Von Benjamin Krieger
Endlich scheint es geschafft zu sein: Der DAX hat den Sprung über 7.000 Punkte geschafft. Acht Börsentage hat es gedauert, dann war die harte Nuss endlich geknackt. Doch wohin geht jetzt die Reise? Setzen die Kurse die Erholung im Tempo der vergangenen Wochen fort, dann steht der DAX Ende Oktober schon bei 8.000 Punkten. Aber daran glauben nicht einmal die größten Bullen am Markt.
Zur Erinnerung: Anfang des Jahres war der DAX schon einmal von 6.000 auf über 7.000 Punkte gestiegen. Anschließend brach er jedoch bis Anfang Juni wieder um mehr als 1.000 Punkte ein. Wie gewonnen, so zerronnen angesichts des Schuldendesasters vor allem in Spanien. "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich für eine neue Abwärtsbewegung abzusichern. Der September ist gespickt mit Risiken für Anleger", warnt Gregory Peters von Morgan Stanley.
Zu den Risiken: Der Rest des Monats August gehört der Federal Reserve. Am Mittwoch veröffentlicht die Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung von Ende Juli. Eine Woche später skizziert die Fed im monatlichen Beige Book ihre Sicht zu Konjunktur und Zinsen in den USA. Und am 31. August lädt die regionale Notenbank von Kansas City Notenbanker, Politiker und Wissenschaftler aus aller Welt zu ihrem traditionellen Symposium nach Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming.
Anfang September kehrt dann die Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission zurück nach Griechenland. Und nicht zu vergessen: Am 12. September entscheidet das Bundesverfassungsgericht in Sachen Euro-Rettungsschirm. "Die Volatilitäten sind niedrig, der Aufwärtsdrang an den Märkten lässt nach und die Risiken sind in Sicht", konstatiert Gregory Peters. Der Stratege rechnet folglich mit einem Ausverkauf in den kommenden ein bis zwei Monaten.
Rätselraten um die Strategie der Fed
Die Anfang Juni begonnene Aktien-Rally hat dem Euro nicht geholfen. Die Gemeinschaftswährung pendelt zum Greenback schon seit Wochen unter 1,25 Dollar. "Der Euro leidet noch immer massiv unter der Schuldenkrise in der Eurozone", sagt Armin Mekelburg von UniCredit. Neben Griechenland, dessen Regierung die Umsetzung der Reformen zeitlich strecken will, bleibe Spanien die Hauptsorge der Märkte. Bis zum Symposium in Jackson Hole dürfte sich daran auch nichts ändern, prognostiziert der Devisenstratege.
Vom Treffen in Jackson Hole erhoffen sich die Finanzmärkte Hinweise, ob die Federal Reserve die Notenpresse ein drittes Mal anwirft, um Liquidität in die Märkte zu pumpen. Zuletzt sprachen recht solide Konjunkturzahlen aus den USA eher gegen dieses Szenario. "Das Rätselraten geht weiter", sagt Tobias Basse von der NordLB. Die Fed werde auch in den kommenden Wochen analysieren, ob neue geldpolitische Anreize für die Konjunktur nötig sind.
Die summa summarum robusten Konjunkturzahlen aus den USA haben am Rentenmarkt die Renditen deutscher Staatsanleihen wieder steigen lassen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren wieder über 1,50 Prozent, nachdem sie im Rekordtief lediglich 1,16 Prozent Rendite abwarfen. Jens Kramer von der NordLB sieht das sichere Investment Bundesanleihe trotz dieser Erholung "im unerbittlichen Griff der Staatsverschuldung". Solange diese ungelöst sei, drohten neue historische Tiefstände bei den Renditen.
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August 17, 2012 07:47 ET (11:47 GMT)
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