Starke US-Konjunkturdaten haben am Freitag
die US-Börsen beflügelt und den Dow Jones Industrial auf
den höchsten Stand seit drei Monaten katapultiert. Mit Leichtigkeit
übersprang der Leitindex wieder die Marke von 13.000 Punkten und
stieg rund zwei Stunden vor Handelsschluss um 1,77 Prozent auf
13.106,84 Zähler. Damit machte er seine Verluste seit den
vergangenen vier Handelstagen wieder mehr als wett. Der marktbreite
S&P 500-Index rückte um 2,01 Prozent auf 1.392,45 Punkte
vor. An der Technologiebörse gewann der Nasdaq Composite Index
2,16 Prozent auf 2.972,74 Punkte. Der Auswahlindex
Nasdaq 100 legte um 2,09 Prozent auf 2.680,48 Punkte zu.
Die Arbeitsmarktdaten aus den USA seien allgemein an den Märkten
mit großem Interesse erwartet worden und hätten durchaus sehr
positiv überrascht, sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Markets.
Dabei verwies sie auf die Zahl der neu Beschäftigten außerhalb der
Landwirtschaft, die mit 163.000 Stellen deutlich über den
Erwartungen von 100.000 gelegen habe. "Dieser kräftige Anstieg kam
vor allem aufgrund der gestiegenen Jobs in der Autoindustrie",
kommentierte sie. Dennoch sieht Paluch auch einen Wermutstropfen,
"denn die gleichbleibend erwartete Arbeitslosenquote stieg auf ein
Fünfmonatshoch". Positiv hoben Börsianer zudem noch die inzwischen
wieder freundlichere Stimmung im US-Dienstleistungssektor hervor,
die laut Marktstratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital "weitere
positive Impulse lieferte".
Favorit im Dow waren die Aktien von Kraft Foods mit plus 4,03 Prozent auf 40,51 US-Dollar. Der
Lebensmittelkonzern hatte im zweiten Quartal nicht nur einen
überraschend hohen Gewinn erzielt, sondern will sich auch am 1.
Oktober nach Handelsschluss aufspalten. Die Anteilsscheine von
Hewlett-Packard (HP) legten um 3,70 Prozent zu.
Laut einem Pressebericht droht dem Softwarekonzern Oracle nach einem verlorenen Prozess nun eine Schadensersatzklage
durch den Computerhersteller HP. Derweil ging ein fünfjähriger
Streit wegen Datenklaus zwischen Oracle und seinem deutschen Rivalen
SAP zugunsten von Oracle aus: Der Walldorfer Konzern muss
den Amerikanern nun 306 Millionen Dollar an Schadenersatz zahlen.
Inklusive der Anwaltshonorare beläuft sich die Summe laut Oracle auf
"mindestens 426 Millionen Dollar". Die Oracle-Aktien rückten um 2,84
Prozent vor.
Die Aktien von Procter & Gamble stiegen um
3,53 Prozent. Im abgelaufenen vierten Geschäftsquartal hatte der
Verkauf der Kartoffelchips-Marke Pringles an Kellogg dem Konsumgüterkonzern zu einem überraschend kräftigen
Gewinnanstieg verholfen.
Bei American International Group (AIG) sorgte ein Gewinnsprung von 27 Prozent im zweiten Quartal lediglich
für ein knappes Kursplus von 0,52 Prozent. Dagegen stiegen die
Anteilsscheine der NYSE Euronext trotz
rückläufiger Umsatz- und Gewinnzahlen um 2,69 Prozent. Daher
kündigte der Börsenbetreiber neue Strategien und Kostensenkungen an,
um 2013 wieder zum Wachstum zurückzukehren.
Unter den Technologiewerten stachen die Aktien des weltgrößten
beruflichen Online-Netzwerks LinkedIn hervor. Dieses
hatte - ganz im Gegensatz zum Online-Netzwerk Facebook -
seinen Quartalsumsatz fast verdoppt. Die Aktien sprangen daraufhin
um 14,04 Prozent hoch. Die Facebook-Aktien rückten nach mehrtägigen
Verlusten und einem tags zuvor erreichten Rekordtief bei 19,82
Dollar um 8,38 Prozent auf 21,72 Dollar vor. Dass der französische
Medienkonzern Vivendi laut einem Bericht der
"Financial Times" den möglichen Verkauf seines Anteils am größten
US-Computerspieleverlag Activision Blizzard vorerst auf Eis gelegt hat, bescherte den letztgenannten an der
Nasdaq notierten Titeln ein Minus von 5,10 Prozent.
Im Blick standen erneut auch die Titel von Knight Capital
, die mit plus 23,26 Prozent auf Erholungskurs gingen und
davon profitierten, dass der durch Handelsturbulenzen am Mittwoch
schwer angeschlagene Finanzdienstleister kurzfristig Kredit erhalten
hat, um seine Geschäfte fortzuführen. Die Aktien waren in den
vergangenen zwei Tagen um 75 Prozent eingebrochen, nachdem am
Mittwoch ein offensichtlich falsch programmiertes Handelssystem von
Knight bei einigen Aktien an der Wall Street für massive
Kursausschläge und Handelsaussetzungen gesorgt hatte. In nicht
einmal einer Stunde war dem Unternehmen dadurch ein Vorsteuerverlust
von 440 Millionen Dollar entstanden./ck/he
ISIN XC0009694206 XC0009694271 US6311011026 US78378X1072
AXC0217 2012-08-03/20:03