Dem Pharmahersteller Boehringer Ingelheim drohen offenbar Schadensersatzklagen in den USA. Wie der mit 13 Milliarden Euro Umsatz zweitgrößte deutsche Arzneimittelhersteller dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) bestätigte, wurden inzwischen gut 150 Klagen im Zusammenhang mit dem Blutverdünner Pradaxa eingereicht. Das Mittel ist seit 2010 zur Schlaganfallprophylaxe zugelassen. Die Kläger machen Pradaxa für gefährliche, zum Teil tödliche Blutungen verantwortlich.
Man betrachte die Klagen als unbegründet und sehe der Auseinandersetzung mit Zuversicht entgegen, zitiert die Zeitung einen Boehringer-Sprecher. Denn die Zulassungsbehörden in den USA wie auch in Europa haben Pradaxa ausdrücklich ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt. Das Mittel liefere einen wichtigen Gesundheitsvorteil, wenn es wie vorgeschrieben eingesetzt werde, konstatierte die Behörde. Pradaxa ist ein wichtiger Hoffnungsträger für Boehringer und dürfte 2012 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielen.
Das Problem ergibt sich aus der Wirkungsweise von Pradaxa wie
auch anderen neuen Blutverdünnern, darunter Xarelto von Bayer
Die Zulassungen basieren auf der Annahme, dass die Zahl der vermiedenen Schlaganfälle bei weitem höher ist als die Zahl gefährlicher Blutungen. Die neuen Mittel gelten als wesentlich einfacher zu handhaben als ältere Medikamente wie Warfarin oder Marcumar. Eine Analyse der US-Gesundheitsbehörde FDA zeige nach Angaben der Zeitung 1,6- bis 2,6-mal mehr Blutungsfälle bei dem älteren Gerinnungshemmer Warfarin als bei Pradaxa.
In der Datenbank der EU wurden laut "Handelsblatt" für Pradaxa bis September 2012 rund 9.000 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen erfasst, davon gut 7.000 außerhalb Europas. Für Xarelto, das die Zulassung zur Schlaganfall-Prophylaxe erst ein Jahr später erhielt, lägen rund 5.000 Meldungen vor. Im Zusammenhang mit Xarelto sind nach Angaben von Bayer bisher aber keine Schadensersatzklagen in den USA bekannt./ep/jha/kja
ISIN US7170811035 DE000BAY0017
AXC0051 2012-12-12/09:29
