Von Andreas Kissler
Die Konjunkturforscher des Essener RWI haben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr unter anderem wegen schwacher Exporte deutlich gesenkt. Sie erwarten für 2013 nur noch eine Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung von 0,3 Prozent nach einem Zuwachs von 0,7 Prozent im laufenden Jahr. Im September hatte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung für 2013 noch ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0 Prozent vorhergesagt.
Die Ökonomen begründeten ihre pessimistischere Erwartung in einer Pressemitteilung damit, dass die Investitionen der Unternehmen stärker als erwartet gesunken seien und sich erst später im kommenden Jahr erholen dürften. Zudem würden die Exporte aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche im Euroraum voraussichtlich nur verhalten zulegen. Die Arbeitslosenquote wird nach ihrer Prognose weiter steigen und im Jahresdurchschnitt 2013 um 0,2 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent zunehmen. Die Lage der öffentlichen Haushalte bleibe aber günstig, für das kommende Jahr zeichne sich ein Fehlbetrag von 0,5 Prozent in Relation zum nominalen BIP ab.
Die vorerst schwache Nachfrage und die dadurch sinkende Kapazitätsauslastung würden dämpfend auf die Inflation wirken. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird sich nach der Erwartung der Ökonomen im kommenden Jahr voraussichtlich auf 1,7 Prozent im Jahresdurchschnitt verringern nach 2,0 Prozent in diesem Jahr. Die Exporte dürften sich im Verlauf des kommenden Jahres mit einer voraussichtlich wieder kräftigeren Expansion der Weltwirtschaft beleben, aber noch unter dem langfristigen Trend bleiben. Für den Jahresdurchschnitt 2013 zeichne sich eine Zunahme um drei Prozent ab.
Zuvor am Dienstag hatte zudem das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) für nächstes Jahr ein Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent nach einem Plus von 0,8 Prozent in diesem Jahr vorhergesagt. "Wie erwartet, konnte sich die deutsche Wirtschaft nicht mehr der Eurokrise und der sich im Euroraum ausbreitenden Rezession entziehen," erklärten die Hamburger Ökonomen.
Ende voriger Woche hatte bereits die Deutsche Bundesbank ihre Wachstumserwartung für nächstes Jahr deutlich nach unten geschraubt. Deren Konjunkturforscher rechnen nun nur noch mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. "Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an", betonte die Bundesbank.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium war daraufhin betont worden, die Bundesregierung werde Mitte Januar ihre neue Projektion für 2013 vorstellen. Bislang erwartet sie offiziell 1,0 Prozent. "Aktuelle Projektionen für 2013, etwa der Bundesbank, reflektieren die schwächere Entwicklung im Winterhalbjahr, die wir erwartet haben und die sich jetzt auch in den tatsächlichen Fakten abzeichnet", hieß es aus dem Ministerium am Montag.
Das RWI betonte nun, Deutschland befinde sich "zur Jahreswende 2012/13 erwartungsgemäß in einer wirtschaftlichen Schwächephase". Im vierten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt merklich gesunken sein. Maßgeblich hierfür ist laut den Essener Ökonomen ein kräftiger Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen, in dem sich die im Lauf des Herbst deutlich verschlechterten Erwartungen der Unternehmen widergespiegelt hätten. Allerdings seien auch von den Exporten zuletzt keine Impulse mehr ausgegangen. "Insbesondere die Nachfrage des Euroraums nach deutschen Gütern schrumpft mittlerweile deutlich", konstatierte das Institut.
Wenig Dynamik zeigten derzeit auch die privaten Konsumausgaben. Dies alles habe dazu beigetragen, dass die Industrieproduktion zuletzt kräftig zurückgegangen sei. Gestützt werde die Konjunktur vor allem vom privaten Wohnungsbau, der weiterhin von den ungewöhnlich niedrigen Zinsen profitiere.
Allerdings erwarteten die Wirtschaftsforscher, "dass es sich bei dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2012 nur um eine vorübergehende Schwäche handelt". Darauf deute eine Reihe von Faktoren hin. So habe sich die Expansion in den USA und in China zuletzt wieder verstärkt, was den deutschen Export stützen dürfte. Zudem habe sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigt, so seien beispielsweise die Risikoaufschläge bei den Zinsen spanischer und italienischer Anleihen deutlich gesunken. Und die Aktienkurse, in der Vergangenheit häufig ein verlässlicher Frühindikator der Industrieproduktion, seien zuletzt auf ein neues Jahreshoch gestiegen.
Vor diesem Hintergrund prognostizierte das RWI, dass sich die Produktion in den ersten Monaten des kommenden Jahres wieder stabilisiert. Dazu trage auch bei, dass die internen Wachstumsbedingungen nach wie vor günstig seien.
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December 11, 2012 05:17 ET (10:17 GMT)
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