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MÄRKTE EUROPA/Rally nach unverhofften Gipfel-Beschlüssen

Von Michael Fuchs 

FRANKFURT--Die überraschenden Beschlüsse des EU-Gipfels in Brüssel haben an den europäischen Börsen zu starken Gewinnen geführt. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 5 Prozent auf 2.265 Punkte, der DAX gewann 4,3 Prozent auf 6.416 Punkte. Auch der Euro machte einen Satz nach oben.

Das entscheidende Ergebnis war, dass die Banken der Eurozone nun direkten Zugriff auf die Mittel des Rettungsschirms ESM bekommen sollen, sobald eine einheitliche Aufsicht installiert ist. Außerdem sollen die Ansprüche des ESM nicht vorrangig vor denen anderer Gläubiger behandelt werden. "Die Senioritätsfrage hat die Anleger sehr beschäftigt", sagte Marktstratege Hamish Pepper von Barclays.

Dass Spanien und Italien die eigentlichen Gewinner des Gipfels sind, zeigte sich an deren Indizes, die um 5,7 bzw 6 Prozent empor schossen. Beide Länder drohten unter der zuletzt stetig gestiegenen Zinslast zusammenzubrechen und hatten deswegen auf dem Gipfel ihre Zustimmung zum bereits vereinbarten 120 Milliarden Euro schweren Wachstumspaket von Sofortmaßnahmen abhängig gemacht.

An den Anleihemärkten sorgten die Nachrichten für Entspannung. Nachdem die Renditen für spanische Benchmarkanleihen am Vortag zwischenzeitlich in den kritischen Bereich von 7 Prozent gestiegen waren, liegen sie nun wieder deutlich darunter. Bei Zinsniveaus um die 7 Prozent, die als dauerhaft nicht finanzierbar gelten, waren Irland und Portugal unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft. Deutsche Anleihen, die von der Krise in den Südstaaten profitiert hatten, gaben dagegen deutlich nach.

Es waren allerdings auch skeptische Stimmen zu den Beschlüssen zu hören. "Die direkte Banken-Rekapitalisierung kann zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen", merkte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann an. In Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, könnten die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden. Dieser erhalte dann Kapital vom Rettungsschirm ESM - womöglich ohne Auflagen.

Der Euro erholte sich merklich auf 1,2670 Dollar. Gute US-Konjunkturdaten gingen in der Euphorie der Gipfelbeschlüsse unter und halfen der US-Währung wenig. Der Verband der Einkaufsmanager in Chicago hatte für Juni überraschend einen Anstieg der Geschäftstätigkeit gemeldet. Am Gesamtbild für die US-Wirtschaft ändert sich dadurch freilich wenig. "Per saldo bleibt die Indikation für den ISM-Index schwach. Die Mehrheit der regionalen Industrieumfragen gab nach", sagte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. Die wichtigen ISM-Einkaufsmanagerindizes für die USA werden in der kommenden Woche veröffentlicht. Die Entspannung an den Märkten belastete den Yen, der traditionell als sicherer Hafen gesehen wird. Zum Euro verlor er im Tagesverlauf rund zwei Prozent.

Bankaktien Profiteure der Gipfel-Beschlüsse

Bankaktien waren einer der großen Gewinner. Der Bankensektor stieg um 4,1 Prozent. Italienische und spanische Bankaktien stachen dabei heraus. Die Titel von BBVA zogen um neun Prozent an, die von Intesa sogar um 11,6 Prozent. Nur die Aktie von Barclays verbuchte erneut Abgaben und gab um 1,7 Prozent nach. Sie litt weiterhin unter einem Zinsmanipulationsskandal. Barclays muss deshalb 363 Millionen Euro Strafe zahlen.

Auch konjunktursensible Werte waren gefragt. Sie waren in den vergangenen Tagen wegen der wachsenden Unsicherheiten, die ein Folge der Schuldenkrise sind, unter Druck geraten. Automobilaktien stiegen im Schnitt um 4,8 Prozent, während Chemiewerte um 4,4 Prozent anzogen.

adidas leiden unter schwachen Vorgaben von Nike

Die Aktien von adidas kamen dagegen nicht vom Fleck. Belastet wurden sie von enttäuschenden Geschäftsergebnissen des großen Konkurrenten Nike. Analysten gaben aber Entwarnung. Mark Josefson von Silvia Quandt Research sieht sogar Einstiegschancen. "adidas gewinnt Marktanteile von Nike", sagte der Analyst.

GEA profitierten von einer Investorenveranstaltung. "Das Management unternimmt die richtigen Schritte für eine bessere Profitabilität", stellten die Analysten von Hauck und Aufhäuser fest. Positiv sei auch, dass der Auftragseingang nach einer Schwäche im April im Mai wieder angezogen habe.

Die Aktie von Rhön-Klinikum stieg nach anfänglichen Verlusten um 8,1 Prozent auf 18,88 Euro. "Auffallend ist das schon, denn eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Übernahme klappt", meinte ein Händler. Die Übernahme durch Fresenius, die den Besitz von 90 Prozent plus einer Aktie voraussetzt, ist mit dem Kauf von 5,01 Prozent der Aktien an Rhön durch Asklepios schwieriger geworden. Am Abend wird voraussichtlich bekannt gegeben, wie viele Aktien Fresenius angedient worden sind.

Europäische Schlussindizes am Freitag, den 29. Juni: 
 
             Index          Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
                               stand      absolut         in %          seit 
                                                                Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50   2264,72       107,10        +5,0%          -2,2 
             Stoxx-50        2380,99        47,57        +2,0%           0,5 
             Stoxx-600        251,17         6,50        +2,7%           2,7 
Frankfurt    XETRA-DAX       6416,28       266,37        +4,3%           8,8 
London       FTSE-100        5571,15        78,09        +1,4%           0,1 
Paris        CAC-40          3196,65       144,97        +4,8%           1,2 
Amsterdam    AEX              307,31        10,09        +3,4%          -1,7 
Athen        ATHEX-20         227,14        15,65        +7,4%         -14,3 
Brüssel      BEL-20          2227,63        81,58        +3,8%           6,9 
Budapest     BUX            17341,07       557,81        +3,3%           2,2 
Helsinki     OMXH-25         1871,67        67,82        +3,8%          -3,6 
Istanbul     NAT30          74426,00      1394,97        +1,9%          20,6 
Kopenhagen   OMXC-20          446,04        11,72        +2,7%          14,4 
Lissabon     PSI 20          4582,94       115,02        +2,5%         -14,5 
Madrid       IBEX-35         6721,70       380,50        +5,7%         -17,1 
Mailand      FTSE-MIB       14274,37       883,07        +6,6%          -5,4 
Moskau       RTS             1326,92        43,77        +3,4%          -4,0 
Oslo         OBX              375,55        12,69        +3,5%           5,0 
Prag         PX               900,90        20,30        +2,3%          -1,1 
Stockholm    OMXS-30         1019,06        39,53        +4,0%           3,2 
Warschau     WIG-20          2275,30        37,12        +1,7%           6,1 
Wien         ATX             1975,35        90,25        +4,8%           4,4 
Zürich       SMI             6066,86        80,01        +1,3%           2,2 
 
 
DEVISEN   zuletzt  '+/- %  Fr,  8.55 Uhr  Do, 17.46 Uhr 
EUR/USD    1,2661   0,61%         1,2584         1,2436 
EUR/JPY  101,0399   0,90%       100,1412        98,6477 
EUR/CHF    1,2014  -0,01%         1,2015         1,2012 
USD/JPY   79,7830   0,27%        79,5655        79,3305 
GBP/USD    1,5686   0,30%         1,5639         1,5507 
 

Kontakt zum Autor: michael.fuchs@dowjones.com

DJG/mif/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

June 29, 2012 12:13 ET (16:13 GMT)

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© 2012 Dow Jones News
Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Während Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte von einem Hoch zum nächsten jagen, wurden viele Software-Aktien in den vergangenen Monaten regelrecht aus den Depots gedrängt. Die Angst vor Disruption hat Investoren zu einem radikalen Strategiewechsel veranlasst – mit der Folge, dass zahlreiche Qualitätsunternehmen heute auf Mehrjahrestiefs notieren.

Doch genau hier entsteht eine seltene Chance. Denn während die Bewertungen im Halbleitersektor inzwischen auf ambitionierten Niveaus liegen, ist der Bewertungsabschlag bei Software-Titeln so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig liefern viele Unternehmen weiterhin starke Wachstumszahlen und integrieren KI erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle. Die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und operativer Stärke könnte sich schon bald auflösen.

Für Anleger bedeutet das: antizyklisch denken und gezielt zugreifen, bevor der Markt dreht. Denn erste technische Signale deuten darauf hin, dass sich die Trendwende bereits anbahnt.

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