstätten rufen.
Die Airbus-Mutter EADS rechnet wegen der Risse mit einem hohen Schaden. In der Bilanz 2011 tauchten bereits 105 Millionen Euro auf, im ersten Quartal 2012 weitere 158 Millionen Euro. Im laufenden Jahr könnten es der Prognose zufolge bis zu 260 Millionen Euro werden.
Trotz der Reparaturen, die pro Flugzeug bis zu acht Wochen dauern, aber auch in Etappen durchgeführt werden können, will Airbus im laufenden Jahr 30 neue Großraumflugzeuge an Kunden übergeben. Ein Drittel davon ist bereits erreicht. Im Vorjahr übergab der Konzern 29 Maschinen.
Neue Bestellungen hat Airbus für ihr Sorgenkind im laufenden Jahr noch nicht bekommen. Der Hersteller verhandelt aber nach Angaben seines Verkaufschefs John Leahy bereits über einige Aufträge. Möglicherweise werden diese während der internationalen Luftfahrtausstellung im britischen Farnborough im Juli verkündet.
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June 14, 2012 06:15 ET (10:15 GMT)
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