--Bernanke zeichnet düsteres Konjunkturbild
--Fed-Vorsitzender hält sich bedeckt zu weiterer Lockerung
--Finanzmärkte reagieren enttäuscht
(NEU: Weitere Aussagen Bernankes, Hintergrund)
Von Andreas Plecko und Kristina Peterson
Die Federal Reserve ist weiter bereit, die US-Wirtschaft vor einem Abschwung zu bewahren und dafür schweres Geschütz aufzufahren. Doch derzeit steht die Notenbank noch Gewehr bei Fuß und hält ihr Pulver trocken. "Die Werkzeuge für eine Lockerung der Geldpolitik sollten nicht leichtfertig eingesetzt werden", bremste Fed-Vorsitzender Ben Bernanke bei einer Anhörung vor dem US-Senat die Hoffnungen von Anlegern auf weitere geldpolitische Impulse.
Bernanke zeichnete vor dem Bankenausschuss ein düsteres Bild der größten Volkswirtschaft der Welt. Das Wirtschaftswachstum habe sich abgeschwächt, die Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt seien "frustrierend langsam" und das Vertrauen der Verbraucher bleibe relativ niedrig. Obwohl Bernanke einen eher negativen Ton anschlug, machte er keinerlei Andeutungen, ob die US-Zentralbank eine dritte Runde der quanitativen Lockerung einläuten und die Notenpresse wieder anwerfen wird.
"Die US-Wirtschaft erholt sich weiter, doch die Dynamik hat sich in der ersten Jahreshälfte etwas abgeschwächt", sagte Bernanke am ersten Tag der zweitägigen Anhörung vor dem Kongress. Die jüngsten Konjunkturdaten deuteten darauf, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal nur um etwa 2 Prozent gewachsen sei und dass im zweiten Quartal eine noch geringere Zuwachsrate zu erwarten sei, ergänzte Bernanke. Am Mittwoch wird Bernanke vor den Abgeordneten des Repräsentantenhauses sprechen.
Die zwei größten Gefahren für die US-Wirtschaft seien die Krise in Europa und die "fiskalische Klippe", auf die die USA zusteuerten, warnte Bernanke. Wenn sich die US-Politiker nicht über steuerliche Reformen einigen, werden Anfang des Jahres automatische Steueranhebungen und Ausgabenkürzungen in Kraft treten, die kombiniert rund fünf Prozent des BIP ausmachen. Bernanke forderte die US-Politiker auf, in dieser Frage eher früher als später zu handeln.
Im Juni hatten die US-Währungshüter ihre Operation "Twist" zur Senkung langfristiger Zinsen bis zum Jahresende verlängert und erklärt, dass sie zu weiteren Maßnahmen bereit seien, sollten es die Umstände erfordern. An den Finanzmärkten hoffen viele Anleger angesichts der prekären Lage der Volkswirtschaften in praktisch allen Teilen der Welt auf weitere geldpolitische Impulse der Federal Reserve.
Während der Finanzkrise hat die US-Zentralbank mit gewaltigen Geldspritzen das Wirtschafts- und Finanzsystem vor einem Kollaps bewahrt. In einer ersten Runde der quantitativen Lockerung kaufte die Notenbank für 300 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen und für rund 1,2 Billionen Dollar andere Wertpapiere, etwa mit Immobilien besicherte Anleihen und Papiere der staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. In einer zweiten Runde kaufte die Notenbank dann weitere US-Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar.
An den Finanzmärkten reagierten Anleger enttäuscht auf die abwartende Haltung der Federal Reserve. Die Aktienmärkte in den USA und Europa gerieten unter Druck, während der Dollar gegenüber dem Euro zulegte.
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July 17, 2012 11:19 ET (15:19 GMT)
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