Auch bei den SPD-Anhängern überwiegt die Skepsis: 49 Prozent von ihnen sind gegen eine Schuldenunion, nur 38 Prozent sind dafür. Für SPD-Chef Sigmar Gabriel sind diese Zahlen ein Rückschlag. Gabriel hatte die Professoren Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und Peter Bofinger einen Ideen-Beitrag für das Wahlprogramm der SPD schreiben lassen und sich deren Konzept zu Eigen gemacht. Es sieht vor, die Kontrolle über die Etats der Euro-Länder an eine überstaatliche Ebene zu übertragen und die Schulden der Euro-Staaten zu vergemeinschaften.
Politikwissenschaftler halten die Strategie des SPD-Chefs in der Euro-Krise für riskant. Die SPD befinde sich auf einer "gefährlichen Spur", sagte der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth zu "Focus". Der Satz "Wir vergemeinschaften Schulden" habe ein großes Unruhepotenzial. "Die SPD öffnet damit eine Einflugschneise für die Attacken der Union", fügte Langguth hinzu.
Auch der Parteienforscher Ulrich von Alemann hält die Euro-Rettung für ein "riskantes Thema" - gerade für die SPD. "Bei Bankenregulierung und Reichensteuer ruft die Basis hurra", sagte Alemann. "Aber dass Deutschland für die Schulden Südeuropas einstehen soll, ist schwer vermittelbar."