Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch
nach unerwartet guten US-Konjunkturdaten und Gerüchten über ein
chinesisches Konjunkturprogramm deutlich fester geschlossen. Der Dax
konnte am Nachmittag die 6.200-Punkte-Marke überwinden und
schloss mit 1,50 Prozent im Plus bei 6.228,99 Punkten. Dies
bedeutete gleichzeitig den Tageshöchststand. Der MDax stieg um 0,51 Prozent auf 10.014,34 Punkte. Der TecDax gewann 1,46 Prozent auf 729,40 Punkte.
Nach seinem kräftigen Minus zum Wochenauftakt wegen schwindender
Hoffnung vor dem EU-Gipfel war der Dax verhalten in den Tag
gestartet und bewegte sich seitwärts. Gerüchte über ein mögliches
Konjunkturprogramm Chinas hätten im späten Handel die Käufer wieder
auf den Plan gerufen, sagte Marktexperte Johannes Bollongino von IG
Markets. Positive Impulse lieferten auch die höher als erwartet
ausgefallenen, noch nicht vollständig abgeschlossenen
US-Hausverkäufe im Mai. Mit Spannung wird nun der am Donnerstag
beginnende EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs erwartet. Dabei
scheine sich der Markt eher auf eine weitere Enttäuschung
einzustellen, sagte Stratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital. Sollte
es doch zu Fortschritten kommen, könnten die Börsen einen Schub
bekommen.
Infineon NACH GEWINNWARNUNG WEITER ABWÄRTS
Einige Werte reagierten besonders stark auf Umstufungen: K+S
wurden von Merrill Lynch zum Kauf empfohlen und auf die
Empfehlungsliste "Europe 1" gesetzt. Die Aktien des Dünger- und
Salzherstellers sprangen um 6,90 Prozent an die Dax-Spitze. Eon
verteuerten sich nach einer Hochstufung durch die HSBC
um 4,25 Prozent. Bei Infineon reagierten
zahlreiche Analysten mit Abstufungen auf die gekürzte Gewinnprognose
vom Vortag. Die Papiere rutschten um weitere 2,35 Prozent ab,
nachdem sie am Dienstag bereits knapp zwölf Prozent verloren hatten.
Die Commerzbank -Aktien legten dagegen um 1,57 Prozent
zu. Die Großbank kündigte am Vorabend an, die Geschäftsfelder
Gewerbeimmobilien -Finanzierung und Schiffsfinanzierung zu
schließen. Zudem überprüft die seit der Finanzkrise
teilverstaatlichte Bank sämtliche Geschäftsbereiche. Die Ergebnisse
sollen im Herbst vorliegen. Ein Händler sagte: "Das dürfte die
Gewinne kurzfristig belasten. Auf den zweiten Blick werden die
Maßnahmen aber positiver aufgenommen, weil sie strategisch in die
richtige Richtung gehen."
ABSTURZ BEI RHÖN - ÜBERNAHME IN GEFAHR
Salzgitter rutschten im MDax um knapp fünf Prozent ab.
Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller erwartet im Stahlgeschäft
dieses Jahr nun einen Verlust, nachdem zuvor noch ein ausgeglichenes
Ergebnis in Aussicht gestellt worden war. In den übrigen Sparten
bleiben die bisherigen Ziele unverändert. Noch schlimmer erwischte
es die Aktien von Rhön-Klinikum . Kurz vor dem Abschluss
der Übernahme durch Fresenius gerät die Transaktion in Gefahr. Der
Rhön-Konkurrent Asklepios Kliniken erwarb 5,01 Prozent der Anteile
an dem Wettbewerber. Nach der Meldung knickten die Papiere des
Krankenhausbetreibers Rhön zeitweise um fast 20 Prozent ein, zuletzt
standen noch minus 12,3 Prozent zu Buche. Fresenius rutschten mit
minus 2,68 Prozent ans Dax-Ende.
Auch für die europäischen Börsen ging es am Nachmittag nach oben.
Der EuroStoxx 50 stieg um 1,77 Prozent auf 2.165,61
Punkte. Auch in Paris und London wurden Gewinne verbucht. In New
York zeigte sich der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss 0,66
Prozent höher.
Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite
börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,25 Prozent (Dienstag: 1,22
Prozent). Der Rentenindex Rex fiel um 0,08 Prozent auf 133,30
Punkte. Der Bund-Future sank um 0,29 Prozent auf 141,11 Punkte. Der
Kurs des Euro sank ebenfalls. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung
bei 1,2460 US-Dollar notiert. Seit Mitte vergangener Woche hat er
damit fast drei Cent verloren. Am Nachmittag hatte die Europäische
Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2478 (Dienstag: 1,2475)
Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8014 (0,8016)
Euro./edh/ck
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
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