12. Juli 2012. Bankenwerte sind wegen Libor-Skandal unbeliebt, Walt Disney verdient in Krisenzeiten sehr gut, Gemalto profitiert von neuer Zertifizierung.
Die Enttäuschung an den Aktienmärkten über ausgebliebene Hinweise der US-Notenbank auf ein weiteres Anleihekaufprogramm spiegelt sich laut Market Maker auch im Handel mit Auslandsaktien. An den Finanzmärkten habe man darauf gesetzt, dass die Fed deutliche Hinweise auf eine weitere Runde geldpolitischer Impulse gebe. Zudem hat die Bank of Japan nur kosmetische Änderungen an ihrer Geldpolitik vorgenommen und damit Markthoffnungen auf ein beherzteres Vorgehen enttäuscht. "Die Stimmung ist gedämpft und wir sehen Abschläge in Europa, als auch bei den US-Futures", kommentiert Michael Arras von Close Brothers Seydler.
Auch nach Einschätzung von Jan Vrbsky, Spezialist der Baader Bank sind die Märkte weiter hauptsächlich politikgetrieben. Die Anleger seien nervös. "Unternehmensnachrichten bleiben weiterhin eher im Hintergrund, nichts desto trotz hat in den USA die Berichtssaison begonnen - und das nicht gerade berauschend", fügt der Händler hinzu. So habe etwa Alcoa-Chef Kleinfeld wegen der konjunkturellen Schwäche einen schleppenden Auftragseingang vermeldet. Die Konjunkturerwartungen seien dementsprechend eingetrübt.
Bankaktien werden gemieden
Vor Finanztiteln dominieren am heutigen Donnerstag rund um den Globus die roten Vorzeichen. Aber nicht nur wegen den jüngsten Notenbankentscheidungen, sondern auch vor dem Hintergrund des Skandals um die Libor-Manipulation stünden Banken derzeit im Fokus und würden von Anlegern gemieden, ergänzt Arras. "Die New Yorker Fed wird am Freitag Dokumente zum Libor-Skandal veröffentlichen, die gleich eine ganze Reihe internationaler Großbanken wegen Manipulationen des Zinssatzes belasten dürften." Nachdem die britische Barclays im Rahmen eines Vergleichs bereits mit rund einer halben Milliarde US-Dollar abgestraft worden sei, müsse bei vielen anderen Instituten mir Rückstellungen im Milliardenbereich gerechnet werden. "Sammelklagen in den USA könnten zu extrem hohen Schadensersatzklagen führen", warnt der Market Maker.
Der täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen.
Walt Disney profitiert von Zukauf und Konjunkturschwäche
Deutliches Aufwärtspotenzial sieht Arras indes bei der Aktie des US-Medienkonzerns Walt Disney (WKN 855686). Der Filmeproduzent habe die Übernahme des Spiderman-Verlags Marvel sehr gut ins eigene Portfolio integrieren können und gleichzeitig Zugriff auf über 5.000 Comicfiguren von Marvel erhalten. Der Streifen "Marvel's - The Avengers" entwickelt sich zu einem überraschend erfolgreichen Blockbuster. Inzwischen hat der Film weltweit rund 1,5 Milliarden Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Film hinter Avatar und Titanic.
Mit Blick auf die einzelnen Segmente, brummte es bei Disney vor allem bei den Freizeitparks und Ferienclubs. Hier sind die Umsätze seit Jahresbeginn um gut 10 Prozent gestiegen.
Aber auch die Medien- und Fernsehsparte läuft gut. Der Bereich um die Kabelsender ESPN-Sport, ABC sowie den Disney-Familienprogrammen bildet dank satter Werbeeinnahmen die größte Säule im Disney-Imperium. "Disney profitiert in den Freizeit- und Fernsehsparten auch von der schwächelnden Konjunktur: Viele Leute geben derzeit kein Geld für teure Urlaube aus, sondern mach Kurzausflüge in Ferienparks oder setzen sich daheim vor den Fernseher anstatt ins Kino zu gehen", vermutet Arras. Zwar notiert Walt Disney mit 47,30 US-Dollar aktuell auf dem höchsten Stand, den die Aktie überhaupt jemals erreicht hat, nach Einschätzung von Arras besteht angesichts der guten Geschäftslage aber dennoch weiteres Kurspotenzial.
Zertifizierung durch Kreditkartenanbieter stützt Gemalto
Im Aufwind befindet sich nach Ansicht von Vrbsky zudem das Papier der niederländischen Gemalto (WKN A0CA8L). Der weltweit führende Anbieter von digitalen Sicherheitsdiensten hat für sein Rechenzentrum in Singapur eine MasterCard- und Visa-Zertifizierung erhalten. Damit können Gemalto-Kunden ihren Endnutzern mobile MasterCard- und Visa-Zahlungslösungen unter sicheren Bedingungen bereitstellen. "Das bestätigt letztlich, dass Gemalto dazu in der Lage ist, die angebotenen Dienstleistungen sicher durchzuführen", erklärt Vrbsky. Bereits in den vergangenen Wochen sei die Aktie sehr stark gewesen, zumal der Markt bereits im Vorfeld über die Zertifizierung spekuliert habe. Das Papier hat sich in den vergangenen sechs Wochen um gut 10 Euro auf jetzt 60 Euro verteuert.
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© 12. Juli 2012/Karoline Kopp
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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