München/ Berlin (BoerseGo.de) - Mit deutlichen Worten hat mitten in der Euro-Krise ein Spitzenvertreter der Deutschen Wirtschaft vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion gewarnt. BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer sagte dem "Handelsblatt" vom Donnerstag, ein Zerfall der Euro-Zone hätte verheerende wirtschaftliche Folgen für Deutschland. "Bei einer Rückkehr zur D-Mark hätte das Land mit einer massiven Aufwertung zu kämpfen, die das deutsche Exportwunder weitgehend zunichte machen würde", befürchtet Reithofer.
Der Appell hat plausible Gründe: Bei einem Zerfall der Euro-Zone dürfte die Konjunktur und damit auch das Geschäft des Autobauers massiv einbrechen. Laut Reithofer müssen nun alle Länder der Euro-Zone mehr Verantwortung übernehmen, um möglichst schnell eine dauerhafte Lösung zu erreichen. Wesentliche Punkte seien dabei Haushaltsdisziplin und Strukturreformen. "Die Europäische Union kann nicht nur von Deutschland getragen werden".
Ähnlich äußerte sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Dieser sagte dem "Handelsblatt", ein Scheitern des Euro-Krisenmanagements hätte dramatische Folgen. Es drohe dann nicht mehr nur eine Konjunkturkrise wie vor drei Jahren, sondern eine echte Strukturkrise mit schlimmeren Folgen als nach der Lehman-Pleite 2008. So weit dürfe es auf keinen Fall kommen. "Das könnte eine Situation sein, in der auch die Feuerwehr nicht mehr zuverlässig funktioniert. Vor allem weil die Feuerwehr, sprich: die Politik, mit ihren Kräften am Ende wäre", so Hundt im Interview.
Der Arbeitgeberchef spürt schon jetzt eine wachsende Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft, die Krise in Südeuropa schlage bereits auf die reale Entwicklung durch. Die Unternehmen stellten Investitionen zurück und zögerten beim Beschäftigungsaufbau, so Hundt. Es müsse nun alles getan werden, damit das konjunkturelle Klima durch die Staatsschuldenkrise nicht in starkes Gewitter und Hagel umschlägt, so Hundt.