Von Herbert Rude
Die Kurse an den Aktienbörsen steigen mit der neuen Politik der Europäischen Zentralbank EZB auf die höchsten Stände seit Anfang April. Der DAX gewinnt 2,5 Prozent auf 7.140 Punkte und steht nur noch 55 Punkte unter seinem Jahreshoch. Die Indizes in Mailand und in Madrid legen noch stärker zu.
"Draghi hat geliefert", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Die EZB wende sich mit den geplanten Käufen am Anleihenmarkt nun dem Kern der Euro-Krise zu.
"Investoren im Euro-Raum haben nun wieder mehr Sicherheit", so ein Händler. Die Rendite der spanischen Langläufer fällt an die Marke von 6 Prozent zurück. Positiv sehen Marktteilnehmer vor allem drei Punkte. Zum einen ist das neue Programm zeitlich unbefristet. Zum zweiten erfordert es keine Sicherheiten in Form von Noten für die Kreditwürdigkeit. Und drittens hat EZB-Chef Mario Draghi angedeutet, er bevorzuge Käufe von Anleihen mit drei Jahren Laufzeit, also die Obergrenze im geplanten Programm.
Zugleich habe Angela Merkel klar gemacht, dass sie Ruhe an den Märkten wolle. Damit bekenne sie sich indirekt zur Politik der EZB.
Allerdings gibt es auch andere Stimmen: "Anleihenkäufe der EZB sind der falsche Weg", meint der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der damit allerdings zumindest in der Bankenlandschaft auch in Deutschland ziemlich allein steht.
Der Euro gibt leicht nach auf 1,2575 US-Dollar. Der Dollar profitiert von einem unerwartet starken Arbeitsmarktbericht: Die Privatwirtschaft in den USA hat im August 201.000 neue Stellen geschaffen, ein Drittel mehr als erwartet. "Aus dem Bericht lässt sich zwar noch nicht auf den großen Arbeitsmarktbericht am Freitag schließen", meint Heino Ruland von Ruland Research. Die US-Notenbank könne nun aber ihr Pulver erst einmal trocken halten.
Markt erleichtert über China-Zahlen von BMW
An der Spitze der Gewinner liegen Bankaktien. "Sie profitieren am stärksten von der neuen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank", so ein Händler. Credit Agricole gewinnen 5,9 Prozent, Unicredit 5,5 Prozent, BNP 4,3 und Deutsche Bank 4,2 Prozent. Der Banken-Index in Europa steigt um 3,1 Prozent. Auch Versicherungen wie Generali ziehen kräftig an.
Im DAX steigen BMW um 3,1 Prozent auf 56,75 Euro. Das China-Geschäft läuft trotz der Konjunktursorgen in dem Land weiter gut, im August hat der Absatz das Niveau des gleichen Vorjahresmonats um mehr als ein Drittel übertroffen. Dagegen fallen die Aktien der Deutschen Börse gegen den festen Gesamtmarkt um 0,9 Prozent auf 40,51 Euro zurück. Die Börsen-Zeitung schreibt angesichts der niedrigen Handelsumsätze, dass die Börse "ihre verkappte Gewinnwarnung vom Juli in absehbarer Zeit umsetzen, das heißt ihre Ergebnisprognosen tatsächlich senken muss".
In Europa steht auch der finnische Handyhersteller Nokia im Blick. Sowohl die Deutsche Bank als auch die Société Générale haben die Aktie am Morgen auf "Verkaufen" gesenkt. Die neuen auf Windows 8 basierenden Smartphones sind nach Einschätzung der Deutschen Bank nicht der nötige Wendepunkt. Nokia werde es mit den neuen Geräten schwer fallen, Marktanteile hinzuzugewinnen. Die Aktie verliert nach den kräftigen Kursverlusten am Vortag weitere 4,5 Prozent auf 1,90 Euro. In der Schweiz legt die Aktie der ABB um gut 4 Prozent zu, nachdem die Analysten die Aktie auf "Buy" nach "Neutral" hochgenommen hatten.
DJG/hru/raz
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September 06, 2012 10:06 ET (14:06 GMT)
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