Von Thomas Leppert
In den kommenden Tagen und Wochen hat der Aktienmarkt einige Klippen zu nehmen. Investoren haben Sorge, dass dies nicht ohne Blessuren vonstatten geht, und nehmen Gewinne mit. Sollten die Risiken in der Eurozone wieder höher eingestuft werden, könnten sie später wieder billiger am Aktienmarkt einsteigen. Der Euro-Stoxx-50 gab um 1,5 Prozent auf 2.453 Punkte nach, für den deutschen Aktienmarkt ging es um ein Prozent auf 7.018 Punkte nach unten. Die größten Kursverluste in Europa musste Madrid mit einem Minus von 2,7 Prozent einstecken.
Die möglichen Gefahren sind für die Investoren bereits alte Bekannte. Einmal mehr geht es um Griechenland. Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras will die Kreditgeber seines Landes bitten, dem Land zwei Jahren mehr für das Erreichen seiner Haushaltsziele zu geben. Nach Aussage informierter Personen glaubt Samaras, dass sich dieses Frist ohne zusätzliche Kredite von EU und Internationalem Währungsfonds erreichen lässt. Wie es aus diesen Kreisen hieß, will Samaras seine Idee am Mittwochabend zunächst Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker vorstellen und danach am Freitag und Samstag Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande.
Damit nicht genug. In der kommenden Woche steht das Treffen der wichtigsten Notenbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming an. Dort gehaltene Reden der Notenbanker brachten in den vergangenen Jahren die Kapitalmärkte teils kräftig in Bewegung. Aber auch die Sitzung der EZB am 6. September und die mit Spannung erwartete Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Europäische Stabilitätsmechanismus am 12. September werfen ihre langen Schatten voraus. Wer das Risiko möglicher Überraschungen nicht mittragen möchte, trennt sich von seinen Aktien.
Dem schwächeren Trend am Aktienmarkt konnte sich der Euro entziehen. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,2470 US-Dollar nur knapp unter dem neuen Sechswochenhoch vom Dienstag. Auch die Kursbewegungen am europäischen Anleihemarkt sorgten für keine Gewitterwolken. Bei der Auktion einer neuen Serie von Bundesschatzanweisungen konnte sich Deutschland zum Nullzins refinanzieren. Die Nachfrage wurde im Handel als "etwas zurückhaltend" eingestuft.
Kräftiger Preisanstieg bei gebrauchten US-Immobilien
Keinen nennenswerten Impuls für den Aktienmarkt lieferten am Nachmittag die Verkäufe bestehender Häuser in den USA, die im Juli um 2,3 Prozent gegenüber Juni auf einen Jahreswert von 4,47 Millionen gestiegen sind. "Wir sehen seit Mitte 2011 einen stabilen Aufwärtstrend am US-Immobilienmarkt", sagt Annalisa Piazza von Newedge Strategy. Für die kommenden Monate erwartet sie eine Fortsetzung dieses Trends. Die Verkäufe von bestehenden Häuser machen etwa 75 Prozent des Absatzvolumens am US-Häusermarkt aus, jene von Neubauten 25 Prozent. Der Medianpreis eines bestehenden Hauses betrug im Juli 187.300 Dollar und damit 9,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das ist der stärkste Anstieg seit Juni 2006.
Am Abend stehen dann die sogenannten "Minutes", das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung, zur Veröffentlichung an. Thu Lan Nguyen, Devisenstrategin der Commerzbank erwartet kaum etwas Neues. "Die US-Notenbanker dürften sich einmal mehr darauf verständigt haben, dass das Wachstum moderat ausfallen wird und sich die Erholung am Arbeitsmarkt fortsetzt, wenn auch schleppend", so die Strategin. Vor diesem Hintergrund seien weitere quantitative Lockerungen momentan kaum zu erwarten.
Dell verschläft den Trend zu Smartphones und Tablet-PCs
Der europäische Sektor der Technologiewerte verlor 1,3 Prozent. Hier drückten auch schwache Geschäftszahlen des US-Computerherstellers Dell, dem im zweiten Quartal die weltweit nachlassenden Computerabsätze zu schaffen gemacht hatten. Dabei machte sich nicht nur die Konkurrenz durch Smartphones und Tablet-PCs bemerkbar. Auch die konjunkturellen Unsicherheiten spielten eine Rolle. "Dell und Hewlett-Packard sind die Verlierer des Trends zu Tablets und Smartphones", sagte ein Händler.
Die Aktien des britische Minenkonzerns BHP Billiton gaben nach der Vorlage der Quartalsbilanz um 1,7 Prozent auf 1.947 Pence nach und drückten die Rohstoffwerte auf den ersten Platz in der Verliererliste der Branchen. Nachdem die Aktie zuvor ein Drei-Monats-Hoch markiert hatte, haben die Zahlen nicht den nötigen Treibstoff für weitere Gewinne geliefert. Der Nettogewinn habe leicht über den Schätzungen gelegen, während die Dividendenanhebung erwartet worden sei, kommentierte ein Marktbeobachter. Der Sektor der Minenwerte sank um zwei Prozent.
Europäische Schlussindizes vom Mittwoch, 22. August:
=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2452,73 -37,54 -1,5% 5,9 . Stoxx-50 2539,96 -31,24 -1,2% 7,2 . Stoxx-600 269,27 -3,31 -1,2% 10,1 Frankfurt XETRA-DAX 7017,75 -71,57 -1,0% 19,0 London FTSE-100 5778,99 -78,53 -1,3% 3,8 Paris CAC-40 3461,65 -51,63 -1,5% 9,6 Amsterdam AEX 332,08 -3,84 -1,1% 6,3 Athen ATHEX-20 233,82 -0,99 -0,4% -11,7 Brüssel BEL-20 2369,35 -19,53 -0,8% 13,7 Budapest BUX 17543,47 -106,56 -0,6% 3,4 Helsinki OMXH-25 2042,15 -25,04 -1,2% 5,2 Istanbul ISE NAT. 30 80806,75 387,14 +0,5% 31,0 Kopenhagen OMXC-20 490,54 -3,60 -0,7% 25,8 Lissabon PSI 20 4970,03 -5,13 -0,1% -9,6 Madrid IBEX-35 7544,50 -203,80 -2,7% -14,3 Mailand FTSE-MIB 15161,18 -169,28 -1,1% 0,5 Moskau RTS 1428,23 -13,16 -0,9% 3,4 Oslo OBX 405,26 -3,56 -0,9% 13,3 Prag PX 956,70 6,20 +0,7% 5,0 Stockholm OMXS-30 1061,80 -23,27 -2,1% 7,5 Warschau WIG-20 2279,15 -20,21 -0,9% 6,3 Wien ATX 2071,36 -19,47 -0,9% 9,5 Zürich SMI 6475,47 -42,85 -0,7% 9,1 DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 7,50 Uhr Di, 18.41 Uhr EUR/USD 1,2471 0,06% 1,2463 1,2471 EUR/JPY 98,7455 -0,06% 98,8071 99,0645 EUR/CHF 1,2009 -0,01% 1,2011 1,2010 USD/JPY 79,1900 -0,12% 79,2815 79,4300 GBP/USD 1,5801 0,10% 1,5784 1,5783 ===
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August 22, 2012 12:33 ET (16:33 GMT)
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