Von Maarten van Tartwijk und Archie van Riemsdijk
Der niederländische Versicherungskonzern Aegon glaubt nicht mehr an die Zukunft Spaniens und will sich teilweise aus dem Land zurückziehen. Die Wirtschaft des Landes könne noch jahrelang darniederliegen, deshalb werde Aegon das eigene Engagement dort verringern, sagte der Chef des Versicherers, Alex Wynaendts, in einem Interview mit Dow Jones Newswires.
Dazu will Aegon aus einigen Gemeinschaftsunternehmen in Spanien aussteigen. Auch das Investmentportfolio in dem Land werde Aegon verkleinern. Damit werde der Versicherer nicht mehr so stark bei Staatsanleihen des Landes engagiert sein.
Aegon zieht mit dem Teilrückzug die Konsequenzen aus den immer größeren Problemen des Landes. Zuletzt musste die Europäische Union eingestehen, dass der spanische Bankensektor mit bis zu 100 Milliarden Euro gestützt werden muss. Die Schulden Spaniens steigen damit weiter, und die Ausgabe neuer Staatsanleihen wird immer schwieriger. Zehnjährige Bonds hatten zuletzt über der Marke von 7 Prozent rentiert, und Werte über dieser Schwelle gelten vielen als nicht mehr finanzierbar.
Der Teilrückzug Aegons wird Spanien allerdings kaum treffen. Mit eigenen Aktivitäten ist der Versicherer in Spanien nicht sehr stark vertreten. Zum Ende des ersten Quartals waren die Niederländer aber immerhin mit 2,8 Milliarden Euro bei spanischen Staatsanleihen, Immobilienkrediten und Pfandbriefen engagiert.
Das bevorstehende Siechtum Spaniens ist für Wynaendts der Grund, warum Aegon hier weniger stark investiert sein wolle. Das Land werde es vielleicht schaffen, einen Zusammenbruch seiner Banken zu verhindern. Nicht gelingen werde es jedoch, ein langes Leiden der Wirtschaft in dem Land noch abzuwenden.
Spanien habe schon mit einigen Maßnahmen reagiert, weitere Schritte seien nun aber notwendig. Wynaendts erwartet dabei einen starken Schrumpfprozess bei den Löhnen, und dies werde die Konjunktur weiter belasten. In einem solchen Umfeld sei es das Beste für Aegon, weniger stark engagiert zu sein.
Damit sei Spanien nicht allein. Risiken bestünden auch für andere Länder mit großen Sparprogrammen. An der Börse würden zwar oftmals die Ankündigungen der Regierungen zu Haushaltskürzungen oder Steuererhöhungen begrüßt. Dabei vergäßen die Marktteilnehmer aber allzu oft, welche negativen Folgen für die Gesamtwirtschaft solche Maßnahmen haben können.
Aegon selbst sieht Wynaendts dabei als wenig gefährdet durch die Probleme der Eurozone. Der Versicherungskonzern erziele drei Viertel seines Vorsteuergewinns in anderen Währungen als dem Euro. Vor allem in den USA ist Aegon aktiv. Immun sei der Versicherer aber auch nicht. Die Probleme der Eurozone würden zu einem niedrigen Zinsniveau führen, und in eine solchen Umfeld könne die Versicherungsbranche nicht mehr so einfach Geld mit ihren Investments verdienen.
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June 19, 2012 12:31 ET (16:31 GMT)
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