Verstärkte Konjunktursorgen haben den
deutschen Aktienmarkt am Freitag weiter ins Minus gedrückt. Nachdem
der Dax seine Verluste zwischenzeitlich etwas eingedämmt
hatte, schloss er mit einem Abschlag von 1,26 Prozent auf 6.263,25
Punkte. Damit büßte der deutsche Leitindex auf Wochensicht einen
Großteil seiner Gewinne ein, nachdem er zwischenzeitlich auf über
6.400 Punkte geklettert war. Im Vergleich zur Vorwoche lag das Plus
bei nur etwas mehr als einem halben Prozent. Für den MDax ging es um 1,90 Prozent auf 10.175,72 Punkte bergab, und der TecDax
verlor 0,91 Prozent auf 741,09 Punkte.
Zum Wochenausklang sei die Stimmung an den Aktienmärkten
angesichts der eskalierenden europäischen Schuldenkrise und globaler
Konjunktursorgen angespannt gewesen, sagte Analyst Gregor Kuhn von
IG Markets. Nach zuletzt regelmäßig schwachen Zahlen aus den USA,
China und der Euro-Zone habe sich der deutsche
Ifo-Geschäftsklima-Index dieser Tendenz angeschlossen. Die Lage an
der südeuropäischen Euro-Peripherie bleibe zudem angespannt.
Fiskalpakt und Rettungsfonds ESM dürften vorläufig in den
Schwebezustand übergehen, da die erforderliche Ratifizierung durch
Deutschland nun vom Bundesverfassungsgericht unter die Lupe genommen
wird. Insgesamt sei diese keine allzu heitere Gemengelage vor dem
Wochenende.
DEUTSCHE BANK BESSER ALS MARKT: 'ABSTUFUNG ÜBERRASCHTE NICHT'
Bankaktien steckten einen Rundumschlag der Ratingagentur Moody's
recht ungerührt weg. In dem schwachen Marktumfeld verloren die
Papiere der Deutschen Bank , die zu den abgestraften
Instituten gehört, 0,90 Prozent, und Commerzbank sanken um
0,57 Prozent. Experten begründeten dies damit, dass die Abstufung
von 15 Großbanken durch die US-Ratingagentur nicht überraschend
gekommen sei. Am Nachmittag waren die beiden Papiere sogar in die
Gewinnzone vorgerückt. Händler begründeten das mit der Nachricht,
dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Mindestanforderungen an
sogenannte "Asset-Backed Securities" (ABS) - also
forderungsbesicherte festverzinsliche Wertpapiere - als Sicherheit
für Kredite gesenkt hat.
Die Aktien von Bayer sanken nach negativen
Nachrichten zum Medikament Xarelto um deutliche 2,45 Prozent. Die
US-Gesundheitsbehörde FDA fordertl vom Pharma- und Chemiekonzern
mehr Informationen für die erweiterte Zulassung des
Gerinnungshemmers zur Vorbeugung gegen Herzinfarkte. Am Dax-Ende
standen allerdings BASF , die nach einer deutlichen
Kurszielsenkung durch die Citigroup rund vier
Prozent verloren.
TELEKOM STREICHT STELLEN; UMSTUFUNG BEWEGT FRAPORT
Unter den wenigen Dax-Titeln, die gewannen, waren Deutschen
Telekom der Spitzenreiter. Sie rückten nach der
Ankündigung eines drastischen Stellenabbaus und vor allem einer
positiven Studie um 1,62 Prozent vor. Bis 2015 sollen 40 Prozent der
Arbeitsplätze in der Bonner Zentrale wegfallen, sagte ein Sprecher.
Zudem nahm die Schweizer Bank UBS die Aktie in ihre "Most Preferred
List" für den europäischen Telekomsektor auf.
Im MDax litten Lanxess gleich unter zwei Kurszielsenkungen: Die
Analysten der Citigroup und von JPMorgan rechnen
mittlerweile mit geringen Gewinnen. Die Papiere verloren daraufhin
4,86 Prozent. Zu den wenigen Gewinnern im Index mittelgroßer Werte
gehörten die Anteilsscheine des Flughafenbetreibers Fraport
. Nachdem die Frankfurter Investmentbank Equinet sie von
"Accumulate" auf "Buy" hochgestuft hatte, stiegen sie um 1,66
Prozent. Analyst Jochen Rothenbacher sah nach dem jüngsten
Kursrückgang eine gute Kaufgelegenheit.
Der EuroStoxx 50 sank um 0,57 Prozent auf 2.186x81
Punkte. Auch in Paris und London ging es an den Börsen nach unten.
In den USA hingegen stieg der Dow Jones Industrial bis zum
Zeitpunkt des europäischen Börsenschlusses um rund ein halbes
Prozent.
Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite
börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,23 Prozent (Vortag: 1,30
Prozent). Der Rentenindex Rex stieg um 0,47 Prozent auf 133,19
Punkte. Der Bund-Future verlor 0,46 Prozent auf 140,86 Punkte. Der
Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den
Referenzkurs auf 1,2539 (Donnerstag: 1,2670) Dollar fest. Der Dollar
kostete damit 0,7975 (0,7893) Euro./mis/stw
--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
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