FRANKFURT--Überraschend gute US-Konjunkturdaten und Positionsanpassungen vor dem EU-Gipfel zur Euro-Rettung haben die Kurse an den europäischen Börsen am Mittwoch nach oben getrieben. Der Euro-Stoxx-50 gewann 1,8 Prozent auf 2.166 Punkte, und der DAX legte um 1,5 Prozent auf 6.229 Punkte zu.
"Die Erwartungen an den Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs sind extrem niedrig", fasste ein Händler die Stimmung am Markt zusammen. Vor Beginn des EU-Gipfels haben sich die Positionen der einzelnen Staaten weiter verhärtet. Während Angela Merkel angeblich die Einführung von Euro-Bonds zu ihren Lebzeiten ausschließt, hat der italienische Premier Mario Monti mit seinem Rücktritt gedroht, sollte es bei dem Thema der gemeinschaftlichen Haftung für die Schulden in der Eurozone keine deutlichen Fortschritte geben. "Eine negative Überraschung scheint da nicht mehr möglich", so der Händler. Damit überwiegt nun das positive Überraschungspotenzial. Zur Abwechslung wurden deshalb im Vorfeld Positionen auf fallende Kurse geschlossen. Davon profitierten vor allem Bankaktien.
Der Branchenindex der Banken im Stoxx führte mit einem Aufschlag von 2,5 Prozent die Gewinner unter den Sektoren an, obwohl die Rendite spanischer Anleihen weiter stieg und sich wieder der Marke von 7 Prozent nähert. "Jeder weiß, dass es am Donnerstag nur um Schlagzeilen vom Gipfel geht", sagte ein Teilnehmer. Bei Bank-Aktien sei erfahrungsgemäß mit besonders hohen Aufschlägen zu rechnen. Da wollen Marktteilnehmer nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.
Besonders gefragt waren die Papiere von UniCredit und Intesa San Paolo mit Aufschlägen zwischen gut 3 und knapp 5 Prozent. Auch eine neue Anleihen-Auktion in Italien konnte die Stimmung nicht dämpfen: Italien konnte bei den sechsmonatigen Schatzwechseln zwar das geplante Volumen von 9 Milliarden Euro platzieren, die Rendite legte allerdings deutlich zu auf 2,971 von 2,136 Prozent bei der vorangegangenen Auktion.
Bank-, Bau- und Ölaktien auf Erholungskurs
Etwas gestützt wurde die Stimmung für die Banken auch von der Spekulation um eine weitere Zinssenkung in der Eurozone im kommenden Monat. Die Inflationsrate in Deutschland ist weiter gefallen auf liegt noch bei 1,7 Prozent. Das schürt die Erwartungen an eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte. Darunter litt allerdings der Euro, der weiter nachgab auf 1,2465 US-Dollar. Der Dollar profitierte zusätzlich von günstigen Daten zu den Auftragseingängen in den USA und zum US-Immobilienmarkt.
Die ausstehenden Hausverkäufe sind im Mai um 5,9 Prozent gestiegen, erwartet worden war ein Plus von 2,3 Prozent. "Die Hausbau-Aktien dürften ihre Führungsposition halten", so ein Marktteilnehmer. Der entsprechende Sektoren-Index der US-Hausbau-Aktien liegt seit Jahresbeginn mit über 20 Prozent im Plus. Von dem Rückenwind profitierten auch europäische Bauaktien mit einem Plus von 2,0 Prozent. Dafür gibt es auch hausgemachte Gründe: Auf dem EU-Gipfel wird auch ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm diskutiert. Solche Programme fließen traditionell kaum in nachhaltige Zukunftsinvestitionen, sondern häufig in Bauprojekte.
Ihre Talfahrt zumindest erst einmal beendet haben auch die Öl-Titel, die sich der Erholung des Ölpreises anschlossen. Nach der Nordseesorte Brent am Dienstag erhöhte sich am Mittwoch auch der Preis für die Sorte WTI. Zudem sind die Öllagerbestände in den USA nun wieder etwas zurückgegangen.
Gewinnwarnungen gut weggesteckt
Vergleichsweise gut weggesteckt haben die Märkte dagegen mehrere Gewinnwarnungen der vergangenen Tage. Die sich eintrübende Weltwirtschaft kommt zunehmend bei den Unternehmen an. Die deutschen Unternehmen Infineon, Siemens, Salzgitter sowie das Spezialchemie-Unternehmen Yule-Catto haben sich vorsichtig geäußert. "Die Gewinnwarnungen hat der Markt schnell eingearbeitet", sagte ein Marktteilnehmer. Sie belasteten zwar Einzelwerte, aber nicht den Gesamtmarkt. "Mit einem KGV von weniger als zehn hat der Markt einen Puffer gegen Gewinnwarnungen aufgebaut", ergänzte er.
Am Donnerstag könnten nun Daimler vor einer Gewinnwarnung stehen. "Die Prognosen des Konzerns sind zumindest gefährdet", so Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler mit Blick auf den Capital Market Day des Unternehmens. Pieper hat das Kursziel auf 30 Euro von 34 Euro gesenkt und seine Verkaufsempfehlung bekräftigt. Grund für seine Vorsicht ist das schwache Lkw-Geschäft. Der Kurs vom Daimler schloss trotzdem deutlich im Plus.
Im DAX stiegen die Titel von K+S um 6,9 Prozent. Merrill Lynch hat die Meinung zu dem Papiere um 180 Grad gedreht und empfiehlt die Aktien jetzt als "Buy" nach "Underperform" bisher.
In der zweiten Reihe des deutschen Marktes brach die Aktie von Rhön-Klinikum um 12,3 Prozent ein. Die Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius droht zu scheitern. Denn die Bedingung, nach der die Übernahme das Andienen von 90 Prozent plus einer Aktie voraussetzt, kann mit dem Kauf von 5,01 Prozent der Aktien durch Asklepios laut Händlern möglicherweise nicht mehr eingehalten werden.
Europäische Schlussindizes vom Mittwoch, den 27. Juni:
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2165,61 37,66 +1,8% -6,5
Stoxx-50 2347,38 30,43 +1,3% -0,9
Stoxx-600 245,87 3,28 +1,4% 0,5
Frankfurt XETRA-DAX 6228,99 92,30 +1,5% 5,6
London FTSE-100 5523,92 76,96 +1,4% -0,8
Paris CAC-40 3063,12 50,41 +1,7% -3,1
Amsterdam AEX 298,07 4,02 +1,4% -4,6
Athen ATHEX-20 213,37 1,73 +0,8% -19,5
Brüssel BEL-20 2139,61 33,37 +1,6% 2,7
Budapest BUX 16990,96 89,65 +0,5% 0,1
Helsinki OMXH-25 1818,77 32,16 +1,8% -6,3
Istanbul NAT30 74426,00 1394,97 +1,9% 20,6
Kopenhagen OMXC-20 433,63 4,95 +1,2% 11,2
Lissabon PSI 20 4556,36 72,60 +1,6% -15,8
Madrid IBEX-35 6528,40 138,50 +2,1% -22,2
Mailand FTSE-MIB 13302,77 334,59 +2,6% -11,8
Moskau RTS 1302,96 22,98 +1,8% -5,7
Oslo OBX 361,48 9,29 +2,6% 1,1
Prag PX 886,30 2,20 +0,2% -2,7
Stockholm OMXS-30 991,97 10,33 +1,1% 0,4
Warschau WIG-20 2276,19 23,96 +1,1% 6,1
Wien ATX 1883,01 27,56 +1,5% -0,5
Zürich SMI 5996,53 38,81 +0,7% 1,0
DEVISEN zuletzt '+/- % Mi, 8.30 Uhr Di, 18.18 Uhr
EUR/USD 1,2466 -0,19% 1,2490 1,2494
EUR/JPY 99,4905 0,11% 99,3825 99,2751
EUR/CHF 1,2011 0,00% 1,2011 1,2011
USD/JPY 79,8285 0,34% 79,5615 79,4675
GBP/USD 1,5556 -0,47% 1,5630 1,5627
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June 27, 2012 12:14 ET (16:14 GMT)
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