Wie tief ist der Co-Chef der Deutschen Bank in die Zinsmanipulationen verstrickt? Der neue Chefaufseher Paul Achleitner will alles aufklären - und hat interne Ermittler in Marsch gesetzt. Für Jain kommt das zur Unzeit.
Josef Ackermann wollte nicht, dass sein oberster Investmentbanker ihm als Chef der Deutschen Bank nachfolgt. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist bislang, dass ein zentraler Grund dafür die Affäre um die Londoner Zinsmanipulationen gewesen ist, die im Vorstand erstmals im Januar 2010 zur Sprache kamen. "Die Zinsaffäre schwebte wie ein Damoklesschwert über Jain", sagte ein Insider dem Handelsblatt. Der Ex-Bankchef habe es an Warnungen gegenüber dem damaligen Aufsichtsrat nicht fehlen lassen.
Fest steht, dass Jain - anders als die Spitze der britischen Großbank Barclays - nicht in die Zinsmanipulationen verwickelt ist. Fest steht aber auch: Es waren seine Leute, die zu einem bankenübergreifenden Kartell gehörten, das verschiedene Zinssätze wie Libor und Euribor beeinflusste, um sich im Derivategeschäft günstige Ausgangspositionen zu verschaffen. Die Aktivitäten hatten System und fielen keinem internen Kontrolleur auf.
Jain legt Wert darauf, dass sich die kriminellen Machenschaften fünf Hierarchieebenen unter ihm abgespielt haben. Er selbst habe eine Untersuchung angeordnet. Die allerdings ist bis heute nicht abgeschlossen. Sie wurde anfangs nicht mit voller Intensität geführt, erfuhr diese Zeitung aus dem Aufsichtsrat.
Mittlerweile kümmert sich ein Team, das mehr als 100 Mitarbeiter umfasst, um Aufklärung. Diese bankinterne Ermittlertruppe arbeitet eng mit der Finanzaufsicht Bafin und den Aufsichtsbehörden in London zusammen. Im September - fünf Jahre nach den Verfehlungen und fast drei Jahre nach deren Bekanntwerden - sollen Ergebnisse vorliegen. Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner macht erkennbar mehr Druck als Vorgänger Clemens Börsig.
Für Jain, der seit 1. Juni mit Jürgen Fitschen die Deutsche Bank führt, kommt die Aufarbeitung des Skandals zur Unzeit. Im September wollte er die neue strategische Ausrichtung der Bank verkünden. Doch nun muss er viel Energie aufbringen, Verfehlungen seiner Truppe vor und in der Finanzkrise aufzuklären. Der Schatten der Vergangenheit - er wird Jain weiter begleiten.
In Großbritannien hat der Zins-Skandal längst ...
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